Haben Blogger Rechte?

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- oder was der Macher des Blogs F!XMBR von Mitarbeiterrechten hält!

Die Selbstüberschätzung von Bloggern wird oft mit Recht kritisiert, aber sie korrespondiert mit ähnlichen Entwicklungen in anderen Bereichen der Medien. Die Nutzer einer neuen Technik sehen sich gleich als die großen Zukunftspioniere. Soweit nichts Besonderes. Wie schnell aus einer Kritik an Bloggern ein ganz gewöhnlicher Herr-im-Hause Standpunkt werden kann, zeigte ein Interview mit Christian Sickendieck, Macher des Blogs F!XMBR in der Jungle-World (jungle-world.com/artikel/2010/29/41386.html). Dabei ging es um einen FAZ-Blogger, dem sein Blog gesperrt wurde und sich das nicht gefallen ließ und der dabei von anderen Bloggern unterstützt wird. Weiter so, kann man da nur sagen. Blogger erkennen endlich ihre Macht.

Wie denkt nun Blog-Macher Sieckendieck darüber? Wie ein Zeitungspatriarch, für den Mitarbeiterrechte ein Fremdwort sind. Beispiele gefällig:

Was denken Sie über den aktuellen sogenannten Skandal hinsichtlich der abgeschalteten Blogs bei der FAZ, will die Jungle-World-Kollegin wissen und Sieckendieck antwortet:

„Nachdem, was ich bisher gelesen habe, hat sich die FAZ absolut korrekt verhalten. Es gab bereits im April eine Veröffentlichung, die auf die Problematik hinwies, dass manche FAZ-Blogger Bilder in ihre Artikel gestellt haben, ohne die Rechte dafür zu besitzen. Michael Seemann hat offensichtlich wiederholt gegen Creative-Commens-Lizenzen verstoßen. Wenn sein aktueller Artikel von der Redaktion vom Netz genommen wurde und er ihn ohne Rücksprache wieder online gestellt hat, so ist das ein unglaublicher Vorgang – auch wenn er beim zweiten Mal keine Bilder eingefügt hat. Wir reden hier nicht von einem kleinen Privatblogger, der nachmittags nach der Arbeit ein Blog füllt. Es bestand zwischen der FAZ und diesem Blogger ein Vertragsverhältnis. Mit der zweiten Veröffentlichung hat Seemann jegliches Vertrauen zerstört und die ihm von der FAZ gebotenen Möglichkeiten missbraucht. Kein Unternehmen der Welt wird sich dieses Verhalten von einem freien Mitarbeiter bieten lassen. Seemann sollte froh sein, wenn nicht noch nachträglich Forderungen an ihn gestellt werden.“

Dass die FAZ-Verantwortlichen das Vertrauensverhältnis durch die Löschung des Blogs zerstört haben, ist Sieverdieck keinen Gedanken wert, so sehr sehrt steckt sein Gehirn im Arsch von Macht und Kapital, wie im Interview noch deutlicher wird.

Auf die Frage nach der Zukunft der Blogger antwortet Sieverdieck:

“Ich glaube, mit dem Fall bei der FAZ stehen wir vor einer Zäsur. Michael Seemann, Mario Sistus, Thomas Knüwer und andere haben das Bloggen in Deutschland endgültig in Verruf gebracht. Wer sich so unprofessionell verhält wie Seemann, wer wie Sixtus völlig hanebüchen von einer »Bücherverbrennung« spricht, wer wie Knüwer die FAZ-Redaktion beleidigt, kann nicht mehr ernst genommen werden. Wir sprechen hier immerhin von Bloggern, die zu den etabliertesten und auch medial bekanntesten gehören. Sie sind wie so häufig in der Vergangenheit ihrer großen Verantwortung nicht gerecht geworden. Wenn ich Tausende von Lesern täglich begrüßen darf, ob auf Twitter oder meinem Blog, wenn ich von vielen Seiten als Interviewpartner angehört werde, wenn ich von den etablierten Medien und von Unternehmen auf Zukunftskongresse eingeladen werde, dann habe ich mich anders zu verhalten. Professionell."

Immer im Arsch der Macht

Professionell sein, heißt für Sieckendieck tief im Arsch von Unternehmen und ihren Zeitungen wie der FAZ,zu stecken. Genau diese Position wirdseit Jahrzehnten von den Verantwortlichen der überwiegenden Mehrheit der Printmedien gegen kritische Mitarbeiter durchgesetzt. Deshalb ist an diesem Punkt die Gegenüberstellung zwischen Bloggern und Schreibern in gedruckten Zeitungen falsch.Personen, die ihren (klugen?) Kopf bei derFAZ abgegeben haben und kritische Stimmen reglementieren, gibt es hier wie dort. Dagegen ist zu hoffen,dass es mehr Michael Seemanns, Mario Sistus, Thomas Knüwers gibt, im Netz und außerhalb. Und dass sich Blogger ebenso wie freie Journalisten bei den Printmedien endlich gewerkschaftlich organisieren, damit die FAZ und die Sickendiecks dieser Welt mal was von Mitarbeiterrechten lernen.

Und die Zukunftskongresse der Mächtigen sollten die kritischen Blogger, so schwer es wegen der guten Büffetts auch fallen mag, ignorieren. Der Platz sollte bei denen sein, an denen die Macht exukutiert und denen die Zukunft genommen wird, im Betrieb, den Flüchtlingsheimen, den Jobcentern und wo auch sonst immer.

Peter Nowak

16:28 30.07.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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