Anitrassistische Kunst

Ina Wudtke Die Berliner Künstlerin kuratiert eine Ausstellung, die noch bis Sonntag im Projektraum Spreeufer, am Spreeufer 6 zu sehen ist.

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Auch nach der Eröffnung des Humboldt Forums im Zentrum Berlins reicht die Diskussion um Kolonialismus und Kunst nicht ab. Am Spreeufer 6 ganz in der Nähe ist der antikolonialer Ausstellungs- und Aktionsraum, der im Kampf gegen das Humboldt Forum entstanden ist, weiterhin ein ein Ort der Aufklärerin. Noch bis zum Sonntag ist dort eine von Ina Wudtke kuratierte Ausstellung zu sehen. In einem achtminütigen Video ist eine antirassistische Interventin der Künstlerin Sonia Boyce im Jahr 2018 in der Manchester Art Gallery zu sehen, im

"Wie bei vielen ihrer Arbeiten wusste die gastgebende Institution nicht, wehe Form die Übernahme annehmen würde. Boyce lud die Performerin* Lasana Shabazz, zusammen mit der Gorgeous Drag Family, Mitarbeiter:innen der Institution und ein geladenes Publikum ein die Gemälde zu kommentieren. Anschließend entwickelte sie aus der Dokumentation des Ereignisses die Sechskanal-Videoarbeit Six Acts, die später in der Manchester Art Gallery zu sehen war", heißt es im Pressetext.

Für ihre Berliner Ausstellung im Spreeufer hat Sonia Boyce die Performance von Lasana Shabazz aus der größeren Videoarbeit extrahiert, bearbeitet und eine Zweikanal- Videoarbeit mit dem Titel Ain’t Misbehavin‘ geschaffen, die nun erstmalig in Berlin zu sehenist. Ain't Misbehavin' wechselt zwischen drei Bewegtbildmodi: der Überwachungskamera (hoch oben positioniert), der Handkamera (deren Ästhetik die Distanz zwischen den Betrachtenden und der sich entfaltenden Handlung verringert) und der Animation (die eine Absage an den Realismus verkörpert). Einzelne Standbilder der Animationen hat Boyce als viktorianisch anmutende Tapete produziert vor der die beiden Videos laufen. Die Tapete steht in einer ganzen Reihe konzeptueller Wallpapers, die Sonia Boyce in den letzten Jahren entworfen hat.

Lasana Shabazz beginnt die Performance vor dem Porträt eines schwarzen Mannes, dem ersten Kunstwerk, das in die Sammlung der Manchester Art Gallery aufgenommen wurde. Das Gemälde von James Northcote Othello, The Moor of Venice (1826) trug ursprünglich den Titel "The Moor". Der Titel wurde geändert, nachdem die Kurator:innen des Museums entdeckt hatten, dass es sich um ein Porträt des berühmten Shakespeare-Schauspielers Ira Aldridge aus dem 19. Jahrhundert handelte, der zunächst in den USA, wo er geboren wurde, Karriere machte und anschließend im Vereinigten Königreich reüssierte.

Die Performance regt natürlich dazu an, nachzufragen, ob es nicht auch Beriner Mussen Kunstraum Schwarzer Menschen sind, die nicht mit Namen geannt werden.

Sonia Boyce

SPREEUFER

Antikolonialer Ausstellungs- und Aktionsraum Spreeufer 6, 10178 Berlin-Nikolaiviertel

How (not) to present a collection: A re-presentation of One of Six Acts - Ain't Misbehavin' (2018/2022) kuratiert von Ina Wudtke

AUSSTELLUNG: 29. Oktober - 27. November 2022

FINISSAGE: Sonntag, 27. November 2022, 14-19 Uhr

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