Kain und Abel im Gefängnishof

Gefängnistheater Kain und Abel lautet das Theaterstück, das in den nächsten Tagen im Gefängnishof Tegel in Berlin zu sehen ist. Die Mimen sind Gefangene


Die Erzählung von Kain und Abel wird in unterschiedlichen Religionen und Kulturen tradiert. Es geht um nicht um den ersten Mord unter Brüdern sondern um den ersten, der von den Menschen reflektiert wird. So kann man also sagen, dass die Erzählung von Kain und Abel den Zeitpunkt markiert, wo die Menschen aus ihrer Naturgeworfenheit heraustritt.

Seitdem ist das Kain und Abel-Motiv in die Kultur Einzug gehalten. Jetzt gibt es für Freunde des außergewöhnlichen Kunstgenusses die Gelegenheit einige Variationen von Kain und Abel im Gefängnishotel der JVA Tegel zu erleben. Dort ist ein großes Gerüst aufgebaut, um das sich die Schauspieler gruppieren. Über ihnen trohnt ein alter Mann mit weißen Bart und wallenden Gewändern, der mit einem osteuropäischen Akzent spricht. Er ist wie alle anderen Künstler Gefängnisinsasse. Die Aufführung wird vom Gefängnistheaters Aufbruch in diesem Sommer inszeniert.

Es sind ganz verschiedene Vorlagen der Kain-Abel-Erzählung, die dort vorgeführt werden von Moses über Goethe bis zu Georg Seidel, der im Programmheft als DDR-Oppositioneller vorgestellt wird. Interessant sind die unterschiedlichen Erklärungsansätze der Kain und Abel Sage. Psychologisierende sind ebenso darunter wie eine materialistische, die den vermeintlichten Brudermord als n Konflikt zwischen Hirten und Ackerbauern interpretiert.
Den Schauspielern merkt man an, dass sie Freude haben, sich auszudrücken. Besonders wenn sie Sätze sagen, die an diesen Ort eine besondere Bedeutung haben.

„Was mach ich in den Kerker noch? Vermaledeites Mauerloch?“, heißt es einmal.

„Wo ist mein Leben hier an diesem Ort?“ ruft ein anderer. Die Antwort schallt vielstimmig aus den Zellen, wo sich die Mitgefangenen nicht nur aufs Zugucken beschränken. Immer wieder wird etwas aus den Zellenfenstern gerufen, bis das Wachpersonal energisch Ruhe fordert. Dabei ist es gerade der Reiz dieser Aufführung an diesem Ort, dass eben anders als im traditionellen Theater plötzlich nicht nur die Schauspieler sich zu Wort melden.

Peter Nowak

Vorstellungen:
22., 27., 29. Juni sowie 4., 6., 11. und 13. Juli 2012

jeweils um 18.00 Uhr (letzter Einlass 17.30 Uhr)


Spielort:
JVA Tegel
Seidelstraße 39 - Tor 2
13507 Berlin
U6 Otisstraße oder Holzhauser Straße

Kain und Abel

Vorstellungen: 22., 27., 29. Juni sowie 4., 6., 11. und 13. Juli 2012 jeweils um 18.00 Uhr (letzter Einlass 17.30 Uhr)

Spielort:JVA TegelSeidelstraße 39 - Tor 213507 BerlinU6 Otisstraße oder Holzhauser Straße

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Geschrieben von

Peter Nowak

lesender arbeiter

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