Krimis müssen nicht unpolitisch sein

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Brieden Hubert, Krisenreaktion
Kriminalroman, 250 Seiten, Paperback, 14,90 €, ISBN: 978-3-930726-14-1


Heinz J. Schneider
Tod in der Scheune, Historischer Schleswig-Holstein-Krimi. Kriminalroman
Einband: Kartoniert/Broschiert, September 2009



Linke Kriminalromane sind in Deutschland eine absolute Ausnahme. Es gibt hier keinen Henning Mankell. Der schwedische Autor kann als Meister des sozialkritischen Kriminalromas bezeichnet werden.

Mit ihm können weder Hein-JürgenSchneider noch Hubert Brieden verglichen werden. Beide Autoren sind bekennende Linke und haben in den letzten Monaten einen Krimi veröffentlicht, in dem sie ihre politische Gesinnung nicht verheimlichen. Brieden hatte wegen des politischen Engagements in den 70er Jahren als Lehrer Berufsverbot und hat sich mittlerweile in Niedersachsen in der Regionalgeschichtsforschung einen Namen gemacht, weil er in der Region die Spuren von Nationalsozialismus und Militarismus akribisch untersucht. Der Region Hannover blieb Brieden auch in „Krisenreaktion“, seinen aktuellen Krimi, treu. Nur ist die Handlung dieses Mal rein fiktiv. Ein leitender Mitarbeiter eines Jobcenters wird ermordet. Schnell fällt der Verdacht auf eine Gruppe aktiver Erwerbsloser, die schon seit Jahren gegen Schikanen im Arbeitsamt protestieren und dabei immer wieder mit dem Mitarbeiter in Konflikt geraten sind. Ein Erwerbslosenaktivist, der die Gruppe längst verlassen hat, wird verhaftet und viele Indizien sprechen geben ihn. Für die Medien und die Öffentlichkeit ist schnell alles klar. Ein fanatischer Arbeitsloser hat einen unbestechlichen Beamten kaltblütig ermordet und aufgehetzt wurde er von linken Aktivisten.

Helmuth Krassek, ein alter Linker und Mitarbeiter eines freien Radios, will sich zunächst nicht mit dem Fall beschäftigen. Doch, weil die Erwerbslosenaktivisten sehr drängen, beginnt er zu recherchieren und stößt bald auf ein Geflecht von Waffenschieberei, Zwangsprostitution und extreme Rechte. Mittendrin ist der in der Öffentlichkeit so hochgelobte ermordete Jobcentermitarbeiter. Am Ende kommt es noch zu einem westernmäßigen Showdown. Leider hat Brieden schon ziemlich am Anfang eher beiläufig verraten, wo der Mörder zu suchen ist. Schade, damit verliert der stellenweise stark politlastige Krimi doch an Spannung.

Fast ein historischer Text

„Tod in der Scheune“, der erste Krimi des linken Hamburger Rechtsanwalts Heinz Jürgen Schneider, begibt sich auf historisches Terrain. 1931 wird in einem Dorf in Schleswig-Holstein eine Bauerntochter erhängt aufgefunden. Ein polnischer Erntehelfer wird in unmittelbarer Nähe verhaftet. Sofort ist für die Medien klar, dass er der Mörder ist. Der Fall bekommt noch eine besondere politische Brisanz, weil der Bruder der Erhängten Funktionär der NSDAP ist, die den Tod der jungen Bäuerin für ihre Hetze benutzt. Dass der junge Pole als Mörder zum Tode verurteilt wird, steht aber auch für die bürgerliche Presse und die Öffentlichkeit schnell fest. Wäre da nicht ein Pflichtverteidiger, der seinen Job ernst nimmt. Der sorgt zunächst dafür , dass der kaum der deutschen Sprache mächtige Pole eine Übersetzerin bekommt. Schell gerät der Pflichtverteidiger ins Visier nicht nur der Nazis, die mit Demonstrationen Druck auf das Gericht ausüben. Doch auch die Justiz will den Fall schnell abschließen und entzieht den renitenten Anwalt das Mandat. Der aber hat mittlerweile Kontakt zu der linken Gefangenenhilfsorganisation Rote Hilfe aufgenommen, die ihm zum persönlichen Schutz einen Leibwächter stellt und ihn auch juristische Tipps gibt. Der liberale Anwalt, der zur Entspannung schon mal die radikaldemokratische Publikation Weltbühne liest, wird zum politischen Kämpfer. Er kann den Beschuldigten vom Mordvorwurf entlasten und vor der Todesstrafe bewahren aber einen Freispruch erreicht er doch nicht. Dem Text merkt man an, dass er von einem Anwalt geschrieben ist. Die Beschreibung ist so dicht, dass man denken könnte, es handelt sich um eine historische Begebenheit. Spannend ist das Buch bis zur letzten Zeile.

Die Lektüre der doch sehr unterschiedlichen Bücher macht Spaß, so dass man sich am Ende eines wünscht:bitte mehr linke Krimis.

Peter Nowak

15:28 11.12.2009
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