Kunst in der atmenden Fabrik

Endmoräne Noch bis zum morgen 18 Uhr kann sie besucht werden. Ein Besuch in der Spanplattenfabrik Beskow (EingangHafenstraße) lohnt.
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Ganz langsam schnitzt Susanne Ahner an einen Baumstamm. Man merkt, dass der Künstlerin die Handarbeit Spaß an ungewöhnlichen Ort Vergnügen bereitet. Schließlich steht ihr Schnitzwerk an ungewöhnlichen Ort, am Hof des Spanplattenwerks Sonae Arauca im Brandenburgischen Beeskow. Dort hat die Kunstausstellung Endmoräne dieses Jahr ihr Domizil gefunden Die alljährlich stattfindende Schau Brandenburger Künstlerinnen findet immer an ungewöhnlichen Ort statt, die schon für sich sehenswert sind. In diesem Jahr haben sie einen ausgelagerten Teil des Spanplattenwerks als Ausstellungsort gefunden, das noch produziert. Während mensch die ausgestellten Installationen betrachtet, hört man die Maschinengeräusche aus der noch atmenden Fabrik. Aus dem Schornstein entweicht weißer Rauch. So haben wir die einmalige Gelegenheit, Kunst in einer noch arbeitenden Fabrik zu betrachten und nicht in schicken Galerie. Das war schon immer ein absoluter Plus-Punkt der Ausstellung Endmoräne. Viele der Installationen der 20 ausstellenden Künstlerinnen befinden sich im Hof der Fabrik. Dabei haben die sie auch alte Maschinen benutzt und mit einfachen Mitteln in künstlerische Installationen verwandelt. So hat Masko für ihre Installation „Gemurmel von verschlissenen Maschinen“ Sprüche auf Kartons geschrieben: „Bin ich Arbeiter. Ich habe alle gegeben. Wo habe ich vergessen“. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Installation „Gemurmel der verschlissenen Arbeiter*innen“ zu nennen. Denn hier hat man den Eindruck, dass hier die Erfahrungen der ausgebeuteten Arbeiter*innen zu Papier gebracht wurden. Alina Inserra hat einen alten Turm im Fabrikhof mit einer interaktiven Webseite verknüpft. „Mach mal Pause“ heißt eine besondere Installation. Mitten im Fabrikhof ist eine knallbunte Strandbar aufgebaut, wo sich Menschen niederlassen kennen, wenn ausruhen wollen. In einer Fabrikhalle gibt es auch sehr interessante Videos und Soundcollagen. So haben Alina Inserra und Michaela Nasoetian mit ihrer „Partitur der Arbeit“ Fabrikgeräusche in klassische Töne transformiert. Sehr interessant sind auch die Interviews mit einen langjährigen Arbeiter, der die sozialen Errungenschaften in der DDR lobte und die Probleme bei der Transformation in kapitalistische Verhältnisse schilderte, dabei aber immer der Standortlogik verhaftet bleibt, wenn er lobt, wie gut man gemeinsam die Probleme gelöst hat. In der Fabrik wird auch eine Zeitung vorgestellt, die die fünfzigjährige Geschichte des Spanplattenwerk Beeskow thematisiert. Sie kann über die Kupferschmiede Beeskow bestellt werden kann. Hier konnte nur eine kleine Auswahl der Installationen kurz vorgestellt werden, die auf der diesjährigen Endmoräne zu sehen sind. Noch bis zum morgen 18 Uhr kann sie besucht werden. Ein Besuch in der atmenden Fabrik lohnt.

Peter Nowak

Tomorrow never waits

SOMMERWERKSTATT UND AUSSTELLUNG 2021

AKTUELL: Sommerwerkstatt und Ausstellung 2021 in Beeskow, Land Brandenburg

Tomorrow never waits

noch mehr: 28. + 29.8. 2021
Öffnungszeiten | von 11 bis 18 Uh

15:54 28.08.2021
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