Ladendiebstahl für eine bessere Welt?

Deutschland geht klauen Eine Kritik an der jüngsten Kampagne des Peng-Kollektivs
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Wie wenig auch kritische Initiativen mit den einkommensarmen Menschen hierzulande zu tun haben, zeigt das Peng-Collective mit seiner jüngsten Kampagne „Deutschland geht klauen“ (https://pen.gg/campaign/deutschland-geht-klauen/).Da rufen hippe Mittelstandslinke zum Klauen bei verschiedenen Billig-Discounter auf. Das gesparte Geld soll dann an die Gewerkschaften der Produzent_inen weitergeleitet werden, die besonders ausgebeutet werden. Die Kampagne mag gut gemeint sein, ist aber in ihrer Zielsetzung wirkungslos. Der Kapitalismus funktioniert immer auf Vernichtung von Waren, die höchste Form der Vernichtung ist der Krieg. So wurde bekannt, dass die Modekette H&M ganze Ladungen ihrer Billigtextilien in Dänemark verbrennen lässt, so was nennt man Marktbereinigung. Das geschieht tagtäglich, die Empörung setzte auch nur ein, weil man diese Art der Entsorung für höchst umweltschädlich hielt.

Die Vorstellung durch den Kaufhausklau Druck auf die Eigner ausüben zu können, ist naiv. Außerdem baut die Peng-Kampagne an das Ressentiment der Mittelstandslinken, die sich Bioläden leisten, gehen die Billig-Discounter auf.

So heißt es im Aufruf:

„Dass die Preise nur so billig sind, weil die Rechtslücken der globalen Produktion systematisch ausgenutzt werden und die Arbeiter*innen auf den Plantagen für unseren Genuss auf Arbeitsrechte verzichten müssen, wissen wir mittlerweile alle“.

Mag sein, was aber die Peng-Leute nicht wissen oder nicht wissen wollen, ist dass, es viele Menschen auch in Deutschland gibt, die sich nur einen Einkauf in diesen Billig-Discounter leisten können. Davon erfährt man aber in dem Aufruf kein Wort. Einen weiteren Nebeneffekt hat die aufwendig verbreitete Kampagne noch. Sie wird wahrscheinlich in den angesprochenen Läden zu einer höheren Präsenz von Detektiv_innen und geschalteten Kameras führen, worunter möglicherweise diejenigen, die aus Armutsgründen still und unauffällig ihren Kaufhausklau tätigen, zu leiden haben. Hätte das Peng-Collective die Debatte um die Essener Tafel benutzt und aufgerufen jetzt besonders viel in Bioläden mitgehen zu lassen und die Produkte dann auf Umsonstflohmärkten in Umsonstläden und an städtischen Plätzen, an denen sich Wohnungs- und Obdachlose aufhalten, unter dem Motto „Wir haben es satt - gegen die Vertafelung der Gesellschaft“ verteilt, dann hätte sie auch nichts an den Kapitalismus geändert, aber die Kampagne hätte die richtige Stossrichtung gehabt. So aber markiert sie vorallem die Kluft, die zwischen der Nachwuchs-NGO von den Einkommensarmen in der Gesellschaft klafft.

Peter Nowak

17:38 08.03.2018
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