MieterInnenkampf ohne Grenzen

Friedelstraße 54 Citec Berliner Mieter_innen protestieren vor der Zentrale ihrer Eigentümer_innen in Wien
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„Wir sind hier. Wir sind laut, weil Ihr uns die Friedel klaut“, riefen die ca. 200 DemonstrantInnen, die am Samstagmittag vom Wiener Arbeiterstadtteil Favoriten ins Zentrum der österreichischen Hauptstadt zogen. Am Parkring in der noblen Wiener Innenstadt hielten sie eine Kundgebung vor der Zentrale der Immobilienfirma Citec ab.

Unter den Demonstranten befanden sich 60 Mieter und Unterstützer der Friedelstraße 54 in Berlin-Neukölln. Nachdem die Citec das Haus vor mehr als 18 Monaten gekauft hat, begannen die Konflikte mit den MieterInnen ( Mieterecho Online berichtete). Die Citec plant eine energetische Modernisierung, was es ihr ermöglicht die Mieten zu erhöhen. Viele der BewohnerInnen befürchten, dass sie sich dann die Miete nicht mehr leisten können. Obwohl das Gebäude in der Friedelstraße 54 vollständig eingerüstet ist, konnte die Sanierung noch nicht beginnen, weil sich die Mieter wehren.

Die Idee, der Citec in Wien einen Besuch abzustatten, war entstanden, nachdem dem Stadtteilladen in der Friedelstraße 54 zum 30. April gekündigt wurde. Mit dem Besuch sollte der Druck auf die Firma erhöht werden, mit den BewohnerInnen des Hauses und den NutzerInnen des Stadtteiladens in Verhandlungen zu treten. Schließlich haben sie schon vor einigen Wochen ein konkretes Angebot vorgelegt. Sie wollen das Gebäude über das Mietshäusersyndikat kaufen. Am vergangenen Donnerstag hat ein Mitarbeiter des Citec-Vorstands gegenüber dem Mietshäusersyndikat seine Bereitschaft erklärt, über das Angebot zu verhandeln. Die BewohnerInnen wurden aufgefordert, einen konkreten mit Zahlen untermauerten Vorschlag zu unterbreiten.

„Am vergangenen Freitag wollten wir das Angebot übergeben, waren damit allerdings nicht erfolgreich“, erklärte Matthias Sanders vom Stadtteilladen in der Friedelstraße 54 gegenüber Mieterecho Online. „Der Portier des Gebäudes lies uns wissen, das die Citec mit unserem Besuch gerechnet hat und deswegen niemand im Büro anzutreffen sei“, betont Sander. Er findet die mangelnde Kooperationsbereitschaft auch deshalb bedauerlich, weil die HausbewohnerInnen Informationen von der Citec benötigen, bevor sie dem Unternehmen ein durchgerechnetes Kaufangebot unterbreiten können. So ist ihnen noch immer nicht der Betrag bekannt, zu dem die Citec das Haus erworben hat. Zudem fordern die BewohnerInnen als Zeichen des guten Willens, die Rücknahme der Kündigung des Stadtteiladens.

Unterstützung in Wien für MieterInnenrechte

. Auch wenn es nicht zu ersten Verhandlungen gekommen ist, zieht Martin Sander ein positives Fazit der Reise in die österreichische Hauptstadt. „Besonders hat uns die große Unterstützung lokaler Gruppen in Wien gefreut.“ So gab waren in mehreren Stadtteilen Plakate und Parolen zu sehen, die sich mit der Friedelstraße solidarisierten. Besonders im proletarisch geprägten Stadtteil Favoriten applaudierten zahlreiche BewohnerInnen, als der Demonstrationszug an ihren Häusern zog und die Rechte der MieterInnen einforderte.

„Wir sind optimistisch, dass die Zusammenarbeit mit vielen stadtpolitischen AkteurInnen in Wien im Vorfeld unserer Reise dazu führt, dass auch dort das Thema weiterhin in die Öffentlichkeit getragen wird“, hofft Martin Sander. Tatsächlich ist bei den Wiener MieteraktivistInnen das Interesse groß, mehr über die Berliner MietrebellInnen zu erfahren. Denn, wenn in Wien der Anteil des Kommunalen Wohnungsbaus wesentlich größer als in Berlin ist, ist die Situation für MieterInnen mit geringen Einkommen auch dort keineswegs ideal. Durchschnittlich gibt es in Österreich 7 Zwangsräumungen pro Tag. Mittlerweile hat sich dort auch ein Bündnis gegen Zwangsräumungen gegründet.

Peter Nowak

Blöog der Friedelstraße 54

https://friedel54.noblogs.org

Veranstaltungsreihe Logik der Verdrängung:

http://nouvelledune.blogsport.de/2016/01/25/veranstaltungsreihe-logik-der-verdraengung-logik-des-kapitals/

13:54 22.03.2016
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