Namensgeber mit NS-Vergangenheit

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Hermann Andert war Mitglied der NSDAP, seine Söhne Herbert und Werner in der SA und im NS-Lehrerbund. Werner Andert veröffentlichte in NS-Zeitungen. Alle drei sind Namensgeber einer Mittelschule im sächsischen Ebersbach. Und sie sind kein Einzelfall. Über 100 Schulen in Deutschland tragen Namen von Personen mit NS-Vergangenheit. Das ist das Resümee einer Studiemit dem sperrigen NamenUnser Namensgeber - Widerstand, Verfolgung und Konformität 1933-1945 im Spiegelbild heutiger Schulnamen“, die der Chemnitzer Historiker Geralf Gemser kürzlich veröffentlichte. Allein im Freistaat Sachsen hat der Forscher 16 Namensgeber mit brauner Vergangenheit gefunden. Die meiste nsind nicht älter als 10 Jahre. Die Schulen trugen vorher Nummern oder Namen von Personen, die nach der Wende als nicht mehr tragbar empfunden wurden.
Im Freistaat Sachsen war man nach 1989 besonders rigide bei der Entfernungaller Namen von Personen, dieals Linke galten. Dabei hatte man durchaus nicht nur DDR-nahe Personen im Visier. Selbst ein unangepassterKommunist wie Max Hölz oder ein Anarchist wie Bakunin blieben von den Säuberungsaktionen nicht verschont.
Wie sich nicht erst durch Gemsers Studie herausstellte, hatte man nach Rechtsaußen viel weniger Berührungsängste. Dafür stand in Sachsen die Deutsche Soziale Union (DSU), die sich mehrheitlich in die Union auflöste. Aber ein harter Kern mischt noch heute in einer Rechtsaußenpartei gleichen Namens inder sächsischen Kommunalpolitik mit. Schließlichleistete sich der Freistaat auch für kurze Zeit einen Stasibeauftragten Sigmar Faust, der nebenbei auch noch in der neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit publiziert hat.
Deshalb wäre es fatal, den Umgang mit den inkriminierten Schulnamen lediglich den kommunalen Behörden zu überlassen. Die Ergebnisse von Gemsers Studie könnten Anlass für eine kritische Auseinandersetzungüber restaurative Tendenzen in den Nachwendejahren sein. Die Frage, ob hierin nicht auch ein Grund für das stabile rechtsextreme Wählerreservoir in Sachsen liegt, drängt sich dabei geradezu auf.
Doch, ob es zu einer solchen kritischen Auseinandersetzung im 10ten Jahr der Wende kommt, ist mehr als fraglich.Dafür bräuchte es eine rege Zivilgesellschaft und eine antifaschistische Bewegung, deren Aktivitäten sich nicht im Stören von Neonaziaufmärschen erschöpfen.
Peter Nowak

03:04 06.02.2009
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