Produkte aus selbstverwalteten Betrieben

Union-Coop Interview mit Hansi Oostinga über die Möglichkeit, Produkte aus Kollektivbetrieben zu kaufen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

1.) Ist die Union-Coop die Konsumgenossenschaft der Basisgewerkschaft FAU?

Eher das Äquivalent auf Seiten der Produktion: Es ist ein Zusammenschluss von gewerkschaftlichen Kollektivbetrieben, die sich auf Grundlage einiger Prinzipien zusammengeschlossen haben. Jedes Belegschaftsmitglied in einen union-coop-Betrieb hat die gleichen Rechte bei Entscheidungen.

2.) Sind das nicht alte Ziele der Kollektivbetriebe?

Neu daran ist vermutlich, dass wir diese auf Grundlage verbindlicher Strukturen und in Anbindung an eine breitere Gewerkschaftsbewegung umsetzen wollen Nicht in der Nische, sondern im Verbund mit anderen Kollektivbetrieben und der Basis-Gewerkschaft FAU suchen wir solidarisch mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Chef-Betrieben Antworten auf die vielfältigen Zumutungen der heutigen Wirtschaftsform.

3.) Nach welchen Kriterien werden die Produkte ausgewählt, die dort verkauft werden?

Der union coop // shop ist ein Kollektivbetrieb, der als ein Projekt aus diesem Zusammenschluss entstanden ist. Darüber sollen die Produkte der union coop und vergleichbarer Projekte aus dem Ausland, sowie Gewerkschaftsmaterialien vertrieben werden.

4.) Spielen auch ökologische Kriterien bei der Auswahl der Produkte eine Rolle?

Es ist eher ein Kollateraleffekt der selbstverwalteten Produktionsweise, dass wir relativ viele Bio-Produkte im Sortiment haben. Dort, wo Beschäftigte über die Produktion entscheiden, wollen sie in der Regel qualitativ hochwertig und nachhaltig produzieren. Dies ist wahrscheinlich effizienter als jedes Bio-Siegel.

5.) Warum verkauft Ihr nun den Tee aus Marseille?

Es war unserer Meinung nach längst überfällig, den Vertrieb von Scop Ti auch in Deutschland zu starten. Es ist nicht nur eine konkrete Solidarität für dieses beeindruckende Experiment eines von dem Beschäftigen selbstverwalteten Betriebs, sondern auch als praktischen Ansatzpunkt für eine wirtschaftliche Gegenmacht. Zumal die Belegschaft einen ähnlichen Ansatz vertritt und sich nicht nur während des langjährigen Kampfes sondern auch heute noch als Teil einer breiteren Bewegung positioniert. Ihr Kampf war auch immer ein gewerkschaftlicher Kampf mit der CGT. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn sie, wie ein Kollege es ausdrückte, den Kapitalismus nicht überwunden haben durch ihren Kampf und heute mit seinen Vasallen spielen müssen.

6.) Wie kam der Kontakt zustande?

Die Idee entstand auf dem 2. Euromediterranen Workers-Economy-Treffen im Herbst 2016 auf dem besetzten Betriebsgelände von Vio.Me. Das Treffen in der auch in Deutschland bekannten Fabrik am Stadtrand von Thessaloniki reihte sich in die Tradition mehrerer globaler und regionaler Treffen von besetzten bzw. durch die Belegschaften übernommenen Betrieben ein. Ein Ergebnis dieser Konferenz, an der auch andere selbstverwaltete Betriebe, politische und gewerkschaftliche Gruppen teilnahmen, war die Erkenntnis, dass ein Schwachpunkt aller Fabriken der Vertrieb ist. Wir als Bewegung haben gerade im Zusammenspiel mit dem kämpferischen Teil der Gewerkschaften wesentlich mehr Möglichkeiten hier eigene Strukturen aufzubauen.

7.) Welche Produkte wollt Ihr noch anbieten?

Demnächst wird es neben den eher bekannten Produkten von Vio.Me auch Liköre aus der besetzten Fabrik Rimaflow in Mailand und Öl aus einer von der Landarbeiter-Gewerkschaft SAT besetzten Finca in Andalusien geben.

Hier die Webseite der Union-Coop, wo über die Produkte, die Preise und die Bestellmodallitäten informert wird.

https://www.union-coop.org/

Interview: Peter Nowak

14:05 19.12.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare