Rechtspopulisten verlieren gegen Filmpiraten

Gekapertes Material Die FPÖ hat unerlaubterweise Videomaterial des antifaschistischen Vereins "Filmpiraten" verwendet. Nun müssen die Rechtspopulisten zahlen
Rechtspopulisten verlieren gegen Filmpiraten
Von AH-Erlebnis zu Aha-Erlebnis: Heinz-Christian Strache und seine FPÖ mussten eine Schlappe vor Gericht einstecken

Foto: Joe Klamar/AFP/Getty Images

Drei Jahre hat es gedauert, bis der Rechtsstreit zwischen der österreichischen FPÖ und dem Erfurter Verein Filmpiraten mit einem Vergleich beendet wurde. Die rechtspopulistische Partei, die mittlerweile Teil der Regierung in Wien ist, muss an den Verein 6.100 Euro zahlen und hat sich zudem verpflichtet, das Videomaterial der Filmpiraten künftig nicht mehr zu verwenden.

Der Verein, der seit mehr als zehn Jahren antifaschistische Videos produziert, verklagte die FPÖ 2015 wegen einer Urheberrechtsverletzung. Die Partei hatte Videomaterial der Filmpiraten auf ihrem Youtube-Kanal verwendet. Es waren Ausschnitte aus dem Prozess gegen den Jenaer Studenten Josef S., der 2014 im Zuge der Proteste gegen den Wiener Akademikerball – ein Stelldichein der europäischen Rechtsaußenpolitiker – unter dem Vorwurf des Landfriedensbruchs verhaftet worden war und mehrere Monate in Untersuchungshaft saß. In Deutschland und Österreich war damals eine Solidaritätskampagne entstanden, zu der die Filmpiraten mit ihrem Video einen Beitrag leisten wollten. Nach seiner Freilassung erhielt Josef S. den Zivilcourage-Preis der Stadt Jena.

Die FPÖ hatte die Filmausschnitte für eine Kampagne gegen Antifaschisten genutzt und mit entsprechend hetzerischen Texten unterlegt. Auf die Urheberrechtsklage reagierte sie ihrerseits mit einer Gegenklage vor dem Wiener Handelsgericht wegen Behinderung der Meinungsfreiheit und falscher Anschuldigung. Die Prozesskosten hätten für den kleinen Erfurter Verein, dessen Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind, existenzbedrohend sein können. „Die FPÖ hatte den Streitwert auf 35.000 Euro angesetzt. Wir wären sofort insolvent gewesen. Das war wahrscheinlich deren Strategie, die sie auch gegen andere Kritiker wie die Zeitung Linkswende anwendet“, sagt dazu Jan Smendek, der Sprecher der Filmpiraten. Eine Solidaritätskampagne, bei der über 10.000 Euro zusammenkamen, bewahrte den Verein vor dem Ruin.

Dass Bildmaterial ohne Zustimmung der Urheber verwendet und für eine eigene politische Agenda benutzt wird, kommt immer wieder vor. Die langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, die im letzten Bundestagswahlkampf die AfD unterstützte, wurde dabei gleich mehrmals ertappt. Einmal postete sie mit der Headline „Deutschland 2030“ ein Foto, auf dem eine Gruppe fremdländisch aussehender Kinder ein blondes Mädchen bestaunt. Das Foto war zuvor auf rechten Internetseiten verschiedener Länder mit dem jeweiligen Ländernamen aufgetaucht. Hartnäckige Recherchen eines NDR-Journalisten ergaben, dass es auf der Indienreise einer australischen Familie entstanden war, die „einen Moment voller Liebe“ festhalten wollte und „das Miteinander verschiedener Kulturen von Menschen“. Das andere Mal postete sie das Bild einer jungen Frau mit Refugees-Welcome-Tasche, die achtlos an einem Bettler vorbeigeht. Es stammte von der Fotodatenbank Fotolia und der Aufdruck war nachträglich einmontiert worden. Steinbach wurde danach mit viel Spott, aber nicht mit juristischen Klagen konfrontiert.

Jan Smendek bereut nicht, dass die Filmpiraten gegen die FPÖ den Rechtsweg beschritten haben. Jetzt aber wollen sie sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen. In einigen Monaten wird ihr bisher aufwendigster Film fertig, für den sie über ein Jahr recherchiert haben. Er erzählt die Geschichte eines bisher unbeachteten Opfers rechter Gewalt in Thüringen.

06:00 28.01.2018
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