Solidarität mit den Entlassenen

IKEA / Italien Am 25.06.2014 haben sich Kolleg_innen in Berlin und Hamburg mit den streikenden IKEA-Logistikarbeiter_innen in Piacenza solidarisiert
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Solidarität mit den Entlassenen

Bild: JEFF PACHOUD/AFP/Getty Images

Seit 2011 kämpfen in Italien die meist migrantischen Arbeiter_innen, die in der Logistikbranche unter erniedrigenden, illegalen Bedingungen ausgebeutet werden, für geregelte Arbeitsverhältnisse, die mindestens dem nationalen Tarifvertrag entsprechen. In vielen großen Unternehmen ist es ihnen gelungen, durch entschlossenes, militantes Vorgehen die Einhaltung der nationalen Standards zu erzwingen und sich gegen die gewalttätigen, rassistischen Vorarbeiter, die Leiharbeitsfirmen, die
Polizei und die große Gewerkschaften und die Medien durchzusetzen.

Erfolgreicher Kampf

Die Arbeiter_innen sind erfolgreich, weil sie durch Blockaden der Warenlager konsequent Druck auf die Unternehmen ausüben, weil sie sich dabei firmen- und standortübergreifend gegenseitig unterstützen, und weil große Teile der radikalen Linken sowie die Basisgewerkschaft S.I.CoBas sich mit ihnen solidarisieren und ihre Aktionen mittragen.

Gegenangriff des Kapitals

Eins der Unternehmen, die im Zuge dieser Kampfwelle bestreikt wurden, ist Ikea. Dort gab es im Winter 2012 einen wichtigen Kampf um die Einhaltung des nationalen Tarifvertrages, den die Arbeiter_innen gewonnen haben. Es waren ursprünglich nur 10 Arbeiter_innen die in den
Streik getreten waren, und trotzdem konnten sie sich mit der Unterstützung von Logistikarbeitern aus anderen
Unternehmen, der S.I.Cobas und linken Aktivist_innen durchsetzen. Dieser Erfolg gab dem Kampfzyklus in der Logistikbranche damals einen wichtigen Auftrieb.

IKEA will nun, eineinhalb Jahre später, den Widerstand seiner Arbeiter_innen, aber auch die Streikwelle insgesamt
brechen. Auf körperlichem und juristischem Wege versucht das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Polizei, den großen Gewerkschaften CICL und UIL Trasporti, dem Bürgermeister von Piacenza, der Präfektur und den
Medien eine Trendwende durchzusetzen: in Piacenza wurden im Juni 2014 bisher 26 Arbeiter des IKEA Lagers entlassen, weil sie am 14. April eine Abteilung lahmgelegt haben. Mit dem Streik wollten sie erreichen, dass ein gewerkschaftliche aktiver Kollege, den IKEA ausgesperrt hatte, wieder zur Arbeit zugelassen wird. Die Arbeiter_innen blockierten seitdem mehrmals eines der Warenlager und wurden von der Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas attackiert. Alle Entlassenen sind Mitglieder in der Basisgewerkschaft S.I.Cobas. Sie müssen wieder eingestellt werden! Zeigen wir Ihnen ihre Solidarität.

Wird die Aktion aufgegriffen?

Es waren nur kleine Interventionen in Hamburg und Berlin, aber es waren Anfänge, die aufgegriffen werden können. Schließlich ist IKEA ein transnationaler Konzern, der sehr viel Wert auf sein Image legt. Daher könnte eine sich ausbreitende Solidaritätsbewegung mit den Logistikarbeiter_innen in Italien durchaus Erfolg haben. Es wird in der letzten Zeit so viel über das ominöse Europa von unten geredet. Der lange Arbeitskampf der Logistikarbeiter_innen in Italien ist aber hierzulande gar nicht wahrgenommen worden. Sehr weit scheint es also mit der europäischen Solidarität nicht her zu sein. Eine Solidaritätskampagne wäre ein konkreter Einsatz dafür.

Peter Nowak

03:37 27.06.2014
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