Stunde der Heuchler

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Für große Empörung sorgte vor allen in den USA und Großbritannien vor einigen Tagen der Empfang des todkranken mutmaßlichen Lockerbie-Attentäter al-Megrahi.

Acht Jahre nach seiner Verurteilung wegen des Bombenanschlags auf einen PanAm-Jumbo über dem schottischen Lockerbie ist der Attentäter Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi aus dem Gefängnis entlassen worden und nach Libyen zurückgekehrt. Dort wurde er von Tausenden gefeiert. Da es in Lybien keine Spontandemos gibt, ist davon auszugehen, dass der Empfang vom Regime organisiert wurde. Er erinnert an die Feiern für antiisraelische Selbstmordattentäter im Gaza oder man Westjordanland. So berechtigt die Kritik daran ist, so heuchlerisch ist sie auch. Denn das Leben der Europäer und US-Bürger ist eben mehr, als das von Afrikanern. Damit haben die lybischen Bürger schon im April 1986 Erfahrung gemacht. Damals bombardierten US-Militärs mit Unterstützung der Briten die lybischen Städte Tripolis und Bengasi.

Die Zahl der Toten und Verwundeten unter der lybischen Zivilbevölkerung konnte nie ermittelt werden. Natürlich ist auch nie jemand wegen der Angriffe zur Verantwortung gezogen und bestraft worden. Kann nicht der europäischen und US-amerikanischen Beobachtern so unverständliche Jubel, mit denen der vermeintliche Lockerbie-Attentäter jetzt in Lybien empfangen wurde, seinen Grund in diesen noch gar nicht so alten Erfahrungen haben?

Ansonsten könnte man nur hoffen, dass die Empörung über die lybischen Reaktionen auf die Freilassung von Mohammed al-Megrahi nicht so schnell verrauchen und wirklich Konsequenzen zeitigen wird. Denn dann wäre die Festung Europas nicht mehr ganz so undurchlässig.

Denn, dass seit Jahren afrikanische Flüchtlinge, die im Mittelmeer aufgegriffen werden, nach Lybien zurück geschickt werden, scheint wenige Menschen und noch weniger die Regierungen in Europa zu stören. Dabei schlagen Menschenrechtsgruppen seit Jahren Alarm und erinnert daran, dass in Lybien selbst die minimalsten Flüchtlingsrechte nicht gelten. Viele Migranten werden von den lybischen Behörden in der Wüste ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen werden. Die Zahl der dabei umgekommenen Menschen ist nicht bekannt. Andere schmachten unter katastrophalen Bedingungen in libyschen Gefängnissen. Erst vor einigen Monaten wurden sich der lybische Diktator Gaddafi mit seinem italienischen Kollegen Berlusconi einig, beim Kampf gegen die afrikanischen Flüchtlinge. Italien zahlte dafür und sogar eine beträchtliche Summe. Seitdem dient Lybien als ein Auffanglager für afrikanische Flüchtlinge. Es ist zu befürchten, dass das Land diese Rolle weiter spielen darf.

Peter Nowak

03:00 25.08.2009
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