Tod eines deutschen Patridioten

Roman Herzog Was sagt es über ein Land aus, das den Assistenten des lebenslangen Nazijuristen Theodor Maunz zum beliebtesten Politiker ernennt?
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Wenn heute die große deutsche Volksgemeinschaft vom CSU-Politiker bis zu dem unvermeidlichen Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog nachrufen, wie beliebt er doch bei der der deutschen Bevölkerung war, kann man in Gedanken nur ergänzen. Naja, so beliebt wie Adolf Hitler war er dann doch nicht. Wenn ihm dann nachgerufen wurde, er sei ein großer deutscher Patridiot gewesen, dann meinen sie es als Lob und nicht als Fluch und sie können sich sicher sein, dass Herzog das genau so verstanden hätte. Was sagt es über ein Land aus, in dem Patridiot kein Schimpfwort ist? Da bracht es gar nicht erst die AfD für das rechte Gemüt. Der Patridiot Roman Herzog hat als Jurist schon deutlich gemacht, dass der Artikel 139 der die Wiederbetätigung von Naziorganisationen mit Verweis aus das Potsdamer Abkommen für illegal erklärte, obsolet ist. Ein deutscher PatrIdiot empfindet natürlich eine besondere Schmach, wenn die „Besatzungsmächte“ den Deutschen noch was verbieten wollen. Haben all die Patridioten doch so viel gelitten, dass ihnen diese Fremden ihr schönes arisches 3. Deutsches Reich kaputt gemacht haben. Ein Theodor Maunz, der schon im NS das Recht kommentierte und noch im hohen Alter unter Pseudonym für die Nationalzeitung schrieb, dem Blatt, in dem sich Woche für Woche all diejenigen Nazis ausweinten, die den Alliierten nie verziehen haben, dass sie Hitler besiegten.

Woche für Woche konnten sie in der Nationalzeitung, eine Art Völkischer Beobachter light. über die Perfidie der Juden, die glorreichen deutschen Fontsoldaten und die Gemeinheit der NS-Gegner zürnen. Und Maunz war als einer der ständigen Autoren und persönlicher Freud von Gerhard Frey, des Herausgebers der Nationalzeitung und Vorsitzenden der Deutschen Volksunion( DVU) , die später mit der NPD fusionierte, immer mittendrein. Roman Herzog hatte jahrelang als Assistent bei Maunz gearbeitet und fand für dessen lebenslange Nazivergangenheit kein kritisches Wort. Ein solcher Mann muss einfach beliebt sein bei der Deutschen Volksgemeinschaft.

Die Rede für die Agenda 2010

Auch seine legendäre Ruck-Rede wurde nach Herzogs Tod immer wieder zitiert. In einen demokratischen Staat mit einem selbstbewussten Bürger_innentum hätte eine solche Rede Massenproteste ausgelöst und die Menschen hätten Herzogs Rücktritt gefordert. Denn die Ruck-Rede war nichts anderes als die Aufforderung an die deutsche Volksgemeinschaft, Opfer zu bringen für den Standort Deutschland. Der sei im globalen Wettbewerb nur wettbewerbsfähig, wenn alle den Gürtel enger schnallen. Das war der Sound, der schnurstracks in die Agenda 2010 führte. Was sagt es über ein Land aus, in dem ein Präsident, der die Menschen zu Opfern für den Standort auffordert, nicht weggejagt wird sondern als besonders geliebt wird? Als eine der selten kritischen Stimmen schrieb die Taz zum Tod dieses deutschen Patriodioten: „Mit seiner Ruck-Rede eröffnete er die neoliberale Hatz gegen Schwache und sozial orientierte Menschen.“ Und ein Mob, der diese Hatz feierte oder sich gar selber daran beteiligte, fand in Herzog ihren Präsidenten der Herzen. So wurde er zum beliebtesten Politiker nach Hitler.

Peter Nowak

02:36 11.01.2017
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