Triumph gegen Arbeiterrechte

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Mit einer Rundreise durch mehrere europäische Städte machen Gewerkschafterinnen aus Thailand und den Philippinen darauf aufmerksam, dass der deutsch-schweizer Triumph-Konzern 3600 Näherinnen in beiden Ländern entlassen hat.

Am Montagabend waren sie in Berlin und berichteten im Taz-Cafe über ihren Kampf gegen Konzernwillkür, Hungerlöhne und staatlichen Terror.

Die offizielle Begründung lautet, dass der Konzern durch die Wirtschaftskrise Verluste gemacht hat. In Wirklichkeit wurden die Arbeiterinnen entlassen und für einen wesentlich geringeren Lohn dann wieder eingestellt.

Für die Kolleginnen und ihre Familien bedeuten die Entlassungen massive Einschränkungen ihres Lebensstandards bis zu Hunger. Eine Gewerkschafterin beklagt, dass sie dieses Jahr erstmals ihren Kindern keine Geschenke machen kann.

Vom Recht nicht aufzustehen

Eine thailändische Gewerkschafterin berichtete, sie sei bei Triumph entlassen worden, weil sie im Fernsehen mit einem T-Shirt zu sehen war, auf dem der Spruch stand: „Vom Recht, nicht aufzustehen." Damit solidarisierte sie sich mit einer Kampagne thailändischer Menschenrechtler, die sich gegen die Bestrafung von Menschen wenden,die nicht aufgestanden sind, als die thailändische Nationalhymne gespielt wurde. Das ist in dem Land ein Straftatbestand. Der Triumph-Konzern hat die Gewerkschafterin mit der Begründung entlassen, sie hätte den Konzern verunglimpft. Als daraufhin ihre Kolleginnen in einen Streik getreten waren, ließ der deutsche Konzernmanager die thailändische Nationalhymne vor den Kolleginnenin Anwesenheit der Polizei spielen. Wer nicht aufstand, musste mit Verhaftung rechnen. Hier zeigt sich, dass die Triumph-Verantwortlichen noch über das normale kapitalistische Verwertungsinteresse hinaus, an der Entrechtung der Arbeiterinnen beteiligt sind.

Bisher hat sich weder der Schweizer noch der deutsche Staat für die Entlassungen zuständig erklärt. Mittlerweile haben Nichtregierungsorganisationen ihre Solidarität mit den Arbeiterinnen erklärt und zu Unterstützungsaktionen aufgerufen.Dazu gehört eine Protesterklärung im Internet, eine OECD-Beschwerde, sowie am 8.12.09 ein Besuch in der Triumph-Filiale in Berlin.

Konzern wird nervös

Allein die Ankündigung der Rundreise ließ die Triumph-Verantwortlichen reagieren. Sei wollten unbedingt eine Vertreterin zur Veranstaltung schicken. Das wurde von den Veranstalterinnen aber abgelehnt, solange die Gespräche mit den Arbeiterinnen nicht begonnen haben.Es wäre auch seltsam, wenn Triumph-Vertreter hier auf Podiumsdiskussionen ihr soziale Gewissen beschwören und gleichzeitig die entlassenen Arbeiterinnen in Thailand und den Philippinnen hinhalten. Es zeigt sich aber, dass die Konzernverantwortlichen sehr wohl registrieren, dass eine Solidaritätsarbeit mit dem Entlassenen Triumph schaden kann.

Das aber ist ein wichtiger Trumpf in den Händen der Unterstützern der Entlassenen. Sie können über die Vorgänge aufklären, sie können als kritische Konsumenten entscheiden, dass sie einen solchen Umgang mit den Mitarbeiterinnen nicht durch einen Einkauf honorieren. Die Palette der möglichen Aktionen eines Solidaritätsbündnisses mit den Entlassenen ist lang.

Ein Besucher der Veranstaltung in Berlin erinnerte daran, dass es 1987 durch eine Kombination von verschiedenen Aktionen gelungen ist, die Rechte der Arbeiterinnen des Triumph-Konkurrenten Adler in Südkorea zu verbessern. Daran war auch die feministische Guerilla Rote Zora mit ihrer Kampagne beteiligt.

Rechte werden nicht erbettelt, sondern erkämpft, diese Grundhaltung war auch in den Beiträgen der thailändischen und philippinischen Gewerkschafterinnen deutlich geworden.Sie betonten besonders die Notwendigkeit einer Solidarität unter den ArbeiterInnen.

Peter Nowak

02:01 09.12.2009
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