Überlegungen zum Geldfetisch

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Wieder einmal stellen sich nicht nur die Wirtschaftsredakteure führender Zeitungen die Frage, was aus dem Euro wird und ob die irische oder portugiesische Regierung Finanzhilfen der EU nehmen muss. Das Geld hält also die Menschen weiter im Bann. Warum eigentlich? Diese Frage haben sich im Laufe der Geschichte schon viele Menschen gestellt. In einen knapp 90minütigen Theater-Filmabend im Hebbel am Ufer (HAU3) in Berlin haben Chris Kondek und Christiane Kühl einige dieser Gedanken zusammengetragen, die im Laufe der Jahrtausende rund um den Geldfetisch gesponnen worden sind. “Money – it came from outer space“, lautete der Titel.

Von Aristoteles bis Elmar Altvater reichte die Geistreise an diesem Abend. Leider blieben die Gedankenblitze, die dort vermittelt wurden, fragmentarisch. Für die Vertiefung eines Gedankens blieb wenig Zeit. Da wäre vielleicht weniger mehr gewesen.

So wurde von Karl Marx zitiert:

“Capital is dead labor, which, vampire-like, lives only by sucking living labor, and lives the more, the more labor it sucks”.

Was wollte Marx damit sagen und wie steht dieser Satz zu seinen durchaus nüchternen Untersuchungen über das Kapital? Diese Frage kann gar nicht erst gestellt werden, wenn für jeden Gedankenschnipsel vielleicht mal eine Minute Zeit bleibt.

Postmoderne Referenzen

Dabei muss man noch Referenzen unterbringen, die das in postmoderne Theorie bewanderte Publik mit einen erkennenden Lachen registriert. Der Merve-Verlag muss ebenso untergebracht werden wie ein Zitat von Susann Sonntag und die Aliens. Und was sollte die von der Decke hängende Wespe ausdrücken? In postmodernen Diskursen Bewanderte werden hier unschwer erkennen, dass sie ein Symbol für den Schwarm ist, der in allen möglichen Variationen bemüht wird.

Humoristisch wurde der Abend, als verschiedene Ausschnitte aus Scienes Fictions gezeigt und auf mehr oder weniger plausible Weise mit verschiedenen Erzählungen über das Geld kurzgeschlossen wurden. Manchmal wurde die Satire zum Slapstick, wenn in Mooren und aus Leichen Geldscheine und –münzen ausgegraben wurden.


Kein Lehrstück

So blieb am Ende der Vorstellung trotz mancher interessanter Momente wenig Aufklärerisches. Jeder im Publikum konnte die eigenen Vorstellungen über das Geld an dem Abend irgendwo wiederfinden, ein Gesellianer, der im Geld die Wurzel allen Übels sieht ebenso wie ein Marxist, der das Geld nicht als Gegensatz sondern als Teil der Realwirtschaft begreift und die Dämonisierung des Geldes ablehnt.


Am Ende der insgesamt durchaus humoristischen Darbietung, hätte man sich gewünscht, dass einer der im Artikel erwähnten Experten, vielleicht Elmar Altvater oder Franz Hörmann, im Anschluss an das Stück noch mit dem Publikum über die verschiedenen Theorien diskutiert.

Peter Nowak

Ein Theaterabend im Hebbel am Ufer mit einigen Schwächen

02:53 18.11.2010
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