Unbekannte linke Geschichte

Jahrbuch Arbeiterbewegung Die Publikation, die sich auch der dissidenten Tendenzen der Arbeiter_innenbewegung widmet, wird ab 2016 in einem neuen Verlag erscheinen.
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An einen trüben Januartag 1933 wurde die russische Kommunistin Zinaida Volkova in Berlin beerdigt. Sie hatte im Alter von 31 Jahren Selbstmord verübt. Ihr Vater konnte nicht an ihrer Beerdigung teilnehmen, weil er im türkischen Exil lebend von den meisten europäischen Staaten kein Visum bekommen hat. „Sämtliche Formalitäten rund um die Beerdigung erledigte daher Alexandra Pempfert. Sie hatte sich um Zinaida gekümmert, seitdem die Trotzki-Tochter im Herbst 1931 nach Berlin gekommen war“, schreibt der Historiker Marcel Bois, in der aktuellen Ausgabe des „JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung“. Bois zeigt in seinen Beitrag, welch große Rolle Alexandra und Franz Pempfert in Deutschland nicht nur für die Betreuung von Trotzkis Tochter spielten. Das Ehepaar hatte auch einen großen Anteil daran, dass Trotzkis Schriften im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht und gedruckt wurden. Dabei hatte der Rätekommunist Franz Pempfert durchaus ideologische Konflikte mit Trotzki. Doch die Pempfert wollten den im innerparteilichen Machtkampf mit den Stalinismus Unterlegenen unterstützen, schreibt Bois. Fragt sich nur, warum sein sehr informative Aufsatz mit der politisch fragwürdigen Überschrift „Eine transnationale Freundschaft im Zeitalter der Extreme: Leo Trotzki und die Pempferts“ versehen wurde.

Erich Mühsam und die Sowjetunion

Der britische Historiker Gleb Albert beschäftigt sich mit der Haltung des Anarchisten Erich Mühsam zur Sowjetunion und kommt zu dem Schluss, dass er noch Ende der 20er Jahre eine Grundsympathie mit dem Land der Oktoberrevolution hatte. Eine von der Roten Hilfe geplante Rundreise Mühsams durch die Sowjetunion wurde allerdings von KPD-Funktionären wie Wilhelm Pieck verhindert. Sie fürchten, dass Mühsam auch politische Gefangene in der SU ansprechen könnte. Gleb weißt allerdings nach, dass die Vorgespräche für die Rundreise schon recht weit gediehen waren und daran auch führende anarchistische Aktivist_innen beteiligt waren. Der Historiker Gerhard Engel widmet sich den Sozialdemokraten Alfred Henke, der in der Zeit der Novemberrevolution in Bremen am linken Flügel der USPD stand und heftig die SPD bekämpfte, nur um 2 Jahre später wieder in den Schoss der Sozialdemokratie zurückzukehren. Mit der Geschichte der Mietenkämpfe am Ende der Weimarer Republik greift der junge Historiker Simon Lengemann ein sehr aktuelles Thema auf. Angesichts von Mietrebell_innen, die sich in verschiedenen Städten gegen die Verdrängung wehren, wächst das Interesse an der Geschichte. Lengemann zeigt viele Parallelen einer Bewegung auf, die vor über 80 Jahren die Parole „Erst das Essen – dann Miete“ ausgab. Lengemanns Beitrag kann Online hier gelesen werden:

http://www.arbeiterbewegung-jahrbuch.de/wp-content/uploads/2015/10/Lengemann_3-2015.pdf

Ab Januar 2016 in neuen Verlag

Mit seiner breiten Themenwahl wendet sich das JahrBuch nicht nur an Historiker_nnen und Sozialwissenschafter_innen sondern auch an politisch Interessierte. Der Texte sind überwiegend für Nichtstudierte verständlich geschrieben. Seit 2012 wurde das Jahrbuch dreimal jährlich vom Förderverein für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung herausgegeben. Ab 2016 wird das Heft im Metropol Verlag unter dem Titel Arbeit – Bewegung – Geschichte, Zeitschrift für historische Studien“ erscheinen.

JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung; 2015/ III, JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 230 Seiten,

ISBN 11 Euro, http://www.arbeiterbewegung-jahrbuch.de/?p=492

Peter Nowak

23:47 18.12.2015
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