Peter Nowak
20.01.2017 | 15:51 7

Und Trump? Wait and see!“

Georg Seeßlen Der Kulturkritiker hat im Verlag Bertz + Fischer ein Buch über Trump geschrieben, das man lesen sollte.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Peter Nowak

Nur noch wenige Stunden und das ist Trump Präsident und manche denken, dass die Welt, wie wir sie kennen, dann der Vergangenheit angehört. Schon wurde der Begriff des Trumpismus kreiiert. Dabei ist der genau so diffus, wie die Pläne des Mannes, nach dem er benannt ist. Der Militärhistorischer Michel Wolfssohn beendet einen Beitrag über Trump in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung mit dem Satz:

Und Trump? Wait and see!“

Diesen Grundsatz hätten auch die meisten Autorinnen und Autoren beherzigen sollen, die in den wenigen Wochen zwischen der Wahl und der Amtseinführung von Trump bereits ihre Bücher auf dem Markt geworfen haben. Eine der wenigen Ausnahmen ist das kleine Büchlein des Kulturkritikers Georg Seßlen im Verlag Bertz + Fischer veröffentlicht hat. Dort wird Trump überzeugend als Produkt der Kulturindustrie dargestellt. Dabei wird auch deutlich, wie stark sowohl Bewunderer als viele Gegner vo Trump auf Inszenierungen hereinfallen.

Alles nur Werbung

Das zeigt Seeßlen besonders deutlich im Kapitel „Spiel im Thronsaal – Eine Bildbetrachtung“, wo Trump, seine Frau und sein jüngster Sohn in einem spätfeudalistischen Ambiente zu sehen ist. Danach gab es in den Medien viel Häme über den schlechten Geschmack der Trump-Familie. Seeßlen beschreibt das Bild detailreich auf 20 Seiten und beeendet da Kapitel mit folgender Auflösung:

„Die Bildunterschrift bei Getty Images besagt: „Melanie, Donald and Barron Trump at Home Shoot (this Image is been retouched). Donald Trump is wearing a suit tie by Brioni, Melanie Trump is wearing a dress by Halston, shoes by Manolo Blahnik, makeup by Mykel Renner for Kett Cosmetics and hair by Mordechia for Yarohair.com. Barron Trump is wearing a jackts and pants by Papo d’Anjo, shirt by Leon and shoes by Todds .“

Georg Seeßen kommentiert diese Inszenierung:

"Wir haben vielleicht zu viel gesehen. Es war alles bloß Reklame. Diesen Donald, diese Melanie und diesen Barron Trump gibt es gar nicht. Sie sind Erfindungen der Design-Industrie. Das erklärt manches“.

Dieser Kommentar könnte auch auf den Wahlkampf und fast alles bisher auf Trump und sein Umfeld öffentlich wurde, ausgedehnt werden.

Georg Seeßlen
Trump!
Populismus als Politik
144 Seiten, 43 Fotos, 7,90 Euro,

Artikelnummer 978-3-86505-745-7
Erschienen im Januar 2017

http://www.bertz-fischer.de/product_info.php?products_id=506

Peter Nowak

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (7)

dos 21.01.2017 | 00:16

Jou, pseudo-geistiges Junk-Food geht immer weg wie nix, wie man hier wieder sieht,

- "alles nur Werbung" oder was?

Hier kam allerdings die Umformulierung des Klappentextes/des Verlagsmaterials doch mächtig ins Stolpern, das man von P. N. so nicht kannte, - das sicher jedem Mal passieren kann/ schon passiert ist, - aber da hat(te) das zumeist andere (Hinter-)Gründe, als bloß schnell das neueste Sonderangebot an "kulturkritischen" Fertigmahlzeiten auszuzeichnen.

Hier ein paar der Fehler unterstrichen:

|| Nur noch wenige Stunden und das ist Trump Präsident und manche denken, dass die Welt, wie wir sie kennen, dann der Vergangenheit angehört. Schon wurde der Begriff des Trumpismus kreiiert. Dabei ist der genau so diffus, wie die Pläne des Mannes, nach dem er benannt ist. Der Militärhistorischer Michel Wolfssohn beendet einen Beitrag über Trump in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung mit dem Satz:

Und Trump? Wait and see!“ ||

Was für Binsen!
(Und von P.-Wechseln in den USA profitiert zunächst stets Israel, weil auch der kritischte, "linkeste" P. zunächst jedwede Nahost-Ambition in einen anfänglichen Vertrauensvorschuss zu Israels Gunsten kleiden muß, um glaubwürdig agieren zu können. Da lassen sich deutlich leichter "Wait & See"-Parolen ausgeben, als für den Rest der Welt: Der hat mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, wie leicht Netanjahu Kerry einen Ring durch Nase rammen konnte, um ihn sodann daran ein paarmal um die Globus-Manege zu schleifen und die Leine im Höhepunkt des Schleuderzirkus loszulassen ... die USA vergeben halt seit je und unter allen Couleurs ihre Außenpolitik von den Klein- über die Großbotschaften bis zum Außenminister an "verdiente" Wahlkämpfer und ambitionierte (Partei-/Präsidenten-(Groß-) Spender, - was m. E. von den Flammen der verstümpert entzündeten Welt immer deutlicher illuminiert wird. (an der Höhlenwand?) )

|| Diesen Grundsatz hätten auch die meisten Autorinnen und Autoren beherzigen sollen, die in den wenigen Wochen zwischen der Wahl und der Amtseinführung von Trump bereits ihre Bücher auf dem Markt geworfen haben. ||

Jaja, - vor allem erstmal alles Andere/alle Anderen in einem großen Wisch vom Tisch fegen, ohne was Konkretes zu sagen, - außer, dass diese Anderen den "Grundsatz" des "Wait & See" nicht "beherzigen" - sozusagen die "Gnade der späten Geburt" für Autorenprodukte nicht in Anspruch nehmen.

|| Eine der wenigen Ausnahmen ist das kleine Büchlein des Kulturkritikers Georg Seßlen im Verlag Bertz + Fischer veröffentlicht hat. ||

Jou, hier ist die echte Perle unter dem sonstigen Schrott ..., das "Handbuch des Verkaufserfolges" steht Pate.

|| Dort wird Trump überzeugend als Produkt der Kulturindustrie dargestellt. Dabei wird auch deutlich, wie stark sowohl Bewunderer als viele Gegner vo Trump auf Inszenierungen hereinfallen.||

Nun, die "Inszenierung" ist allen komplexeren Lebewesen und manchen einfachen schon eingeschrieben ("Natur"). Kultur IST geradezu "Inszenierung" selbst. Darauf "hereinfallen" ist ebenso so geboten (-> Vertrauen) wie die Skepsis, ob das Theater hält, was es verspricht ...

|| Alles nur Werbung

Das zeigt Seeßlen besonders deutlich im Kapitel „Spiel im Thronsaal – Eine Bildbetrachtung“, wo Trump, seine Frau und sein jüngster Sohn in einem spätfeudalistischen Ambiente zu sehen ist. Danach gab es in den Medien viel Häme über den schlechten Geschmack der Trump-Familie. Seeßlen beschreibt das Bild detailreich auf 20 Seiten und beeendet da Kapitel mit folgender Auflösung:

„Die Bildunterschrift bei Getty Images besagt: „Melanie, Donald and Barron Trump at Home Shoot (this Image is been retouched). Donald Trump is wearing a suit tie by Brioni, Melanie Trump is wearing a dress by Halston, shoes by Manolo Blahnik, makeup by Mykel Renner for Kett Cosmetics and hair by Mordechia for Yarohair.com. Barron Trump is wearing a jackts and pants by Papo d’Anjo, shirt by Leon and shoes by Todds .“

Georg Seeßen kommentiert diese Inszenierung:

"Wir haben vielleicht zu viel gesehen. Es war alles bloß Reklame. Diesen Donald, diese Melanie und diesen Barron Trump gibt es gar nicht. Sie sind Erfindungen der Design-Industrie. Das erklärt manches“. ||

Ah ja, der Gegenstand, Trump/Trumpism, löst sich angeblich in "Reklame" auf, - den gibt es gar nicht!

Auf noch bessere Nachricht kann das Bequempack von der guten Meinung, - vor allem über sich selbst -, nun wirklich nicht mehr hoffen!

|| Dieser Kommentar könnte auch auf den Wahlkampf und fast alles bisher auf Trump und sein Umfeld öffentlich wurde, ausgedehnt werden.||

In der Tat sind alle Protagonisten der P.-Wahl eben auch Produkte/Kinder/Präferenzen einer Kulturindustrie, die zu 60-70 % lieber Clinton als Trump gesehen hätte, aber Trump als Kohlezugpferd einsetzte, das jetzt den Reiter spielt.

Also nix wie bestellen, mal wieder "was Kritisches" tanken/konsumieren, gelle?:

||Georg Seeßlen
Trump!
Populismus als Politik
144 Seiten, 43 Fotos, 7,90 Euro,

Artikelnummer 978-3-86505-745-7
Erschienen im Januar 2017 ||

Jörg Auberger hat mal eine ausgezeichnete Kritik an Seeßlen & Co-Autor geschrieben, die mir viel Arbeit erspart hat. Muß ich aber suchen, den Link, vlt. klappts morgen.