Geschichte einer linkssozialdemokratischen Partei

USPD 1917-1931 Nach den Jahren 1919 und 1920 war sie in vielen Städten stärker als die SPD und doch verschwanden die Linkssozialdemokrat*innen relativ schnell von der Bildfläche und wurden zu einer Fußnote der Geschichte.

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Der Großteil der USPD vereinigte sich Ende September 1922 wieder mit der SPD, aus der sie im ersten Weltkrieg ausgetreten war, weil sie die Politik des Burgfriedens und der Kriegskredite nicht mehr mittragen wollten und konnten. In der jungen Welt widmete Leo Schwarz dieser Vereinigung einen längeren Artikel

Nicht erwähnt hatte er dort das im Westfälischen Dampfbootverlag herausgebene Buch "Die USPD 1917 - 1931, Spaltungen und Einheit", das von dem Historiker Hartfrid Krause herausgegeben wurde. Es ist die wohl gründlichste Überischt über die kurze Geschichte des parteiförmigen Linksozialismus in Deutschland, dass eben 2022 nicht zu Ende, wie der Untertitel des Buches schon zeigt Eine Rumpf-USPD existierte noch bis 1931, bevor sie sich in eine neue linke Sozialistische Arbeiter*innenpartei SAP auflöste. k. Der letzte Vorsitzende der USPD war Theodor Liebknecht, Sohn von Wilhelm Liebknecht.

Wer die gründlich recherchierte Arbeit von Hartfrid Krause gelesen hat, findet dort eine Erklärung für den schnellen Bedeeutungsverlust der Partei.

Nach dem schnellen Aufstieg der USPD kurz nach der Novemberrevolution erfolgte bald ein genau so schneller Niedergang. Ein Großteil der Mitglieder fusionierte 1920 mit der KPD, die erst danach eine Massenpartei wurde, ein anderer Teil kehrte im September 1922 in die SPD zurüc Krause beschreibt gut, wie schon in den Gründungstagen die Spaltung angelegt war. Denn der Grund für der erzwungenen Trennung von der SPD war deren Festhalten an der Unterstützung der Kriegs- und Burgfriedenspolitik des kaiserlichen Deutschland. Während zunächst nur Wilhelm Liebknecht und Otto Rühle gegen die Kriegspolitik Stellung nahmen, wuchs die Zahl der Gegner*innen nachdem 1915 die Zahl der Toten auf den Schlachtfeldern wuchs und die Bevölkerung immer mehr verarmte. Auch Sozialdemokrat*innen vom rechten Flügel wie Eduard Bernstein gingen in die Opposition zu dieser Kriegspolitik. Während ein Großteil von ihnen sich nichts Sehnlichster wünschte, als ein Zurück zur SPD vor dem August 1914, also vor dem Kriegsbeginn, wuchs die Zahl der Linken, die einen revolutionären Neuanfang anstrebten. Der Spartakusbund, der nur lose mit der USPD assoziiert war, sorgte für diese Radikalisierung, die nach der Oktoberrevolution massiv anwuchs. Zu kurz kommt bei Krause die Rolle der Revolutionären Obleute, einer klandestinen Vereinigung von Arbeiter*innen aus den Großbetrieben Berlins, ohne die die Novemberrevolution nicht erfolgreich wäre. Auch die Obleute waren Teil der USPD. Kruse zeigt auf, wie in der ersten Zeit in der Weimarer Republik die Frage, Räterepublik oder bürgerliche Demokratie dominierend waren. Dazu hatte die USPD keine einheitliche Meinung. Ab 1920 dominierte dann der Streit über die Annahme der Aufnahmekriterien für die Kommunistische Internationale, für die es lange eine starke Mehrheit in der USPD gab. Nach den protofaschistischen Morden an bürgerlichen Politikern wie Matthias Erzberger und Walter Rathenau wurde der Ruf nach einer Einheitsfront gegen Rechts laut, der den Niedergang der USPD naütrlich noch verstärkt hat.

Warum es nach mehr als hundert Jahren noch immer sinnvoll ist, sich mit ihrer Geschichte zu beschäftigen, beschreibt Krause im Vorfeld. So gab es in den 1970er Jahren Diskussionen über eine neue linkssozialistische Partei, an der sich u.a. Rudi Dutschke und Otto Schily beteiligten, bevor sie dann ins Boot der Grünen stiegen. In dieser Zeit wuchs das Interesse an der USPD und es erschienen auch in der BRD einige Untersuchungen, auch von Hartfrid Krause. Darauf baut sein aktuelles Buch auf. Ab 2007 gab es ein neues Interesse, geweckt durch die Gründung der LINKEN, die manche als eine Neuauflage der USPD betrachteten. Wenn Krause im Vorwort davon spricht, dass eine Vereinigung mit der SPD vielleicht auf der Tagesordnung steht , ist das allerdings kein historisch begründetes Urteil. Schließlich sind bei manchen Gemeinsamkeiten die politischen Rahmenbedingungen doch heute zu unterschiedlich, um solche Schlüsse zu ziehen. Doch auch ohne vorschnelle Aktualisierungen ist die umfangreiche Arbeit über die kurze Geschichte einer linkssozialistischen Partei in Deutschland mit Gewinn zu lesen. Ein umfangreicher Anhang dürfte vor allem für historisch interessierte Leser*innen von Interesse sein. Die Kurzporträts von fast 100 Funktionär*innen der USPD informier auch über deren spätere politische Aktivitäten. Viele engagierten sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, einige hatten Funktionen in der SPD, andere in der KPD und später in der SED. Die USPD ist ein schön linke Geschichte, an die erinnert werden sollte.

Peter Nowak

Krause Hartfrid, Die USPD-1917-1931, Spaltungen und Einheiten, Westfälisches Dampfboot, 2021, ISBN: 9783896912596, 48 Euro

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