Eigenbedarfskündigungen für Trockland, Pandion und International Campus

Berliner Wohnungsnot Die Stadtteilinitiative „Wem gehört der Laskerkiez?“ besucht drei Wohnkonzerne, die in dem Kiez mit Nobelbauprojekten vielen Bewohner*innen die Zukunft klaut
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Kräne gehören zum Berliner Stadtbild wie der Fernsehturm – nur für wen bauen sie?
Kräne gehören zum Berliner Stadtbild wie der Fernsehturm – nur für wen bauen sie?

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Am 11.03.22 versammelten sich bei bestem Wetter rund 60 Teilnehmende vor dem Firmensitz des Unternehmens Pandion Unter den Linden 14. Aufgerufen hatten das Nachbarschaftsbündnis „Wem gehört der Laskerkiez?“ und die durch eine Kündigung zum 31. März 2022 akut bedrohte Kulturbar „Zukunft am Ostkreuz“. Es war die erste Station einer Fahrraddemonstration, mit der die BewohnerInnen die Niederlassungen von drei Investoren in verschiedenen Berliner Stadtteilen besuchten, die in dem Kiez mit ihren Bauplänen für massiven Protest sorgen. Pandion errichtet im Laskerkiez den sogenannten „Ostkreuz Campus“, ein ca. zwei fußballfeldgroßes Areal an Luxusbüroraum für Startups und andere Firmen. Werbevideos des Unternehmens skizzieren den neoliberalen Traum einer Verschmelzung von Freizeit und Arbeit. Der Name des „Ostkreuz Campus“ wurde vor kurzem durch den Zusatz „Office Home“ ergänzt. Seit Bekanntwerden des Projektes gibt es immer wieder Demonstrationen und Aktionen gegen das Unternehmen ( (Mieterecho online berichtete). Als AnwohnerInnen ihren Ärger über das Projekt in negativen Google-Bewertungen zum Ausdruck brachten, schaltete Pandion einen Anwalt ein. Nach einer Berichterstattung über diese Praxis im „Tagesspiegel“, stellte Pandion die Versuche ein, die Kritik zum Schweigen zu bringen. Eine Solidaritätserklärung kam vom Wagenplatz Osterinsel in Köln, der sich gegen eine Verdrängung durch Pandion wehrte.

Günstiger Wohnraum wird durch teure Micro-Appartments vernichtet

Die zweite Station war der Sitz des Unternehmens „International Campus“ im Europa Center an der Tauentzienstraße. „International Campus“ möchte unter dem Markennamen „The FIZZ“ über 350 Micro-Appartments teuer errichten. Die Quadratmeterpreise bewegen sich im Bereich von 40 Euro aufwärts. Trotzdem wird das Projekt im Internet als „Berliner Bauprojekt gegen den Wohnraummangel für Studenten“ angepriesen. Massiv betroffen von diesen Plänen sind die MieterInnen des Nachbarhauses Markgrafendamm 10. Ein Teil der Wohnungen steht schon leer, die sanitären Anlagen wurden herausgerissen. Die letzte Station war der Sitz des Unternehmens Trockland in Schöneberg. Trockland möchte im Laskerkiez ein Luxusbüroprojekt mit dem Namen „A Laska“ realisieren.

Mitgebracht hatten die AktivistInnen selbstgebastelte Eigenbedarfskündigungen, die den VertreterInnen der jeweiligen Unternehmen überreicht werden sollten. Auf ihnen war zu lesen, dass der Laskerkiez Eigenbedarf anmeldet und die Bauprojekte deshalb durch die BewohnerInnen des Kiezes gekündigt werden. Gefordert wurden Raum für Kultur, sowie sozialen Wohnraum. Obwohl die Büros zur Zeit der Fahrraddemonstration regulär geöffnet waren, wollte keines der Unternehmen die symbolische Kündigung annehmen, geschweige denn mit den AktivistInnen sprechen. Kein Wunder – denn außer dem Widerstand durch die AnwohnerInnen haben die Unternehmen wenig zu befürchten.

Sonderwirtschaftszone Ost-Berlin

In einem anderen Redebeitrag einer Aktivistin wurde deutlich, dass in Ostberlin ein anderes Baurecht gilt als in Westberlin – und das über 30 Jahre nach dem Mauerfall. Nach §34 (Baugesetz) darf im Osten der Stadt ohne Bürger*innenbeteiligung und
ohne Bebauungsplanverfahren nachverdichtet werden. In Westberlin ist dies deutlich schwieriger für Investor*innen. 67 der 77 Nachverdichtungsvorhaben in Ost-Berlin fanden ohne Bebauungsplanverfahren statt, so auch am Markgrafendamm 7-10 zum Nachteil der Anwohner*innen und der Stadtnatur. Das Wort „Genehmigung verkommt so mehr und mehr zu einer Farce."

Peter Nowak/Timo Steinke

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