Interviewvorstellung: Kerstin+Sandra Grether

Doctorella Heute möchte ich gelebte Inhalte vorstellen, die als Interview daher kommen. Im Gespräch zwischen Debbie, Theresa, Kerstin und Sandra Grether geht es um Riot Grrrrl.
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Verschwesterung im Pop

Im Gespräch zwischen Debbie, Theresa (hinterdenbruesten.de), Kerstin und Sandra Grether (Pop-Allrounderinnen) geht es um Riot Grrrrl. Das ist ja schon erst einmal ein Super-Thema für ein Interview.

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Man könnte darüber diskutieren, inwieweit sich neuere Riot Grrrl Bands wie Tikkle Me oder Schnipo Schranke von Bands wie Bikini Kill etc. unterscheiden und unterscheiden müssen. Oder darüber, ob sie überhaupt Riot Grrrl sind. Ob Bands wie Boy Riot Grrrl sind, "nur" weil sie Frauen sind. Man könnte auch den politischen und musikalischen Werdegang von Kathleen Hannah analysieren und die Auswirkung auf die Popkultur.

Das passiert hier alles nicht. Stattdessen nehmen Debbie und Theresa ein Konzert von Julie Ruin zum Anlass, sich mit Sandra und Kerstin Grether zum Gespräch zu treffen, um sich von den First-Generation Riot Grrrls erzählen zu lassen, wie das war.

Das Interview will also vor allem Eines: Dokumentieren und festhalten, um es weiterzugeben.

Frei von jeder akademischen Analyse zeigen die vier Frauen während sie erzählen ganz toll, worum es bei Riot Grrrl geht und demonstrieren damit das Thema des Interviews. Es geht um Netzwerke, gegenseitige Unterstützung und immer wieder um das Aufmerksam-Machen. Aufmerksam machen darauf wie wichtig es ist, Frauen an die Instrumente zu holen, wo sich Sexismus im Alltag zeigt und wo er sich im Popkontext auch immer noch zeigt. Immer wieder und an allen Stellen darauf aufmerksam zu machen, ist so wichtig, um das Thema Feminismus aus seiner Nische zu holen und zum Konsens zu machen.

Deshalb ist das Interview kein Promo-Interview oder gar Pflichttermin. Es geht Sandra und Kerstin Grether nicht darum, als Künstlerinnen eine besonders Image-trächtige und coole Medienpersona darzustellen. Wenn man sieht wie engagiert sie von den ersten Artikeln über Riot Grrrls in den 1990ern im NME erzählen, von Everett Trues Artikeln und dem Auftritt mit Le Tigre, dann hat ihr Verhalten nichts Kontrolliertes oder Beherrschtes, wie es oft in Interviews zu sehen ist, wenn die Kamera oder das Tonband läuft. Hier schmälert es die Natürlichkeit der Gesprächspartnerinnen gar nicht, dass das Gespräch öffentlich ist. Das Tolle dabei ist, dass Debbie und Theresa ganz genauso begeistert sind. Sie sind begeistert von Julie Ruin, Kathleen Hannah und der Bewegung der Riot Grrrls. Und sie wissen, dass sie mit Sandra und Kerstin Grether hervorragende Gesprächspartnerinnen zum Thema haben. Deswegen fragen sie einfach erst einmal unverkrampft wie das denn so war und lassen die Zwillinge über weite Strecken einfach reden.

Das macht auch den Reiz des Interviews aus: die Atmosphäre als würde die große mit der kleinen Schwester etwas teilen. Zum einen, weil das natürlich für eine ungemein freundliche Interviewstimmung sorgt. Zum anderen, weil es den Geist der Riot Grrrls, um den es im Interview geht, so schön verdeutlicht: dass Frauen zusammenarbeiten und zusammenhalten. Die Verschwesterung im Pop. Das wird umso deutlicher, wenn man weiß, dass Debbie und Theresa die Protagonistinnen im Video zu Testosteron sind, der Single zum kommenden Album von Sandra und Kerstins Band Doctorella. Dass sie nur einige Wochen nach Erscheinen des Videos in dem Interview wieder zusammenfinden, zeigt, dass die Netzwerke funktionieren.

Und wem das zu unkritisch und zu viel Geklüngel ist, dem sei gesagt, dass Jan Jakel im Rolling Stone Tame Impala zweimal nacheinander als Genie bezeichnet, seine Virtuosität und das Beherrschen von allen Instrumenten betont. Oder Robert Rotifer im Fragebogenformat Q&A Paul Weller bestätigt, "zweifellos einer der erfolgreichsten britischen Pop-Songschreiber" zu sein.


Die Hompage von Doctorella: doctorella.de

Die Homepage von Debbie und Theresa: hinterdenbruesten.de

22:13 31.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

peterfrau

Bitte sprechen Sie laut und deutlich und bitte halten Sie das Mikro gerade. Die Sätze müssen genau da in das Mikro rein.
peterfrau

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