Pick-Up-Community –im Reich der Aufreisser 1

Teil 1 In den Medien liest und hört man zunehmend Beiträge über die frauenverachtende Pick-Up-Community. Was ist dran? Versuch einer Aufklärung. Für Männer und für Frauen!
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Pick-Up-Community – im Reich der Aufreisser

TEIL 1: Falsche Anschuldigungen

In letzter Zeit lese ich oder höre ich manchmal in den Mainstreammedien von dieser Pick-Up-Community. In einigen dieser Artikel und Fernsehbeiträge (z.B. Der Westen und WDR) kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, „die Community sei sektenähnlich; Pick Up sei etwas von Grund auf Schlechtes, bei dem Frauen gegen ihren Willen verführt werden und sich womöglich nicht wehren können.“ (Zitat eines Pick-Uplers auf Facebook). Besonders hervorgetan hat sich dabei die junge Doktorandin Leonie Thöne, die meint, Pick Up sei „frauenverachtend“ und dass sich aus der Frustration schüchterner Männer „eine Art Frauenhass entwickelt [hat]“. Sie ist überzeugt: „Inzwischen sind es auch viele, die es als eine Art Sport betreiben.“ (Quelle hier, ähnlich auch in anderen Publikationen zu lesen). Die Doktorandin möchte Frauen daher vor den Pick-Up Artists (PUAs) warnen.

Ich frage mich ernsthaft, wie Frau Thöne zu diesen Auffassungen kommt. Wie in einigen Artikeln zu lesen ist, hat sie mehrere Pick-Upler a) live selbst erlebt sowie b) in diversenen Internetforen recherchiert. Ich hoffe, dass einzelhafte, eigene Erlebnisse und Internetforen nicht die Grundlage ihrer Doktorarbeit sind - möchte jedoch klarstellen, dass ich das auch nicht unterstelle! Dennoch unterstelle ich, dass die Auffassung, die Frau Thöne von Pick-Up hat, höchst unausgereift ist; ihre Darstellung der Community und ihrer Methoden ist eindimensional und – wenn man so will männerverachtend - nur um mal rhetorisch in die gleiche Kerbe zu schlagen, wie Frau Thöne. (:

Eine Frau, die auf das oben verlinkte WDR-Video reagierte, äußerte sich so:

Wow, also wenn ich Pick-Up nicht kennen würde, dann hätte ich jetzt eine Mega-Angst und würde alle Männer, die mir seltsam vorkommen, erstmal verdächtigen. Die Thematik wurde wirklich sehr krass dargestellt... und am Schlimmsten war da noch dieser PUA, der eine total unsympathische Ausstrahlung hatte: der wirkte schon an sich wie der Fürst der Finsternis. Der Ausschnitt aus dem Seminar ließ das so erscheinen, als ob es wirklich so eine reißerische Sektenveranstaltung wäre. Man hätte genau denselben Beitrag auch genau andersherum gestalten können [nämlich Pick-Up positiv darstellen; Anmeldung des Autors], aber so verkauft es sich sicher besser https://s-static.ak.facebook.com/images/blank.gif."

Aber was ist Pick-Up eigentlich? Eine kurze, und dennoch deutlich ausgewogenere Darstellung von Pick-Up liefert der deutsche Verführungscoach Darius Kamadeva auf der Facebook-Seite des WDR-Formats FrauTV (als Antwort auf deren Sendung zum Thema Pick-Up):

Darius: Bezüglich Ihres Beitrags zum Thema Pick Up: Ganz ehrlich? Mit seriöser Berichterstattung hat das nicht wirklich viel zu tun. Verstehen Sie mich nicht falsch, einiges ist richtig was sie zeigen. Allerdings wird es (um vielleicht bessere Einschaltquoten zu generieren) so ausgelegt als ob es sich da um eine kleine kranke Sekte handeln würde, die nichts besseres zu tun hat, als Frauen zu bestrafen?

Meine Meinung: Darius hat Recht. Einiges, über das berichtet wird, ist richtig. Ja, manche verwenden eine Skala (1-10), um Frauen nach Schönheit zu bewerten. Und ja, es gibt Leute die versuchen, möglichst viele Frauen in die Kiste zu tricksen, um sich selbst besser zu fühlen. Aber gibt es die nicht überall? Sicherlich gibt es schwarze Schafe in der Community, und Menschen die nicht nur das Beste ihrer Mitmenschen wollen – aber die gibt es überall. Sind alle „Arschlöcher“ von denen Frauen gerne erzählen, denn Pick-Up-Artists? Nein! Wahrscheinlich betreiben nicht einmal 1% der männlichen, deutschen Bevölkerung aktiv Pick-Up. Im Laufe der Zeit habe ich viele mit Pick-Up anfangen sehen und dann frustriert aufgeben („das funktioniert nicht“). Andere haben gelernt, natürlich mit Frauen umzugehen und sind erfolgreich geworden – der Erfolg kann sich darin zeigen, dass jemand schlicht eine Freundin gefunden hat, oder in der Lage ist, ohne viel Aufhebens für beide Seiten gewinnbringende, leidenschaftliche Affären zu finden, ohne wie verrückt danach zu suchen. Ich war gerade neulich in Köln und bin spaßeshalber mal zur angegebenen Zeit zum wöchentlichen Treffen der dortigen Community gegangen – es kamen an diesem Nachmittag ganze acht Leute – dabei zwei von außerhalb, also sechs aus Köln. Zum Vergleich: Köln hat eine Million Einwohner. Die meisten „Arschlöcher“ und Machos von denen Frauen also gerne reden, sind also keine PUAs, sondern einfach Menschen die „eben so ticken“. Und einige von denen sind auch in die Flirt-Community gelangt. Alles andere wäre auch komisch. Dass diese sich dann im Internet mit ihren Eroberungen profilieren verwundert – mich zumindest – nicht. Nur von denen, die schweigen und liebevolle Partnerschaften und Affären führen liest man eben nicht soviel.

Darius (Fortsetzung): Wer sich eingehend mit der Thematik beschäftigt und mal etwas genauer hin schaut wird schnell feststellen das die meisten Techniken 1zu1 nach dem Flirtverhalten von Frauen modeliert worden sind.

Wenn Frauen Männer um den Finger wickeln kräht kein Hahn danach, wenn in 8 von 10 Frauen-Zeitschriften Beiträge sind wie "so machen sie ihn verrückt" oder "10 Tipps um auf Männer unwiderstehlich zu wirken" interessiert das kein Menschen.

Wenn sich Männer damit beschäftigen, wie sie erfolgreicher mit Frauen werden um somit glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben zu werden,, wird es sofort zerissen.

Meine Meinung: Das ist der Hauptgrund, warum ich diesen Artikel schreibe. Es wird soviel von Gleichberechtigung geredet, dass manchmal ganz vergessen wird, dass diese auch für Männer gilt. Ich will damit nichts relativieren: Auch ich bin der Meinung, dass es z.B. ein Pay-Gap bei gleichem Job und unterschiedlichem Geschlecht einfach nicht geben darf. Man muss aber einsehen, dass es für Frauen nicht mal verwerflich ist, Bücher und Zeitschriftenbeiträge zu lesen, in denen es darum geht, „Männer an sich zu binden und abhängig zu machen“ (neulich bei Thalia so ein Buch in der Hand gehabt!), während es für Männer anscheinend nicht gesellschaftlich akzeptiert ist, sich damit zu beschäftigen, wie man natürlich flirtet und mit einer Frau gemeinsam ein unvergleichliches Abenteuer erlebt.

Darius: Klar gibt es einige Männer die sich mit Hilfe von Lügen, Routinen den Weg ins Bett der Frau erschleichen... Das hat allerdings nichts mit der Pick Up bzw. der Flirt Community zu tun. Das machen Männer wie Frauen auch ohne jemals ein Buch zum Thema gelesen zu haben

Wenn Sie sage, alle Männer die sich damit beschäftigen seien so, ist es genauso, als wenn sie sagen würden, alle Menschen mit arabischen Migrationshintergrund sind Terroristen oder kriminell.

Es ist nichts weiter als eine unhaltbare Verallgemeinerung.

Sicherlich gibt es in der Community Männer die das angeeignete Wissen zur Profilierung nutzen. Allerdings gibt es genauso auch eine Menge Männer die Verführung auf der Basis von Wertschätzung und Respekt betreiben. Die an ihrer Persönlichkeit arbeiten um zu einem besseren Menschen zu werden, die an ihren allgemeinen sozialen und menschlichen Kompetenzen arbeiten, um ein erfüllteres und glücklicheres Leben zu leben...

Ich würde mich wirklich freuen wenn Sie sich etwas intensiver mit dem Thema beschäftigen würden, um sich ein objektives Bild von dem Ganzen zu machen :)

Darius Kamadeva kann man nur zustimmen. Leider werden im Fernsehen und den Mainstreammedien größtenteils Pick-Up- und Flirt-Coaches gezeigt, die „ins Bild passen“. Coaches, die eine ausgewogenere Meinung haben, Respekt und Liebe sowie Persönlichkeitsentwicklung in den Mittelpunkt stellen, sind in Deutschland z.B. oben erwähnter Darius, aber auch Orlando Owen, und zumindest seinem Buch nach (ich kenne ihn nicht), Maximilian Pütz.

Die meisten Männer, die mit Pick-Up anfangen, wissen nicht wo sie im Leben stehen. Sie sind häufig allein, nicht selten einsam, und wünschen sich nur eine Freundin, die sie liebt und die sie lieben können. In Anbetracht dessen das ganze als „Aufreisser-Community“ darzustellen finde ich gelinde gesagt, eine Unverschämtheit.

Ich möchte aber auch keinen falschen Eindruck MEINER Darstellung entstehen lassen. Es geht beim Pick-Up durchaus darum Frauen kennenzulernen, sie zu küssen und auch mit ihnen Liebe zu machen. Und nicht alle PUAs sind verzweifelte, junge Männer, die endlich mal wieder eine Freundin wollen. Wie lässt sich sowas rechtfertigen?

Nun, ganz einfach. Sex ist meiner Meinung nach etwas sehr Schönes, was Männer und Frauen gemeinsam machen können; etwas bei dem man sich von Kopf bis Fuß verbindet und eine wundervolle Einheit und Liebe spüren kann. Wenn es jetzt Männer gibt, die lernen, Frauen ein wenig ihre Ängst und Unsicherheiten („Werden die anderen sagen, ich sei eine Schlampe?“) zu nehmen, und sie somit offener für sexuelles Vergnügen und innige Leidenschaft zu machen, dann kann ich daran nichts Schlechtes sehen. Denn ich hoffe, wir leben nicht in einem Zeitalter, in dem die Jungfrauen noch vor Sex mit bösen Männer geschützt werden müssen, sondern in einem, in dem jeder selbst für seine Sexualität verantwortlich ist.

Was meint ihr? Konnte ich euch überzeugen, oder meint ihr immer noch, das sind ganz böse Buben? Bitte schreibt in den Kommentaren eure Meinung, sodass ich im nächsten Beitrag darauf eingehen kann!

In Teil 1 ging es um falsche Anschuldigung gegen eine ganze Gruppe, durch die Gesellschaft teilweise schon genug verunsicherter, Männer, die einfach lernen wollen, welche falschen Verhaltensweisen sie an den Tag gelegt haben und welche sie in Zukunft an den Tag legen müssen, um ihr Leben wieder gemeinsam mit einer Frau zu verbringen.

In Teil 2 geht es dann um das, was ich unter Pick Up und Verführung verstehe. Und warum es für Männer wie mich (fast schon) zu wenige, wirklich attraktive Frauen gibt.

22:27 21.06.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

s0cialliberalism

Ich bin überzeugt davon, dass sozial und liberal nur zusammen gut geht und die Antwort auf viele gesellschaftliche und andere Fragen bietet.
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