Peter Paul Schmidt

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RE: Protestanten im Dienst | 23.02.2012 | 19:09

Wir haben alle verloren!

Gratulation Herr Gauck. Sie werden der nächste Bundespräsident, das hatten Sie bereits vor zwei Jahren gewollt und nun ist es endlich so weit. Ist Ihnen in Ihrem freudentrunkenen Zustand eigentlich aufgefallen, dass mit Ihrer Nominierung nicht der für Deutschland am besten geeignete Kandidat sondern nur wieder der einer perfiden Politikpose entsprungene Kandidat gewählt werden wird? Sicher, die Medien haben durch ununterbrochene Dauerberichterstattung die Bevölkerung bereits davon in Kenntnis gesetzt, dass mit Ihnen, einem ehemaligen DDR-Bürgerrechtler, der Messias erschienen ist. Und es funktioniert. 70 % der Deutschen wünschen sich Gauck, ist den Medien zu entnehmen. Sie haben einen breiten Rückhalt, nicht nur politisch sondern auch gesellschaftlich.
Es wird Sie sicher nicht interessieren, aber ich gehöre nicht wirklich dazu. Dies liegt nicht in erster Linie an Ihrer Person, sondern viel eher daran, dass sich in der Nominierung von Ihnen die Verkommenheit und Entrücktheit des politischen Establishment zeigt. Aber auch dies dürfte Sie nicht sonderlich interessieren, so beglückt sind Sie. So sehr, dass Sie es noch nicht einmal geschafft hatten sich vor der Pressekonferenz zu waschen. Vielleicht wird Ihnen beim Duschen – beim Duschen hat man bekanntlich die besten Ideen - bewusst werden, dass Sie Bundespräsident Dank FDP`s Gnaden werden. Eine Partei, die Sie selbstverständlich auf Grund Ihrer überragenden Qualifikation für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen hat und nicht etwa in Folge der aktuellen und hoffentlich ewig währenden politischen Bedeutungslosigkeit. Nie käme man in der FDP auf die Idee aus der Nominierung eines von 70% der Deutschen für präsidiabel gehaltenen Mannes politisch eigenen Profit zu schlagen. Auch Ihre neoliberalen Ansichten waren für die FDP sicher kein Grund, Sie für das höchste Amt im Staate zu nominieren. Auch wenn der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Holger Zastrow Sie als „jemanden der ganz ideal zum liberal-konservativen Regierungsbündnis passt und der uns mit seinem Wertekompass, seinem Einsatz für Freiheit, für Eigenverantwortung und für die Marktwirtschaft, aus dem Herzen spricht.“ bezeichnet. Darauf verwette ich ein Kugel Eis. Wer die FDP-Granden medial und in ihrem Regierungshandeln erlebt hat weiß, dass freie Demokraten nur hehre Ziele verfolgen. Selbstverständlich ist die Unterstützung Ihrer Kandidatur durch die SPD und die Grünen auch nicht partei- und machtpolitischen Taktierereien gegenüber der Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei der Sie aus unerfindlichen Gründen vor zwei Jahren durchs Nominierungsraster fielen, geschuldet. Dies bewies die Generalsekretärin der SPD Andrea Nahles auf ihre bekannte mütterlich besorgte Art und Weise. „Die Kanzlerin ist umgefallen", es ist „der Tag einer großen Niederlage für Frau Merkel“. Dies zeigt doch nur, dass sich Frau Nahles ernsthafte Sorgen um den Gesundheitszustand der Bundeskanzlerin macht und nicht etwa wie von den Medien dargestellt ein Ausdruck der Schadenfreude und Häme ist. Allein sie hat erkannt, dass die anstrengenden Wochen der „Eurorettung“ Frau Merkel ganz schön zugesetzt haben und sie wegen eines Kreislaufkollaps umgefallen ist und sich daher niederlegen musste. Wer Andrea Nahles in den letzten Jahren verfolgt hat weiß, dass sie nur sachorientiert argumentiert und ihr kleinkindisches Geschrei völlig fremd sind. Ebenso ihre Parteikollegen, den feisten selbstverliebt grinsenden Parteivorderen, den geht es ja auch immer nur um die Sache.
Ebenso den Medien, welche sachlich Ihre Stärken und Ihre Schwächen analysieren. Welche Schwächen? Einige unterstellen Ihnen ja Eitelkeit. Ihnen, wo Sie doch bereits kurz nach Bekanntgabe Ihrer Nominierung in Ihrer so ureigenen bescheidenen Art gesagt haben, dass Sie auch nur ein Mensch sind und uns alle bitten Ihnen erste Fehler zu verzeihen. Na, na, na Herr Gauck nur nicht so bescheiden. Ich bin mir sicher Sie machen nie Fehler und wenn dann haben bestimmt die anderen etwas falsch gemacht oder sind von der gelben Natter namens Neid zerfressen. Nach dem Papst sind Sie der Einzige der unfehlbar ist. Als Protestant und auch noch Pastor ist man zudem ja so etwas wie ein emanzipierter, moderner Katholik und alle Fehler werden sowieso vergeben. Sie haben ja schon im Vorfeld aufrichtig bereut.
Ich bin mir sicher, dass einige Ihr Gespräch mit dem Taxifahrer Herrn Belon "Sie fahren jetzt den neuen Bundespräsidenten.“, als eitel bzw. anmaßend auslegen werden, da Sie ja noch nicht gewählt worden sind. Diesen Leuten kann ich nur entgegnen „grober Unfug!“ Bestimmt haben Sie dieser Bemerkung ein sympathisches Augenzwinkern folgen lassen, welches man nur als Hinweis auf eine noch anstehende, Sie legitimierende Wahl deuten kann. Aber dies ist Herrn Belon in seiner Freude den Bundespräsidenten, Verzeihung Nominierten, zu fahren sicherlich nicht aufgefallen. Wer kann es Herrn Belon verdenken. Dieses kollektive Massenglücksgefühl durften wir das letzte Mal im Sommer 2006 erleben. Das Sie gewählt werden ist ja quasi nur noch reine Formsache. Daher mein Vorschlag, wir lassen diese scheindemokratische Bundespräsidentenwahl ausfallen. Wir sparen damit sicher sehr viel Geld und der CO2-Ausstoß durch die ansonsten so zahlreich anreisenden Wahlmänner und -frauen fällt auch weg. Allerdings werden die Berliner Hoteliers und Gastronomen sehr betrübt sein und dies könnte Ihre gelben Unterstützer traurig machen. Aber dies würden Sie bestimmt ganz schnell wegschmunzeln.
Wahlen sind als Ausdruck demokratischer Freiheit meiner Meinung nach sowieso massiv überbewertet. Sie, der das „Böse“ gesehen hat, würde mir vermutlich widersprechen und von einem Unrechtsstaat berichten in dem das Wahlergebnis schon im Vorfeld feststand und man nur die Wahl hatte zwischen Scylla und Charybdis und somit unfrei unter dem Diktat einer grenzdebilen, von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugten Altherrenrunde leben musste. Lieber Herr Gauck das stimmt wohl. Allein Sie wissen auf Grund ihrer physischen Anwesenheit in einem Unrechtsstaat was Richtig und Falsch ist. Manch einer reduziert Ihre Rolle in der Wendezeit auf den Beitritt zum "Neuen Forum" im Oktober 1989 in Rostock, einem Zeitpunkt, ab dem man sagen kann: „Der Drops war gelutscht.“ Dies greift sicher zu kurz. Bei Ihnen zählt außerdem der olympische Gedanke „dabei sein ist alles“ und dies können bspw. 60 Mio. Bürger des damaligen Westdeutschlands nicht von sich behaupten. Außerdem ist die Überhöhung von wahren Helden durchaus legitim.
Bei Ihrer Wahl wir es noch einmal richtig spannend, wenn sich die Bundesversammlung zwischen Herrn und Gauck entscheiden muss. Außer irgendjemand anderes schickt einen eigenen Kandidaten ins Rennen. Vielleicht Beate Klarsfeld. Ihre Präsidentschaft wäre eine aufrichtige Entscheidung aller. Das die Geeignetheit von Beate Klarsfeld über jeden Zweifel erhaben ist, steht außer Frage. Ebenso ihre Nichtwahl. Ein Vorschlag der Linken ist per Definition schon falsch. Bei dieser Wahl geht es ja nicht um den am besten geeigneten Kandidaten, sondern um Kasperletheater. Vielleicht werden Sie Beate Klarsfeld das Bundesverdienstkreuz verleihen, als Versuch dieses Schmierentheater als anständig zu legitimieren. Egal, bei drei Kandidaten zur Auswahl muss man schon aufpassen wo man sein Kreuzchen hinsetzt. Außerdem kann es ja nicht falsch sein, wenn sich über 70% der Bürger sowie das gesamte Spektrum der demokratischen Parteien für Sie aussprechen. Na ja, mit Ausnahme der linken Schmuddelkinder. Aber die werden ja glücklicherweise zum größten Teil vom Verfassungsschutz beobachtet. Man stelle sich einmal vor, deren krude Ideen einer Gleichwertigkeit des Menschen und die daraus erwachsenen Folgen wie soziale Gerechtigkeit, soziale Teilhabe, Kontrolle der entfesselten, pervertierten und global alles beherrschenden Finanzwelt würden umgesetzt werden. Wir würden wahrlich das Jahr 2012 erleben wie es Roland Emmerich beschreibt. Das es aber soweit nie kommen wird dafür haben wir diesen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat, der alles in seiner Macht stehende tun wird, damit dieser Systemwechsel nie geschehen wird und Sie natürlich Herr Gauck. Eine Symbolfigur für dieses einzig wahre und richtige System. Das Sie bereits vor Ihrer Wahl die zukünftigen Posten im Bundespräsidalamt verteilen, erinnert einen zwar schon entfernt an das Sprichwort „das Fell des Bären verteilen bevor dieser erlegt ist“, in Ihrem Fall ist der Anstandsbär aber quasi schon erlegt. In einem anderen Kontext als den Ihren, würde man das sicher als Vetternwirtschaft, rechtsstaatlich fragwürdig oder so ähnlich bezeichnen.
Es stört mich auch überhaupt nicht das Sie gerade einmal 72 Jahre sind. Einem Alter wo andere faul in der Ecke liegen und Ihre Rente genießen, die von immer weniger Jungen erarbeitet werden muss. Nein so einer sind Sie nicht. Sie werden gebraucht und keiner kann diesen Job so gut machen wie Sie. Außerdem handelt es sich bei Ihrer zukünftigen Tätigkeit auch lediglich um einen sehr gering entlohnten Job des produzierenden Gewerbes. Von Steuergeldern wird Ihr Gehalt nicht bezahlt werden. Ihr Redetexte werden Auflagezahlen erreichen wie die von J. K. Rowlings Harry Potter, Ihr Konterfei wird diverse Merchandising-Artikel wie Kloschüsseln zieren und wie bei Kate und Williams Hochzeit reißenden Absatz bei den vielen Touristen finden. Sie werden der absolute Verkaufsschlager und dem Staat viele Milliarden in die Kassen spülen. Außerdem bekommt man als ehemaliger Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen bestimmt nur eine Minirente. Immerhin haben Sie in dieser Position ja auch nur 10 Jahre gearbeitet und die Zeit davor kann man ja sowieso vernachlässigen. Da bleibt im Alter nun mal nur Flaschen sammeln im Park oder eben das Nehmen was einem angeboten wird. In Ihrem Fall eben das Amt des Bundespräsidenten. Des weiteren zeichnet Sie aus, dass Sie ganz genau wissen was ganz, ganz viele Menschen bewegt. Dies beweisen Sie mit Ihren Ausführungen zu so unüberschaubar vielen, extrem aktuellen Themen wie Freiheit, Freiheit, Freiheit und Freiheit.

Dennoch bleibt die Frage, wie könnte jemand wie Sie Wege aus der aktuellen Krise weisen und Lösungen anbieten, wenn er als systemimmanente Galionsfigur ein Teil selbiger ist. Wie können Sie Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die Vielen machen, die durch dieses System ignoriert werden, wenn Sie selbst zutiefst von der Richtigkeit des Ist-Zustands dieses Systems überzeugt sind. Welch Ironie der Geschichte. Sie, der für die Freiheit und gegen ein diese beschränkendes System gekämpft hat, unterstützen die Einschränkung selbiger. Die Überwachung der Linken durch den Verfassungsschutz befürworten Sie. Die aktuelle Antikapitalismusdebatte finden Sie wie man der Presse entnehmen kann als „unsäglich albern“. "Die Protestierenden haben romantische Vorstellungen" ... Das wird schnell verebben." Dies attestieren Sie der Occupy-Protestbewegung. Was diese Menschen auszeichnet ist doch allein das Einstehen für Ihre Meinung, die Erkenntnis, dass der Finanzkapitalismus 99% der Menschen benachteiligt damit eine Minderheit alles haben kann. Ja, diese Menschen stehen für einen Systemwechsel, weil sie der Überzeugung sind, dass jeder Mensch in seiner Verschiedenartigkeit dennoch den gleichen gesellschaftlichen Wert hat. Warum denken Sie, dass die Überzeugungen dieser Menschen falsch sind? Weil sie Ihrer widersprechen? Wer sind Sie, dass Sie diese Menschen von oben herab als albern verhöhnen, um Ihnen dann gönnerhaft zu zurufen "Aber wer protestiert, ist mir hochwillkommen, weil er nicht einfach im Sessel sitzt und sagt: Ach Gott, da kann man nun nichts machen!" Wie kann man sagen "Der Nation geht es so unglaublich gut, dass sie es nicht für normal hält, dass es ihr so gut geht." Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Hartz-IV möglicherweise Existenz sichernd ist, aber eine gesellschaftliche Teilhabe nahezu ausschließt? Dass unser Gesundheitssystem auf Grund der ungezügelten Profitgier der Pharmaindustrie und diverser anderer Lobbyisten in seiner Existenz bedroht ist? Dass die Liberalisierung des Arbeitsmarktes nicht nur ein Segen war, sondern auch viele prekäre Arbeitsverhälnisse, Leiharbeit usw. zur Folge hatte? Dass viele Menschen einen Vollzeitjob haben, aber dennoch um zu überleben sich staatlich alimentieren lassen müssen? Dass ein akademischer Mittelbau an Universitäten so reich vertreten ist wie Schnee in der Sahara? Dass der propagierte Fachkräftemangel wohl eher ins Reich der Mythen und Sagen gehört? Dass wir in Deutschland eine so hohe Produktivität und Automatisierung erreicht haben, dass wir gar nicht alle arbeitsfähigen Menschen brauchen? Dass wir diesen Menschen mit der Verbreitung der Wirtschaftswachstumslüge suggerieren, sie würden doch irgendwann eine Chance bekommen? Dass die Rente mit 67 nicht die notwendige logische Folge unserer demographischen Entwicklung, sondern die Folge eines verqueren Wirtschaft- und Finanzsystem ist? Dass ganz Wenige unglaublich viel Geld bekommen und suggerieren, dass sie es auch verdienen? Warum - haben diese Menschen einen höheren Wert als andere? Dass Antisemitismus sowie Ressentiments gegen Migranten und Homosexuelle tendenziell wieder gesellschaftsfähig werden? Dass die Politik die Bevölkerung über ihre Lösungsstrategie zur Finanz-, Euro- und Griechenlandkrise unwissend im Regen stehen lässt, zu den Konflikten und Demokratiesierungsprozessen in der arabischen Welt, zu unserer Rolle im Iran und in Afgahnistan sowie zur Problematik der afrikanischen Wirtschaftsflüchtlinge in die EU schweigt? Nun könnte man selbstverständlich auf die sozialen Verhältnisse bspw. in den USA verweisen und sagen dass es uns im Vergleich dazu sehr gut gehe. Könnte man, sollte man aber nicht. Der Vergleich mit einem Staat, in dem dem Turbokapitalismus gehuldigt, soziale Gerechtigkeit als kommunistische Spinnerei und die Thesen Darwins ins Reich der Märchen verbannt werden, ist nicht gerade glücklich. Es bleibt nun einmal die einfache Wahrheit, dass es immer jemanden gibt den es schlechter, aber eben auch den es besser geht. Daher ist es zynisch anstatt sich engagiert den Problemen der Menschen zu widmen, lapidar auf schlechtere Verhältnisse zu verweisen. Lieber Herr Gauck außer von Freiheit habe ich von Ihnen bis jetzt noch nie etwas anderes vernommen. Wenn doch, dann war es eher enttäuschend. Als Bundespräsident sollte man Brücken bauen. Sie werfen bereits jetzt Gräben auf. Als Bundespräsident soll man neutral sein. Sie lassen bereits jetzt erkennen das Ihre Meinung die Richtige ist. Als Bundespräsident soll man verbinden. Sie trennen bereits jetzt.

In einem Gedicht von Robert Gernhardt lauten die ersten Zeilen „Ach was, es geht mir nicht um mich, im Vordergrund steht nicht mein Ich, es geht mir um die Sache.“ So ähnlich umschrieben CDU, SPD, Grüne und FDP ihre gemeinsame Abstimmung für Herrn Gauck als zukünftigen Bundespräsidenten. Wer bitte soll das glauben? Wie kann man guten Gewissens eine Kandidatur annehmen wenn doch offensichtlich ist, dass die Nominierung nicht primär der Geeignetheit der eigenen Person geschuldet war, als vielmehr einem machtpolitischen Schmierentheater von kleingeistigen Selbstdarstellern. Oder geht es Ihnen am Ende vielleicht auch nur um Ihr eigenes Ego, Herr Gauck? Welch Ironie, die Bundeskanzlerin erträgt den Dolchstoß Amok gelaufener Zwerge und die genüssliche Häme der Opposition staatsmännisch mit Demut und scheint das zu machen, für das sie bezahlt und gewählt wurde - sachorientiert arbeiten. Sollte sie, die mit dem Charisma eines mürrischen Nachttopfs gesegnet ist, die Einzige in diesem Zirkus sein, der es tatsächlich nicht um sich selbst sondern um ihre politischen Überzeugungen geht? Die Geschichte wird es zeigen. Wie auch immer. Nach dieser Chose sind sie, unsere geschätzten Volksvertreter, allen Ernstes noch verwundert über die steigende Politikverdrossenheit? Wenn aktuelle Probleme der breiten Masse so ignoriert und zu Gunsten einer medialen Selbstinszenierung geopfert werden, braucht man sich nicht wundern wenn sich die Menschen nur angewidert abwenden. Was sie alle noch nicht bemerkt haben ist, dass es ihnen gemeinsam bereits jetzt gelungen ist das Amt des Bundespräsidenten, von dem alles sagen es würde über den drei Gewalten stehen, zu beschädigen noch bevor Herr Gauck es angetreten hat. Was sie mit dem Vorgänger gemein haben ist die Tatsache, dass ihnen hierfür die Einsicht fehlt. Gratulation Herr Präsident. Dies ist ein Pyrrhussieg – wir habe alle verloren.

RE: "Gauck ist die falsche Person" | 23.02.2012 | 17:50

Wir haben alle verloren!

Gratulation Herr Gauck. Sie werden der nächste Bundespräsident, das hatten Sie bereits vor zwei Jahren gewollt und nun ist es endlich so weit. Ist Ihnen in Ihrem freudentrunkenen Zustand eigentlich aufgefallen, dass mit Ihrer Nominierung nicht der für Deutschland am besten geeignete Kandidat sondern nur wieder der einer perfiden Politikpose entsprungene Kandidat gewählt werden wird? Sicher, die Medien haben durch ununterbrochene Dauerberichterstattung die Bevölkerung bereits davon in Kenntnis gesetzt, dass mit Ihnen, einem ehemaligen DDR-Bürgerrechtler, der Messias erschienen ist. Und es funktioniert. 70 % der Deutschen wünschen sich Gauck, ist den Medien zu entnehmen. Sie haben einen breiten Rückhalt, nicht nur politisch sondern auch gesellschaftlich.
Es wird Sie sicher nicht interessieren, aber ich gehöre nicht wirklich dazu. Dies liegt nicht in erster Linie an Ihrer Person, sondern viel eher daran, dass sich in der Nominierung von Ihnen die Verkommenheit und Entrücktheit des politischen Establishment zeigt. Aber auch dies dürfte Sie nicht sonderlich interessieren, so beglückt sind Sie. So sehr, dass Sie es noch nicht einmal geschafft hatten sich vor der Pressekonferenz zu waschen. Vielleicht wird Ihnen beim Duschen – beim Duschen hat man bekanntlich die besten Ideen - bewusst werden, dass Sie Bundespräsident Dank FDP`s Gnaden werden. Eine Partei, die Sie selbstverständlich auf Grund Ihrer überragenden Qualifikation für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen hat und nicht etwa in Folge der aktuellen und hoffentlich ewig währenden politischen Bedeutungslosigkeit. Nie käme man in der FDP auf die Idee aus der Nominierung eines von 70% der Deutschen für präsidiabel gehaltenen Mannes politisch eigenen Profit zu schlagen. Auch Ihre neoliberalen Ansichten waren für die FDP sicher kein Grund, Sie für das höchste Amt im Staate zu nominieren. Auch wenn der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Holger Zastrow Sie als „jemanden der ganz ideal zum liberal-konservativen Regierungsbündnis passt und der uns mit seinem Wertekompass, seinem Einsatz für Freiheit, für Eigenverantwortung und für die Marktwirtschaft, aus dem Herzen spricht.“ bezeichnet. Darauf verwette ich ein Kugel Eis. Wer die FDP-Granden medial und in ihrem Regierungshandeln erlebt hat weiß, dass freie Demokraten nur hehre Ziele verfolgen. Selbstverständlich ist die Unterstützung Ihrer Kandidatur durch die SPD und die Grünen auch nicht partei- und machtpolitischen Taktierereien gegenüber der Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei der Sie aus unerfindlichen Gründen vor zwei Jahren durchs Nominierungsraster fielen, geschuldet. Dies bewies die Generalsekretärin der SPD Andrea Nahles auf ihre bekannte mütterlich besorgte Art und Weise. „Die Kanzlerin ist umgefallen", es ist „der Tag einer großen Niederlage für Frau Merkel“. Dies zeigt doch nur, dass sich Frau Nahles ernsthafte Sorgen um den Gesundheitszustand der Bundeskanzlerin macht und nicht etwa wie von den Medien dargestellt ein Ausdruck der Schadenfreude und Häme ist. Allein sie hat erkannt, dass die anstrengenden Wochen der „Eurorettung“ Frau Merkel ganz schön zugesetzt haben und sie wegen eines Kreislaufkollaps umgefallen ist und sich daher niederlegen musste. Wer Andrea Nahles in den letzten Jahren verfolgt hat weiß, dass sie nur sachorientiert argumentiert und ihr kleinkindisches Geschrei völlig fremd sind. Ebenso ihre Parteikollegen, den feisten selbstverliebt grinsenden Parteivorderen, den geht es ja auch immer nur um die Sache.
Ebenso den Medien, welche sachlich Ihre Stärken und Ihre Schwächen analysieren. Welche Schwächen? Einige unterstellen Ihnen ja Eitelkeit. Ihnen, wo Sie doch bereits kurz nach Bekanntgabe Ihrer Nominierung in Ihrer so ureigenen bescheidenen Art gesagt haben, dass Sie auch nur ein Mensch sind und uns alle bitten Ihnen erste Fehler zu verzeihen. Na, na, na Herr Gauck nur nicht so bescheiden. Ich bin mir sicher Sie machen nie Fehler und wenn dann haben bestimmt die anderen etwas falsch gemacht oder sind von der gelben Natter namens Neid zerfressen. Nach dem Papst sind Sie der Einzige der unfehlbar ist. Als Protestant und auch noch Pastor ist man zudem ja so etwas wie ein emanzipierter, moderner Katholik und alle Fehler werden sowieso vergeben. Sie haben ja schon im Vorfeld aufrichtig bereut.
Ich bin mir sicher, dass einige Ihr Gespräch mit dem Taxifahrer Herrn Belon "Sie fahren jetzt den neuen Bundespräsidenten.“, als eitel bzw. anmaßend auslegen werden, da Sie ja noch nicht gewählt worden sind. Diesen Leuten kann ich nur entgegnen „grober Unfug!“ Bestimmt haben Sie dieser Bemerkung ein sympathisches Augenzwinkern folgen lassen, welches man nur als Hinweis auf eine noch anstehende, Sie legitimierende Wahl deuten kann. Aber dies ist Herrn Belon in seiner Freude den Bundespräsidenten, Verzeihung Nominierten, zu fahren sicherlich nicht aufgefallen. Wer kann es Herrn Belon verdenken. Dieses kollektive Massenglücksgefühl durften wir das letzte Mal im Sommer 2006 erleben. Das Sie gewählt werden ist ja quasi nur noch reine Formsache. Daher mein Vorschlag, wir lassen diese scheindemokratische Bundespräsidentenwahl ausfallen. Wir sparen damit sicher sehr viel Geld und der CO2-Ausstoß durch die ansonsten so zahlreich anreisenden Wahlmänner und -frauen fällt auch weg. Allerdings werden die Berliner Hoteliers und Gastronomen sehr betrübt sein und dies könnte Ihre gelben Unterstützer traurig machen. Aber dies würden Sie bestimmt ganz schnell wegschmunzeln.
Wahlen sind als Ausdruck demokratischer Freiheit meiner Meinung nach sowieso massiv überbewertet. Sie, der das „Böse“ gesehen hat, würde mir vermutlich widersprechen und von einem Unrechtsstaat berichten in dem das Wahlergebnis schon im Vorfeld feststand und man nur die Wahl hatte zwischen Scylla und Charybdis und somit unfrei unter dem Diktat einer grenzdebilen, von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugten Altherrenrunde leben musste. Lieber Herr Gauck das stimmt wohl. Allein Sie wissen auf Grund ihrer physischen Anwesenheit in einem Unrechtsstaat was Richtig und Falsch ist. Manch einer reduziert Ihre Rolle in der Wendezeit auf den Beitritt zum "Neuen Forum" im Oktober 1989 in Rostock, einem Zeitpunkt, ab dem man sagen kann: „Der Drops war gelutscht.“ Dies greift sicher zu kurz. Bei Ihnen zählt außerdem der olympische Gedanke „dabei sein ist alles“ und dies können bspw. 60 Mio. Bürger des damaligen Westdeutschlands nicht von sich behaupten. Außerdem ist die Überhöhung von wahren Helden durchaus legitim.
Bei Ihrer Wahl wir es noch einmal richtig spannend, wenn sich die Bundesversammlung zwischen Herrn und Gauck entscheiden muss. Außer irgendjemand anderes schickt einen eigenen Kandidaten ins Rennen. Vielleicht Beate Klarsfeld. Ihre Präsidentschaft wäre eine aufrichtige Entscheidung aller. Das die Geeignetheit von Beate Klarsfeld über jeden Zweifel erhaben ist, steht außer Frage. Ebenso ihre Nichtwahl. Ein Vorschlag der Linken ist per Definition schon falsch. Bei dieser Wahl geht es ja nicht um den am besten geeigneten Kandidaten, sondern um Kasperletheater. Vielleicht werden Sie Beate Klarsfeld das Bundesverdienstkreuz verleihen, als Versuch dieses Schmierentheater als anständig zu legitimieren. Egal, bei drei Kandidaten zur Auswahl muss man schon aufpassen wo man sein Kreuzchen hinsetzt. Außerdem kann es ja nicht falsch sein, wenn sich über 70% der Bürger sowie das gesamte Spektrum der demokratischen Parteien für Sie aussprechen. Na ja, mit Ausnahme der linken Schmuddelkinder. Aber die werden ja glücklicherweise zum größten Teil vom Verfassungsschutz beobachtet. Man stelle sich einmal vor, deren krude Ideen einer Gleichwertigkeit des Menschen und die daraus erwachsenen Folgen wie soziale Gerechtigkeit, soziale Teilhabe, Kontrolle der entfesselten, pervertierten und global alles beherrschenden Finanzwelt würden umgesetzt werden. Wir würden wahrlich das Jahr 2012 erleben wie es Roland Emmerich beschreibt. Das es aber soweit nie kommen wird dafür haben wir diesen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat, der alles in seiner Macht stehende tun wird, damit dieser Systemwechsel nie geschehen wird und Sie natürlich Herr Gauck. Eine Symbolfigur für dieses einzig wahre und richtige System. Das Sie bereits vor Ihrer Wahl die zukünftigen Posten im Bundespräsidalamt verteilen, erinnert einen zwar schon entfernt an das Sprichwort „das Fell des Bären verteilen bevor dieser erlegt ist“, in Ihrem Fall ist der Anstandsbär aber quasi schon erlegt. In einem anderen Kontext als den Ihren, würde man das sicher als Vetternwirtschaft, rechtsstaatlich fragwürdig oder so ähnlich bezeichnen.
Es stört mich auch überhaupt nicht das Sie gerade einmal 72 Jahre sind. Einem Alter wo andere faul in der Ecke liegen und Ihre Rente genießen, die von immer weniger Jungen erarbeitet werden muss. Nein so einer sind Sie nicht. Sie werden gebraucht und keiner kann diesen Job so gut machen wie Sie. Außerdem handelt es sich bei Ihrer zukünftigen Tätigkeit auch lediglich um einen sehr gering entlohnten Job des produzierenden Gewerbes. Von Steuergeldern wird Ihr Gehalt nicht bezahlt werden. Ihr Redetexte werden Auflagezahlen erreichen wie die von J. K. Rowlings Harry Potter, Ihr Konterfei wird diverse Merchandising-Artikel wie Kloschüsseln zieren und wie bei Kate und Williams Hochzeit reißenden Absatz bei den vielen Touristen finden. Sie werden der absolute Verkaufsschlager und dem Staat viele Milliarden in die Kassen spülen. Außerdem bekommt man als ehemaliger Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen bestimmt nur eine Minirente. Immerhin haben Sie in dieser Position ja auch nur 10 Jahre gearbeitet und die Zeit davor kann man ja sowieso vernachlässigen. Da bleibt im Alter nun mal nur Flaschen sammeln im Park oder eben das Nehmen was einem angeboten wird. In Ihrem Fall eben das Amt des Bundespräsidenten. Des weiteren zeichnet Sie aus, dass Sie ganz genau wissen was ganz, ganz viele Menschen bewegt. Dies beweisen Sie mit Ihren Ausführungen zu so unüberschaubar vielen, extrem aktuellen Themen wie Freiheit, Freiheit, Freiheit und Freiheit.

Dennoch bleibt die Frage, wie könnte jemand wie Sie Wege aus der aktuellen Krise weisen und Lösungen anbieten, wenn er als systemimmanente Galionsfigur ein Teil selbiger ist. Wie können Sie Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die Vielen machen, die durch dieses System ignoriert werden, wenn Sie selbst zutiefst von der Richtigkeit des Ist-Zustands dieses Systems überzeugt sind. Welch Ironie der Geschichte. Sie, der für die Freiheit und gegen ein diese beschränkendes System gekämpft hat, unterstützen die Einschränkung selbiger. Die Überwachung der Linken durch den Verfassungsschutz befürworten Sie. Die aktuelle Antikapitalismusdebatte finden Sie wie man der Presse entnehmen kann als „unsäglich albern“. "Die Protestierenden haben romantische Vorstellungen" ... Das wird schnell verebben." Dies attestieren Sie der Occupy-Protestbewegung. Was diese Menschen auszeichnet ist doch allein das Einstehen für Ihre Meinung, die Erkenntnis, dass der Finanzkapitalismus 99% der Menschen benachteiligt damit eine Minderheit alles haben kann. Ja, diese Menschen stehen für einen Systemwechsel, weil sie der Überzeugung sind, dass jeder Mensch in seiner Verschiedenartigkeit dennoch den gleichen gesellschaftlichen Wert hat. Warum denken Sie, dass die Überzeugungen dieser Menschen falsch sind? Weil sie Ihrer widersprechen? Wer sind Sie, dass Sie diese Menschen von oben herab als albern verhöhnen, um Ihnen dann gönnerhaft zu zurufen "Aber wer protestiert, ist mir hochwillkommen, weil er nicht einfach im Sessel sitzt und sagt: Ach Gott, da kann man nun nichts machen!" Wie kann man sagen "Der Nation geht es so unglaublich gut, dass sie es nicht für normal hält, dass es ihr so gut geht." Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Hartz-IV möglicherweise Existenz sichernd ist, aber eine gesellschaftliche Teilhabe nahezu ausschließt? Dass unser Gesundheitssystem auf Grund der ungezügelten Profitgier der Pharmaindustrie und diverser anderer Lobbyisten in seiner Existenz bedroht ist? Dass die Liberalisierung des Arbeitsmarktes nicht nur ein Segen war, sondern auch viele prekäre Arbeitsverhälnisse, Leiharbeit usw. zur Folge hatte? Dass viele Menschen einen Vollzeitjob haben, aber dennoch um zu überleben sich staatlich alimentieren lassen müssen? Dass ein akademischer Mittelbau an Universitäten so reich vertreten ist wie Schnee in der Sahara? Dass der propagierte Fachkräftemangel wohl eher ins Reich der Mythen und Sagen gehört? Dass wir in Deutschland eine so hohe Produktivität und Automatisierung erreicht haben, dass wir gar nicht alle arbeitsfähigen Menschen brauchen? Dass wir diesen Menschen mit der Verbreitung der Wirtschaftswachstumslüge suggerieren, sie würden doch irgendwann eine Chance bekommen? Dass die Rente mit 67 nicht die notwendige logische Folge unserer demographischen Entwicklung, sondern die Folge eines verqueren Wirtschaft- und Finanzsystem ist? Dass ganz Wenige unglaublich viel Geld bekommen und suggerieren, dass sie es auch verdienen? Warum - haben diese Menschen einen höheren Wert als andere? Dass Antisemitismus sowie Ressentiments gegen Migranten und Homosexuelle tendenziell wieder gesellschaftsfähig werden? Dass die Politik die Bevölkerung über ihre Lösungsstrategie zur Finanz-, Euro- und Griechenlandkrise unwissend im Regen stehen lässt, zu den Konflikten und Demokratiesierungsprozessen in der arabischen Welt, zu unserer Rolle im Iran und in Afgahnistan sowie zur Problematik der afrikanischen Wirtschaftsflüchtlinge in die EU schweigt? Nun könnte man selbstverständlich auf die sozialen Verhältnisse bspw. in den USA verweisen und sagen dass es uns im Vergleich dazu sehr gut gehe. Könnte man, sollte man aber nicht. Der Vergleich mit einem Staat, in dem dem Turbokapitalismus gehuldigt, soziale Gerechtigkeit als kommunistische Spinnerei und die Thesen Darwins ins Reich der Märchen verbannt werden, ist nicht gerade glücklich. Es bleibt nun einmal die einfache Wahrheit, dass es immer jemanden gibt den es schlechter, aber eben auch den es besser geht. Daher ist es zynisch anstatt sich engagiert den Problemen der Menschen zu widmen, lapidar auf schlechtere Verhältnisse zu verweisen. Lieber Herr Gauck außer von Freiheit habe ich von Ihnen bis jetzt noch nie etwas anderes vernommen. Wenn doch, dann war es eher enttäuschend. Als Bundespräsident sollte man Brücken bauen. Sie werfen bereits jetzt Gräben auf. Als Bundespräsident soll man neutral sein. Sie lassen bereits jetzt erkennen das Ihre Meinung die Richtige ist. Als Bundespräsident soll man verbinden. Sie trennen bereits jetzt.

In einem Gedicht von Robert Gernhardt lauten die ersten Zeilen „Ach was, es geht mir nicht um mich, im Vordergrund steht nicht mein Ich, es geht mir um die Sache.“ So ähnlich umschrieben CDU, SPD, Grüne und FDP ihre gemeinsame Abstimmung für Herrn Gauck als zukünftigen Bundespräsidenten. Wer bitte soll das glauben? Wie kann man guten Gewissens eine Kandidatur annehmen wenn doch offensichtlich ist, dass die Nominierung nicht primär der Geeignetheit der eigenen Person geschuldet war, als vielmehr einem machtpolitischen Schmierentheater von kleingeistigen Selbstdarstellern. Oder geht es Ihnen am Ende vielleicht auch nur um Ihr eigenes Ego, Herr Gauck? Welch Ironie, die Bundeskanzlerin erträgt den Dolchstoß Amok gelaufener Zwerge und die genüssliche Häme der Opposition staatsmännisch mit Demut und scheint das zu machen, für das sie bezahlt und gewählt wurde - sachorientiert arbeiten. Sollte sie, die mit dem Charisma eines mürrischen Nachttopfs gesegnet ist, die Einzige in diesem Zirkus sein, der es tatsächlich nicht um sich selbst sondern um ihre politischen Überzeugungen geht? Die Geschichte wird es zeigen. Wie auch immer. Nach dieser Chose sind sie, unsere geschätzten Volksvertreter, allen Ernstes noch verwundert über die steigende Politikverdrossenheit? Wenn aktuelle Probleme der breiten Masse so ignoriert und zu Gunsten einer medialen Selbstinszenierung geopfert werden, braucht man sich nicht wundern wenn sich die Menschen nur angewidert abwenden. Was sie alle noch nicht bemerkt haben ist, dass es ihnen gemeinsam bereits jetzt gelungen ist das Amt des Bundespräsidenten, von dem alles sagen es würde über den drei Gewalten stehen, zu beschädigen noch bevor Herr Gauck es angetreten hat. Was sie mit dem Vorgänger gemein haben ist die Tatsache, dass ihnen hierfür die Einsicht fehlt. Gratulation Herr Präsident. Dies ist ein Pyrrhussieg – wir habe alle verloren.

RE: Wenn der Konsens trügt | 23.02.2012 | 17:30

Wir haben alle verloren!

Gratulation Herr Gauck. Sie werden der nächste Bundespräsident, das hatten Sie bereits vor zwei Jahren gewollt und nun ist es endlich so weit. Ist Ihnen in Ihrem freudentrunkenen Zustand eigentlich aufgefallen, dass mit Ihrer Nominierung nicht der für Deutschland am besten geeignete Kandidat sondern nur wieder der einer perfiden Politikpose entsprungene Kandidat gewählt werden wird? Sicher, die Medien haben durch ununterbrochene Dauerberichterstattung die Bevölkerung bereits davon in Kenntnis gesetzt, dass mit Ihnen, einem ehemaligen DDR-Bürgerrechtler, der Messias erschienen ist. Und es funktioniert. 70 % der Deutschen wünschen sich Gauck, ist den Medien zu entnehmen. Sie haben einen breiten Rückhalt, nicht nur politisch sondern auch gesellschaftlich.
Es wird Sie sicher nicht interessieren, aber ich gehöre nicht wirklich dazu. Dies liegt nicht in erster Linie an Ihrer Person, sondern viel eher daran, dass sich in der Nominierung von Ihnen die Verkommenheit und Entrücktheit des politischen Establishment zeigt. Aber auch dies dürfte Sie nicht sonderlich interessieren, so beglückt sind Sie. So sehr, dass Sie es noch nicht einmal geschafft hatten sich vor der Pressekonferenz zu waschen. Vielleicht wird Ihnen beim Duschen – beim Duschen hat man bekanntlich die besten Ideen - bewusst werden, dass Sie Bundespräsident Dank FDP`s Gnaden werden. Eine Partei, die Sie selbstverständlich auf Grund Ihrer überragenden Qualifikation für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen hat und nicht etwa in Folge der aktuellen und hoffentlich ewig währenden politischen Bedeutungslosigkeit. Nie käme man in der FDP auf die Idee aus der Nominierung eines von 70% der Deutschen für präsidiabel gehaltenen Mannes politisch eigenen Profit zu schlagen. Auch Ihre neoliberalen Ansichten waren für die FDP sicher kein Grund, Sie für das höchste Amt im Staate zu nominieren. Auch wenn der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Holger Zastrow Sie als „jemanden der ganz ideal zum liberal-konservativen Regierungsbündnis passt und der uns mit seinem Wertekompass, seinem Einsatz für Freiheit, für Eigenverantwortung und für die Marktwirtschaft, aus dem Herzen spricht.“ bezeichnet. Darauf verwette ich ein Kugel Eis. Wer die FDP-Granden medial und in ihrem Regierungshandeln erlebt hat weiß, dass freie Demokraten nur hehre Ziele verfolgen. Selbstverständlich ist die Unterstützung Ihrer Kandidatur durch die SPD und die Grünen auch nicht partei- und machtpolitischen Taktierereien gegenüber der Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei der Sie aus unerfindlichen Gründen vor zwei Jahren durchs Nominierungsraster fielen, geschuldet. Dies bewies die Generalsekretärin der SPD Andrea Nahles auf ihre bekannte mütterlich besorgte Art und Weise. „Die Kanzlerin ist umgefallen", es ist „der Tag einer großen Niederlage für Frau Merkel“. Dies zeigt doch nur, dass sich Frau Nahles ernsthafte Sorgen um den Gesundheitszustand der Bundeskanzlerin macht und nicht etwa wie von den Medien dargestellt ein Ausdruck der Schadenfreude und Häme ist. Allein sie hat erkannt, dass die anstrengenden Wochen der „Eurorettung“ Frau Merkel ganz schön zugesetzt haben und sie wegen eines Kreislaufkollaps umgefallen ist und sich daher niederlegen musste. Wer Andrea Nahles in den letzten Jahren verfolgt hat weiß, dass sie nur sachorientiert argumentiert und ihr kleinkindisches Geschrei völlig fremd sind. Ebenso ihre Parteikollegen, den feisten selbstverliebt grinsenden Parteivorderen, den geht es ja auch immer nur um die Sache.
Ebenso den Medien, welche sachlich Ihre Stärken und Ihre Schwächen analysieren. Welche Schwächen? Einige unterstellen Ihnen ja Eitelkeit. Ihnen, wo Sie doch bereits kurz nach Bekanntgabe Ihrer Nominierung in Ihrer so ureigenen bescheidenen Art gesagt haben, dass Sie auch nur ein Mensch sind und uns alle bitten Ihnen erste Fehler zu verzeihen. Na, na, na Herr Gauck nur nicht so bescheiden. Ich bin mir sicher Sie machen nie Fehler und wenn dann haben bestimmt die anderen etwas falsch gemacht oder sind von der gelben Natter namens Neid zerfressen. Nach dem Papst sind Sie der Einzige der unfehlbar ist. Als Protestant und auch noch Pastor ist man zudem ja so etwas wie ein emanzipierter, moderner Katholik und alle Fehler werden sowieso vergeben. Sie haben ja schon im Vorfeld aufrichtig bereut.
Ich bin mir sicher, dass einige Ihr Gespräch mit dem Taxifahrer Herrn Belon "Sie fahren jetzt den neuen Bundespräsidenten.“, als eitel bzw. anmaßend auslegen werden, da Sie ja noch nicht gewählt worden sind. Diesen Leuten kann ich nur entgegnen „grober Unfug!“ Bestimmt haben Sie dieser Bemerkung ein sympathisches Augenzwinkern folgen lassen, welches man nur als Hinweis auf eine noch anstehende, Sie legitimierende Wahl deuten kann. Aber dies ist Herrn Belon in seiner Freude den Bundespräsidenten, Verzeihung Nominierten, zu fahren sicherlich nicht aufgefallen. Wer kann es Herrn Belon verdenken. Dieses kollektive Massenglücksgefühl durften wir das letzte Mal im Sommer 2006 erleben. Das Sie gewählt werden ist ja quasi nur noch reine Formsache. Daher mein Vorschlag, wir lassen diese scheindemokratische Bundespräsidentenwahl ausfallen. Wir sparen damit sicher sehr viel Geld und der CO2-Ausstoß durch die ansonsten so zahlreich anreisenden Wahlmänner und -frauen fällt auch weg. Allerdings werden die Berliner Hoteliers und Gastronomen sehr betrübt sein und dies könnte Ihre gelben Unterstützer traurig machen. Aber dies würden Sie bestimmt ganz schnell wegschmunzeln.
Wahlen sind als Ausdruck demokratischer Freiheit meiner Meinung nach sowieso massiv überbewertet. Sie, der das „Böse“ gesehen hat, würde mir vermutlich widersprechen und von einem Unrechtsstaat berichten in dem das Wahlergebnis schon im Vorfeld feststand und man nur die Wahl hatte zwischen Scylla und Charybdis und somit unfrei unter dem Diktat einer grenzdebilen, von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugten Altherrenrunde leben musste. Lieber Herr Gauck das stimmt wohl. Allein Sie wissen auf Grund ihrer physischen Anwesenheit in einem Unrechtsstaat was Richtig und Falsch ist. Manch einer reduziert Ihre Rolle in der Wendezeit auf den Beitritt zum "Neuen Forum" im Oktober 1989 in Rostock, einem Zeitpunkt, ab dem man sagen kann: „Der Drops war gelutscht.“ Dies greift sicher zu kurz. Bei Ihnen zählt außerdem der olympische Gedanke „dabei sein ist alles“ und dies können bspw. 60 Mio. Bürger des damaligen Westdeutschlands nicht von sich behaupten. Außerdem ist die Überhöhung von wahren Helden durchaus legitim.
Bei Ihrer Wahl wir es noch einmal richtig spannend, wenn sich die Bundesversammlung zwischen Herrn und Gauck entscheiden muss. Außer irgendjemand anderes schickt einen eigenen Kandidaten ins Rennen. Vielleicht Beate Klarsfeld. Ihre Präsidentschaft wäre eine aufrichtige Entscheidung aller. Das die Geeignetheit von Beate Klarsfeld über jeden Zweifel erhaben ist, steht außer Frage. Ebenso ihre Nichtwahl. Ein Vorschlag der Linken ist per Definition schon falsch. Bei dieser Wahl geht es ja nicht um den am besten geeigneten Kandidaten, sondern um Kasperletheater. Vielleicht werden Sie Beate Klarsfeld das Bundesverdienstkreuz verleihen, als Versuch dieses Schmierentheater als anständig zu legitimieren. Egal, bei drei Kandidaten zur Auswahl muss man schon aufpassen wo man sein Kreuzchen hinsetzt. Außerdem kann es ja nicht falsch sein, wenn sich über 70% der Bürger sowie das gesamte Spektrum der demokratischen Parteien für Sie aussprechen. Na ja, mit Ausnahme der linken Schmuddelkinder. Aber die werden ja glücklicherweise zum größten Teil vom Verfassungsschutz beobachtet. Man stelle sich einmal vor, deren krude Ideen einer Gleichwertigkeit des Menschen und die daraus erwachsenen Folgen wie soziale Gerechtigkeit, soziale Teilhabe, Kontrolle der entfesselten, pervertierten und global alles beherrschenden Finanzwelt würden umgesetzt werden. Wir würden wahrlich das Jahr 2012 erleben wie es Roland Emmerich beschreibt. Das es aber soweit nie kommen wird dafür haben wir diesen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat, der alles in seiner Macht stehende tun wird, damit dieser Systemwechsel nie geschehen wird und Sie natürlich Herr Gauck. Eine Symbolfigur für dieses einzig wahre und richtige System. Das Sie bereits vor Ihrer Wahl die zukünftigen Posten im Bundespräsidalamt verteilen, erinnert einen zwar schon entfernt an das Sprichwort „das Fell des Bären verteilen bevor dieser erlegt ist“, in Ihrem Fall ist der Anstandsbär aber quasi schon erlegt. In einem anderen Kontext als den Ihren, würde man das sicher als Vetternwirtschaft, rechtsstaatlich fragwürdig oder so ähnlich bezeichnen.
Es stört mich auch überhaupt nicht das Sie gerade einmal 72 Jahre sind. Einem Alter wo andere faul in der Ecke liegen und Ihre Rente genießen, die von immer weniger Jungen erarbeitet werden muss. Nein so einer sind Sie nicht. Sie werden gebraucht und keiner kann diesen Job so gut machen wie Sie. Außerdem handelt es sich bei Ihrer zukünftigen Tätigkeit auch lediglich um einen sehr gering entlohnten Job des produzierenden Gewerbes. Von Steuergeldern wird Ihr Gehalt nicht bezahlt werden. Ihr Redetexte werden Auflagezahlen erreichen wie die von J. K. Rowlings Harry Potter, Ihr Konterfei wird diverse Merchandising-Artikel wie Kloschüsseln zieren und wie bei Kate und Williams Hochzeit reißenden Absatz bei den vielen Touristen finden. Sie werden der absolute Verkaufsschlager und dem Staat viele Milliarden in die Kassen spülen. Außerdem bekommt man als ehemaliger Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen bestimmt nur eine Minirente. Immerhin haben Sie in dieser Position ja auch nur 10 Jahre gearbeitet und die Zeit davor kann man ja sowieso vernachlässigen. Da bleibt im Alter nun mal nur Flaschen sammeln im Park oder eben das Nehmen was einem angeboten wird. In Ihrem Fall eben das Amt des Bundespräsidenten. Des weiteren zeichnet Sie aus, dass Sie ganz genau wissen was ganz, ganz viele Menschen bewegt. Dies beweisen Sie mit Ihren Ausführungen zu so unüberschaubar vielen, extrem aktuellen Themen wie Freiheit, Freiheit, Freiheit und Freiheit.

Dennoch bleibt die Frage, wie könnte jemand wie Sie Wege aus der aktuellen Krise weisen und Lösungen anbieten, wenn er als systemimmanente Galionsfigur ein Teil selbiger ist. Wie können Sie Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die Vielen machen, die durch dieses System ignoriert werden, wenn Sie selbst zutiefst von der Richtigkeit des Ist-Zustands dieses Systems überzeugt sind. Welch Ironie der Geschichte. Sie, der für die Freiheit und gegen ein diese beschränkendes System gekämpft hat, unterstützen die Einschränkung selbiger. Die Überwachung der Linken durch den Verfassungsschutz befürworten Sie. Die aktuelle Antikapitalismusdebatte finden Sie wie man der Presse entnehmen kann als „unsäglich albern“. "Die Protestierenden haben romantische Vorstellungen" ... Das wird schnell verebben." Dies attestieren Sie der Occupy-Protestbewegung. Was diese Menschen auszeichnet ist doch allein das Einstehen für Ihre Meinung, die Erkenntnis, dass der Finanzkapitalismus 99% der Menschen benachteiligt damit eine Minderheit alles haben kann. Ja, diese Menschen stehen für einen Systemwechsel, weil sie der Überzeugung sind, dass jeder Mensch in seiner Verschiedenartigkeit dennoch den gleichen gesellschaftlichen Wert hat. Warum denken Sie, dass die Überzeugungen dieser Menschen falsch sind? Weil sie Ihrer widersprechen? Wer sind Sie, dass Sie diese Menschen von oben herab als albern verhöhnen, um Ihnen dann gönnerhaft zu zurufen "Aber wer protestiert, ist mir hochwillkommen, weil er nicht einfach im Sessel sitzt und sagt: Ach Gott, da kann man nun nichts machen!" Wie kann man sagen "Der Nation geht es so unglaublich gut, dass sie es nicht für normal hält, dass es ihr so gut geht." Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Hartz-IV möglicherweise Existenz sichernd ist, aber eine gesellschaftliche Teilhabe nahezu ausschließt? Dass unser Gesundheitssystem auf Grund der ungezügelten Profitgier der Pharmaindustrie und diverser anderer Lobbyisten in seiner Existenz bedroht ist? Dass die Liberalisierung des Arbeitsmarktes nicht nur ein Segen war, sondern auch viele prekäre Arbeitsverhälnisse, Leiharbeit usw. zur Folge hatte? Dass viele Menschen einen Vollzeitjob haben, aber dennoch um zu überleben sich staatlich alimentieren lassen müssen? Dass ein akademischer Mittelbau an Universitäten so reich vertreten ist wie Schnee in der Sahara? Dass der propagierte Fachkräftemangel wohl eher ins Reich der Mythen und Sagen gehört? Dass wir in Deutschland eine so hohe Produktivität und Automatisierung erreicht haben, dass wir gar nicht alle arbeitsfähigen Menschen brauchen? Dass wir diesen Menschen mit der Verbreitung der Wirtschaftswachstumslüge suggerieren, sie würden doch irgendwann eine Chance bekommen? Dass die Rente mit 67 nicht die notwendige logische Folge unserer demographischen Entwicklung, sondern die Folge eines verqueren Wirtschaft- und Finanzsystem ist? Dass ganz Wenige unglaublich viel Geld bekommen und suggerieren, dass sie es auch verdienen? Warum - haben diese Menschen einen höheren Wert als andere? Dass Antisemitismus sowie Ressentiments gegen Migranten und Homosexuelle tendenziell wieder gesellschaftsfähig werden? Dass die Politik die Bevölkerung über ihre Lösungsstrategie zur Finanz-, Euro- und Griechenlandkrise unwissend im Regen stehen lässt, zu den Konflikten und Demokratiesierungsprozessen in der arabischen Welt, zu unserer Rolle im Iran und in Afgahnistan sowie zur Problematik der afrikanischen Wirtschaftsflüchtlinge in die EU schweigt? Nun könnte man selbstverständlich auf die sozialen Verhältnisse bspw. in den USA verweisen und sagen dass es uns im Vergleich dazu sehr gut gehe. Könnte man, sollte man aber nicht. Der Vergleich mit einem Staat, in dem dem Turbokapitalismus gehuldigt, soziale Gerechtigkeit als kommunistische Spinnerei und die Thesen Darwins ins Reich der Märchen verbannt werden, ist nicht gerade glücklich. Es bleibt nun einmal die einfache Wahrheit, dass es immer jemanden gibt den es schlechter, aber eben auch den es besser geht. Daher ist es zynisch anstatt sich engagiert den Problemen der Menschen zu widmen, lapidar auf schlechtere Verhältnisse zu verweisen. Lieber Herr Gauck außer von Freiheit habe ich von Ihnen bis jetzt noch nie etwas anderes vernommen. Wenn doch, dann war es eher enttäuschend. Als Bundespräsident sollte man Brücken bauen. Sie werfen bereits jetzt Gräben auf. Als Bundespräsident soll man neutral sein. Sie lassen bereits jetzt erkennen das Ihre Meinung die Richtige ist. Als Bundespräsident soll man verbinden. Sie trennen bereits jetzt.

In einem Gedicht von Robert Gernhardt lauten die ersten Zeilen „Ach was, es geht mir nicht um mich, im Vordergrund steht nicht mein Ich, es geht mir um die Sache.“ So ähnlich umschrieben CDU, SPD, Grüne und FDP ihre gemeinsame Abstimmung für Herrn Gauck als zukünftigen Bundespräsidenten. Wer bitte soll das glauben? Wie kann man guten Gewissens eine Kandidatur annehmen wenn doch offensichtlich ist, dass die Nominierung nicht primär der Geeignetheit der eigenen Person geschuldet war, als vielmehr einem machtpolitischen Schmierentheater von kleingeistigen Selbstdarstellern. Oder geht es Ihnen am Ende vielleicht auch nur um Ihr eigenes Ego, Herr Gauck? Welch Ironie, die Bundeskanzlerin erträgt den Dolchstoß Amok gelaufener Zwerge und die genüssliche Häme der Opposition staatsmännisch mit Demut und scheint das zu machen, für das sie bezahlt und gewählt wurde - sachorientiert arbeiten. Sollte sie, die mit dem Charisma eines mürrischen Nachttopfs gesegnet ist, die Einzige in diesem Zirkus sein, der es tatsächlich nicht um sich selbst sondern um ihre politischen Überzeugungen geht? Die Geschichte wird es zeigen. Wie auch immer. Nach dieser Chose sind sie, unsere geschätzten Volksvertreter, allen Ernstes noch verwundert über die steigende Politikverdrossenheit? Wenn aktuelle Probleme der breiten Masse so ignoriert und zu Gunsten einer medialen Selbstinszenierung geopfert werden, braucht man sich nicht wundern wenn sich die Menschen nur angewidert abwenden. Was sie alle noch nicht bemerkt haben ist, dass es ihnen gemeinsam bereits jetzt gelungen ist das Amt des Bundespräsidenten, von dem alles sagen es würde über den drei Gewalten stehen, zu beschädigen noch bevor Herr Gauck es angetreten hat. Was sie mit dem Vorgänger gemein haben ist die Tatsache, dass ihnen hierfür die Einsicht fehlt. Gratulation Herr Präsident. Dies ist ein Pyrrhussieg – wir habe alle verloren.