Kapitalismus und Ökologie

Die Krise geht weiter. Der Traum einer Gesellschaft ohne Ausbeutung
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In Unterhaltungen mit politisch aktiven Menschen offenbart sich eine Vielzahl von möglichen Motiven. Einige werden aktiv, weil sie die Diskriminierung von Homosexuellen oder anderen Minderheiten nicht länger ansehen wollen. Andere finden den Weg zu einer kritischen Betrachtung unserer Gesellschaft über die täglichen Leiden, die der Kapitalismus so zahlreich verursacht. Oft fällt dabei auch der Begriff der Ausbeutung oder der der Ökologie.

Es ist kein Zufall, dass diese beiden Begriffe so häufig mit Kapitalismuskritik in Verbindung gebracht werden, sie sind nämlich untrennbar miteinander verwandt.

Um diesem Begriffspaar auf die Spur zu kommen, muss erst einmal darauf eingegangen werden, was Ausbeutung genau ist. Ausbeutung beschreibt gesellschaftlich den Prozess der Aneignung fremder Arbeit, welcher in den Industriegesellschaften weit fortgeschritten ist. Dabei soll der Profit der herrschenden Klasse so hoch wie nur möglich sein, die Folgen daraus: Auf einer Seite die Anhäufung großer Reichtümer. Auf der anderen Seite jedoch aufgezehrte Arbeiterinnen, Armut und Elend. Diese Art der gesellschaftlichen Produktion ist nicht nur auf kurze Sicht kritisch zu betrachten, auf lange Sicht ist dieses System zum Scheitern verurteilt. Neben den offensichtlichen Ungerechtigkeiten, die das Lohnsystem mit sich bringt, versteckt sich in dieser Art zu Produzieren eine Kurzsichtigkeit, die letztendlich seine eigene Grundlage vernichtet. Dies trifft auch zu, wenn man sich das Verhältnis des Menschen und der Natur anschaut.

Seit Beginn der Zeit befindet sich der Mensch im Stoffwechsel mit der Natur. Durch die Erfindung neuer Werkzeuge wirkte er auf die Natur ein und veränderte sie zu seinem Nutzen, wobei er sich selbst auch veränderte und erst zu dem wurde, was er heute ist. Der Mensch wirkt also planend auf die Natur ein, erkennt ihre Gesetze und vergrößert dadurch sogar den Nutzen, den er aus ihr zieht, während die Tiere die Natur nur benutzen, um unmittelbar ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne auch einen Gedanken an die Zukunft zu verschwenden.

Friedrich Engels dazu: „Das Tier benutzt die äußere Natur bloß und bringt Änderungen in ihr einfach durch seine Anwesenheit zustande; der Mensch macht sie durch seine Änderungen seinen Zwecken dienstbar, beherrscht sie“¹.

Mit der fortschreitenden Entwicklung unserer Werkzeuge -von Faustkeil, über Sichel, bis zur Dampfmaschine usw.- wuchs auch unser Einfluss auf die Natur. Diese neuen Werkzeuge bergen ein gewaltiges Potential, in Kombination mit der vorherrschenden kurzsichtigen Profitorientierung tun sich jedoch einige Gefahren auf. Was Marx „einen unheilbaren Riß“² im Stoffwechsel mit der Natur nannte, äußert sich im Kapitalismus als Abkehr von einer nachhaltigen Produktionsweise. Verschwendung ist der Normalfall, die Natur wird bis auf den letzten Tropfen ausgequetscht und hat keine Möglichkeit sich zu erholen. So werden ganze Wälder gerodet, Monokulturen gepflanzt und zurück bleibt unfruchtbarer Boden.

Für diese Ausbeutung rächt die Natur sich an uns durch Folgen unseres Handels, die wir zu Beginn nicht vorhergesehen hatten: „Die Leute, die in Mesopotamien, Griechenland, Kleinasien und anderswo die Wälder ausrotteten, um urbares Land zu gewinnen, träumten nicht, daß sie damit den Grund zur jetzigen Verödung jener Länder legten“³. Da wir aber auf die Natur angewiesen sind, zieht diese Ausbeutung der Natur auch mittelbar die Ausbeutung und das Leiden von Menschen nach sich. Der Klimawandel macht riesige Gebiete unseres Planeten unbewohnbar und entzieht millionen Menschen die Grundlage ihrer Existenz. Die Hauptleidtragenden sind zu allem Übermaß auch genau die, die jetzt schon größtenteils in Armut leben.

Die Vision einer ausbeutungsfreien Gesellschaft kann also nur die Vision einer Gesellschaft sein, die nachhaltig und gemeinschaftlich produziert und nicht nur den kurzfristigen Profit sieht. Eine Vision, welche die jetzige herrschende Klasse nicht erfüllen kann.

¹ Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen S.452

² MEW25, S.821

³ Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen S.452f.

13:16 15.04.2017
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Geschrieben von

Pet

Soziologe aus der Gosse, auf der Straße ein Genosse.
Pet

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