Das Menetekel der Menschheit

Jahrestag Hiroshima Am 6.08.2105 gedenken weltweit Menschen der Opfer von Hiroshima und Nagasaki. Noch 70 Jahre nach “Little Boy” und “Fat-Man” leidet die Umwelt unter ...
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community



https://ironimusonline.files.wordpress.com/2015/07/atomare-explosion-fema-news-photo-public-domain.jpg?w=80Am 6.08.2105 gedenken weltweit Menschen der Opfer von Hiroshima und Nagasaki. Noch 70 Jahre nach “Little Boy” und “Fat-Man” leidet die Umwelt unter den Auswirkungen der radioaktiven Verstrahlung. Es war anzunehmen, dass Menschen aus diesem vernichtenden Desaster lernen. Das Gegenteil ist der Fall und einleitend Albert Einstein zu zitieren:

„Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle bauen.“

„Um uns zu besiegen, muss man uns alle töten. Aber man kann nicht 100 Millionen Menschen totschlagen, deshalb sind wir unbesiegbar!“ So tönte es von der japanischen Generalität in der Kriegspropaganda. Wie verwundbar tatsächlich Japan war, zeichnete sich jedoch bereits im April 1942 ab. 13 B-25 Bomber „Mitchell“ vom Flugzeugträger Hornet bombardierten Tokio. Das Fehlen jeglicher Luftabwehrmaßnahmen, Flugabwehrkanonen, schwache Luftsuchscheinwerfer und eine äußerst schwache Radartechnologie machten eine solide Abwehr unmöglich. Solche Tiraden mit dem Tenor der Unbesiegbarkeit stärkten die Amerikaner in der Annahme, dass ein blutiger Endkampf auf den japanischen Inseln zu erwarten war. John Mc. Cloy[1], damals Staatssekretär im US -Verteidigungsministerium hielt das ganze Gerede über eine Invasion Japans für schlicht phantastisch. In einer Kabinettssitzung am 1. Juli 1945 wandte er sich Präsident Truman zu: „Warum nehmen Sie nicht einfach eine Atombombe?“. Mit dem Ziel, den Widerstandswillen der japanischen Führung und ihrer Streitkräfte zu brechen, befahl der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Präsident Truman den Einsatz von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Am 13. Juli 1945 wandte sich die Regierung Japans an die Sowjetunion, um Friedensverhandlungen einzuleiten. Der japanische Botschafter in der Schweiz Shunichi Kase und der Militärattaché General Okamoto baten im Namen des Kaiserlichen Generalstabs Allan Welsh Dulles[2] einen Waffenstillstand an. Die einzige Bedingung Japans war, dass die Person des Tennõ (Kaiser) nicht angetastet wird. Eine Serie von Niederlagen der japanischen Streitkräfte zu Wasser und zu Land war zu vermerken. Luftangriffe auf das japanische Kernland zerstörten Industriezentren und die japanische Kriegsflotte war nahezu vernichtet. In den ersten Augusttagen 1945 war die Lage Japans hoffnungslos.

Anfang des Jahres 1945 war die Fertigstellung der später genannten „Trinity- Bombe“ fast beendet und es wurde an zwei weiteren Bomben gearbeitet. Zwei Milliarden Dollar hatte man für die Entwicklung der Atombombe ausgegeben. Das entspricht einer heutigen Kaufkraft von ca. 25,8 Milliarden USD. Nun galt es dem Kongress ein Resultat vorzulegen. Nach dem Tode Präsident Roosevelt am 12. April 1945 übernahm Harry S. Truman am 16. April das Amt des Präsidenten. Erst am 25. April wurde er vom Kriegsminister Henry L. Stimson[3], Außenminister James F. Byrnes[4] und dem Leiter General Leslie R. Groves[5] vom Bau der Atombombe unterrichtet. Auf Anweisung Trumans bildete sich ein Interim-Komitee. Politiker, Militärs und Wissenschaftler, darunter Oppenheimer und Fermi, komplettierten diese Sachverständigenkommission. Atombombe „Little Boy“ war nach der Entdeckung der Kernspaltung von Otto Hahn für Deutschland vorgesehen, denn man vermutete durch dieses Erkenntnis das Deutsche Reich baue an einer solchen, aber Deutschland kapitulierte am 8. Mai 1945 und so empfahl das Komitee dem Präsidenten Truman die Atombombe gegen Japan einzusetzen und das ohne Vorwarnung. Ein wissenschaftlicher Protest des Ingenieurs Oswald C. Brewster landete im Oval Office unter anderem mit den Zeilen: „Dieses Ding darf auf Erden nicht zugelassen werden. Wir dürfen nicht das meistgehasste und meistgefürchtete Land der Erde werden, wie gut unsere Absichten auch sein mögen.“ Andere Beteiligte des Manhattan Projects waren auch gegen den Überraschungsangriff auf Japan. Der Franck-Report[6] forderte den amerikanischen Kriegsminister Stimson am 11. Juni auf, die Waffe öffentlich zu demonstrieren und erst danach Japan ein Ultimatum zu stellen. Er beharrte jedoch darauf die Waffe sofort militärisch einzusetzen.

Noch nie zuvor wurden Atombombenversuche gestartet. Am 16. Juli 1945 um 5.30 Uhr Ortszeit zuckte in der Nähe der Stadt Alamogordo (New Mexico, USA) auf dem White Sands Missile Range Gelände unter dem Namen Trinity-Test der erste Atomblitz in den Himmel. Die schrecklichste aller Massenvernichtungswaffen war erprobt. Die Bombe war mit Plutonium bestückt und besaß eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT. Bis zu 10 Millionen Grad Celsius im Feuerball, eine mögliche Druckwelle von 1000 km/h und radioaktive Strahlung verseuchten das Gelände mit dem Namen „Jornada del Muerto“ (Wegstrecke des Toten) bis heute. Die Büchse der Pandora war geöffnet, das Atomzeitalter begann und die USA war entschlossen die neue Waffe zu benutzen, um ihre Macht zu demonstrieren.

Am 6. August 1945 geschah das Unfassbare. Colonel Paul Tibbets[7] startete um 2:45 Uhr von einer der größten Militärflugbasen des zweiten Weltkrieges im Pazifik: Tinian. Mit einer Besatzung von 12 Mann mit dem nach seiner Mutter benannten B-29 Bomber „Enola Gay“. An Bord befand sich „Little Boy“, entwickelt ab 1942 im Manhattan Project. Mit Uran bestückt besaß die Bombe eine Sprengkraft von ca. 13 Kilotonnen TNT. Erst an Bord setzte Tibbets seine Mannschaft über den Befehl in Kenntnis. Von Radioaktivität erfuhren die Männer nichts. Hiroshima war das Primärziel, strategisch unwichtig mit ca. 255.000 Zivilisten, davon 10% koreanische und chinesische Zwangsarbeiter, rechnete niemand mit einem Angriff. Tibbets flog ein Tarnmanöver, er umkreiste Hiroshima einige Male, flog dann weiter nach Osten, kreiste über Harimanada. Dann erfolgte der Zielanflug über das japanische Binnenmehr zurück nach Hiroshima. Kurz vor der Küste musste der Waffenoffizier Captain William „Deak“ Parsons in 10.000 Metern Höhe bei minus 50° C die Bombe scharfmachen. Der Zielanflug auf die große Brücke über dem Fluss Ota gelang. Um 8:45 Uhr wurde der Bombenschacht geöffnet. An drei Fallschirmen schwebte die drei Meter lange Bombe 45 Sek. lang auf Hiroshima zu und detonierte im grellsten Licht 570 Meter über dem Shima-Krankenhaus mit einer Hitzeentwicklung von 55 Millionen Grad. Nach der unbeschreiblichen Feuersbrunst raste eine Druckwelle im gigantischen Ausmaß über die Stadt, um als ebenso starke Sogwelle wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückzukehren. Danach regneten die radioaktiven Partikel über einen längeren Zeitraum auf Menschen, Tiere und auf die Umgebung nieder. „Little Boy“ tötete 80.000 Menschen sofort, weitere 50.000 in Minuten, Stunden oder auch Tage später. Die ersten fielen dem Feuerzyklon zum Opfer, die Letzten als Opfer der Strahlung. Die Bombe mordete 90% der Menschen in einem Radius von 0,5 km und noch 59% im weiteren Umkreis bis zu einem Kilometer. Alle Verbindungen nach Tokio waren gekappt. Niemand konnte Tokio diesen Vorfall melden. Stunden später meldeten Militärstützpunkte aus der Umgebung eine gewaltige Explosion mit unbekannter Ursache. Sogenannte Frühtodesfälle zählten bis 1946 insgesamt bis zu 166.000 Tote. Bis heute sterben Menschen in Folge der atomaren Verstrahlung an Krebs.

Dienstag, der 7. August 1945! Der amerikanische Präsident Truman berichtete vom Kreuzer USS Augusta der Welt von Hiroshima. Er ließ in seiner Ansprache keine Zweifel, dass die USA mehr von diesen Waffen besitzt und weitere erforscht werden. Er bemerkte weiter: „ Die Kraft, die aus der Sonne Macht bezieht, ist auf diejenigen losgelassen worden, die dem Fernen Osten Krieg brachten.“ Er forderte die totale Kapitulation und mahnte: „Wenn sie unsere Bedingungen nicht akzeptieren, dann mögen sie einen Regen der Zerstörung aus der Luft erwarten, wie er noch nie auf der Erde gesehen worden ist.“ Truman informierte in keinster Weise bis wann die weitere nukleare Apokalypse vollzogen werden sollte.

Die Japaner brauchten Tage, um sich das Ausmaß in Hiroshima zu erfassen. Außerdem hofften sie immer noch auf die Unterstützung Stalins für die Friedensverhandlungen. Jedoch Stalin erklärte am 8. August Japan den Krieg und griff mit der Operation Auguststurm die Mandschurei an. Er hatte Interesse sich einen Teil der Beute zu sichern. Damit erfüllte er den geheimen Pakt, den er noch mit Roosevelt geschlossen hatte, auf den Tag genau. Nämlich 90 Tage nach Kriegsende in Europa in Fernost den Krieg zu beginnen und Japan und seine Verbündeten anzugreifen. Das sowjetische Atomwaffenprogramm wurde bis zu diesem Zeitpunkt nicht beachtet. Nach Hiroshima und Nagasaki erhielt der Physiker Igor Kurtschatow von Stalin den Auftrag bis 1948 eine Atombombe zu bauen. Der Geheimdienstchef Lawrenti Berija wurde zum Leiter des russischen Atomwaffenprogramms.

Außenminister Shigenori Togo drängte auf den Friedensschluss. Am 9. August 1945 um 11:00 Uhr, zwei Minuten vor der Zündung der mit Plutonium bestückten Fat-Man-Bombe über Nagasaki, die mit einer wesentlich höheren Sprengkraft von 21 Kilotonnen bis 1949 geschätzte 150.000 Tote forderte, legten die Japaner ihr Friedensangebot der USA vor. Bis 1950 war die Zahl der Opfer von Hiroshima und Nagasaki auf 230.000 gestiegen. Hauptsächlich war die Primärverstrahlung die Ursache. Es waren bisher die einzigen Atombomben die in bestialischer Weise Menschen und das Land mit dem nuklearen Fall Out über Generationen kontaminierten.

Die Forschung war gigantisch. Die Bomben wurden kleiner und effizienter und führten zur Entwicklung der Wasserstoffbombe. Der erste Test der Wasserstoffbombe mit dem Codenamen „Ivy Mike“ erfolgte in der Nacht 31.10. 1952 auf den 1.11.1952 mit einer satanischen Sprengkraft von 10,4 Megatonnen. Das entsprach dem 800-fachen von „Little Boy“, der Hiroshimabombe .Viele Milliarden wurden bis heute in diese Forschung investiert. Inzwischen gibt es neun Atommächte. Allen voran seit 1945 die USA, ab 1949 Russland und es folgten England, Frankreich, China, Israel, Indien Pakistan und 2006 Nordkorea. Zahlreiche Atomwaffentests sind die Folge.

LandErster AtomtestAnzahl der SprengsätzeUSA19457260Russland19497500England1952215Frankreich1960300China1964260Israel196780Indien1974110Pakistan1998120Nordkorea20068

Die NATO-Luftwaffenstützpunkte mit Kernwaffen sind:

Großbritannien, Niederlande, Belgien, Deutschland, Italien, Griechenland und die Türkei.

Zwischen den Jahren 1950 und 1980 wurden 32 Unfälle der USA mit Kernwaffen bekannt. Bei Notlandungen mussten die Kernwaffen von Bord geworfen werden. Im Ozean hat man diese nuklearen Bomben nie wieder gefunden. Offiziell vermissen die USA elf Bomben, radioaktive Strahlung hat man in vielen Fällen festgestellt. Ob Russland oder andere Atommächte Verluste zu verzeichnen haben ist nicht bekannt, aber mehr als wahrscheinlich.

Einstein schrieb in Bezug auf Massenvernichtungswaffen: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Die Büchse der Pandora wurde durch die USA geöffnet und durch andere Länder mit der dümmlichsten Arroganz des Wettrüstens weiter aufgebrochen. In der Sage öffnete Pandora die Büchse nochmal und es entwich die Hoffnung, doch diese stirbt bekanntlich zuletzt!

Petra Becker

08:03 01.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare 12

Avatar
petra-becker- | Community
Avatar
petra-becker- | Community
Avatar
petra-becker- | Community
Der Kommentar wurde versteckt
Der Kommentar wurde versteckt
Der Kommentar wurde versteckt
Der Kommentar wurde versteckt
Der Kommentar wurde versteckt