NFTs - Was steckt hinter dem neuen Hype?

Bitcoin & Co. Eines vorweg, ich hatte bis vor letzter Woche keinen Schimmer was NFTs sind. Weil der Begriff nun aber in aller Munde ist, habe ich am Wochenende "Research" betrieben.
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Was sagt man dazu, für eine Bildcollage 60 Millionen Euro, für einen Tweet 2,5 Millionen Euro und für eine hässliche Katze 900.000 Euro. Für sogenannte Non-Fungible Token (NFT) werden derzeit unvorstellbare Summen gezahlt. Was wird da jedoch eigentlich verkauft?

Hype, Kunst und Hysterie – was sind aber NFTs eigentlich? Für viele kam das Phänomen wie aus dem Nichts. NFTs scheinen seit dem Ende des Jahres 2020 den Kunst-, Sammler- und Kulturmarkt umzukrempeln. Plötzlich versteigerten Musiker wie 3lau, Deadmau5 oder die Sängerin Grimes sogenannte Non-Fungible Token und damit wurden riesige Summen umgesetzt. Diese NFTs waren in Form von einer Animation, als klassisches Musikalbum oder als kurzes Video. Außerdem verkaufte die Basketballvereinigung NBA digitale Sammelkarten und ein virtueller Sportwagen wurde von der Formel 1 verkauft. Mike ´Beeple´ Winkelmann, ein Animator und Grafikdesigner, wurde sogar einer der reichsten lebenden Digitalkünstler, als bei einer Auktion ein NFT einer Bildcollage versteigert wurde. Das Werk ´Everydays: The First 5000 Days´ von Beeple wechselte für umgerechnet etwa 58,86 Millionen Euro den Besitzer.

Was wird mit NFTs jedoch wirklich verkauft? Non-Fungible Token sind eine Technologie, welche eine moderne Variante von der Blockchain darstellt. Bei Bitcoin werden auf der Blockchain lediglich einfache Währungstransaktionen gespeichert, doch in die Blockchain von NEO, Etherum, TRON, Tezos, WAX und weiteren können auch Programme, sogenannte „Smart Contracts“ ,hineingeschrieben werden. Diese smarten Verträge machen es möglich, auf der Blockchain Einträge durchzuführen, die einmalig sind und nicht wie die Kryptowährungs-Einheiten getauscht oder zerteilt werden können. Solche Einträge sind NFTs.

Ein Künstler kann seine Werke auf einer Plattform wie OpenSea, Foundation, Super Rare oder Rarible hochladen und hierzu gegen eine Gebühr ein NFT generieren. Zu dem Kunstwerk wird dabei eine einzigartige Signatur beigefügt. Diese Signatur wird in der Blockchain gespeichert, das Kunstwerk hingegen nicht. Nur bei einer einzigen Person kann die Signatur in Besitz sein, wobei sich die Signatur im Kryptogeld-Wallet befindet. Auch kann die Signatur lediglich von dem Besitzer weitergereicht werden. Wenn ein Künstler also ein NFT verkauft, dann wird nicht das Kunstwerk oder werden nicht die Urheber- und Verwertungsrechte verkauft, sondern vielmehr das digitale Echtheitszertifkat, welches das Kunstwerk repräsentiert.

Besonders beliebt ist im Bereich der NFTs die Plattform Prüf, die die Herkunft von Vermögenswerten (Virtuelle Güter und physische Güter) überwacht. Das Eigentum des Besitzers wird als Original bestätigt, sodass seine Besitztümer in der Blockchain authentifiziert und digital zertifiziert werden können. Auf der Plattform Prüf lassen sich Vermögenswerte leicht verwalten. Wenn jemand online ein virtuelles Produkt oder im Geschäft eine physische Ware kauft, kann er mit Prüf herausfinden, ob es ein Original und keine Kopie oder Fälschung ist. Jeder Gegenstand, der mit Prüf markiert wird, gehört nachweislich dem Besitzer, wodurch ein Schutz gegen Diebstahl oder Verlust vorliegt.

Ein NFT ist laut Digitalkünstlern wie zum Beispiel Beeple zu verstehen als „eine Handschlagvereinbarung“. Mit einem NFT versichert ein Künstler dem Käufer, dass dieser derjenige ist, dem das spezielle Kunstwerk gehört. Das ist auch dann der Fall, wenn das Bilder, Musikstücke, Animationen oder Videos sind, die schon auf YouTube, Instagram, Spotify oder anderen Plattformen zu finden sind und möglicherweise Hundert oder Millionen Mal kopiert wurden. Hier sind Internet-Memes wie beispielsweise die Regenkatze Nyan Cat das beste Beispiel. Diese wurde versteigert für 522.000 Euro, kann jedoch auf unzähligen Websites gefunden werden.

NFTs sind für Künstler interessant, da sie dadurch die Möglichkeit haben, weltweit ihre Kunstwerke direkt anzubieten. Auf Galeristen können sie dabei verzichten. Zahlreichen Künstlern verhilft das derzeit zu unverhoffter Aufmerksamkeit. In ein NFT lassen sich dazu automatische Tantiemen einprogrammieren. Wenn ein NFT also weiterverkauft wird, erhält der Künstler von dem Weiterverkaufspreis einen Prozentsatz. Dadurch kann er auf Dauer von dem Kunstwerk profitieren. NFTs können außerdem als ein „Treueprogramm“ dienen. Schließlich kann auf der Blockchain nachvollzogen werden, in welcher digitalen Brieftasche sich der NFT befindet. Dadurch können Musiker die NFT-Besitzer zu exklusiven Gigs einladen oder diesen limitierte Sammlerstücke anbieten.

Allerdings können nicht nur Kunstwerke verkauft werden. Denn der Gründer von Twitter, Jack Dorsey, hat zu seinem ersten Tweet ein NFT erstellt. Dieser wurde versteigert für über 2 Millionen Euro. Das Spiel Cryptokitties ist ein besonderer NFT-Pionier. Seit 2017 sammeln hier Spieler digitale Comic-Katzen. Von diesen ist jede einzigartig. Wenn zwei Katzen zusammengebracht werden, können hierbei neue, einzigartige, von einem Algorithmus erstellte Kätzchen entstehen. Für 600 Einheiten von der Kryptowährung Ether wurde eines davon gehandelt, demnach also mehr als 900.000 Euro.

Es gibt jedoch sicherlich auch Kritik: Wegen den digitalen Echtheitszertifikaten zähle lediglich das Potential der Wertanlage, das Werk dahinter aber nicht, sagen Kunsthistoriker. Den Hype verglich der Philosoph Max Haarich mit der Tulpenmanie aus dem 17. Jahrhundert, wo Tulpenzwiebeln auf einmal zum Preis von Häusern gehandelt sowie als Statussymbole von Fürsten angehäuft wurden. Im März machte sich darüber ebenfalls Elon Musk, der Gründer von Tesla, lustig. Dazu kündigte er an, als NFT einen Song über NFTs zu verkaufen. Potentiellen Käufern wird in dem Song Eitelkeit vorgeworfen. Musk wurden trotzdem mehr als zwei Millionen Euro angeboten. Allerdings machte der Milliardär eine Kehrtwende. Er schrieb, dass es sich ehrlich gesagt nicht richtig anfühle, das zu verkaufen. Er lasse es sein.

Kritisiert wird auch, dass NFTs sehr viel Energie verbrauchen. Um die NFT-Erstellung sowie die Verkäufe in der Blockchain verifizieren zu können, führen tausende Computer zugleich komplizierte Berechnungen durch. Allerdings gilt das nicht ausschließlich für NFTs, sondern für alle Transaktionen, welche in den digitalen Kassenbüchern nach und nach verzeichnet werden. Folgendes Beispiel dient als Vergleich: Der Etherum-Blockchain braucht zum Betrieb ungefähr so viel Strom wie etwa das Land Panama. Deshalb haben einige Künstler den NFTs schon den Rücken gekehrt. Doch die Entwickler von der Etherum-Blockchain arbeiten schon an einer Lösung, welche um 99 Prozent den Stromverbrauch senken soll. Dann könnten andere nachziehen. Für viele Künstler würden dadurch NFTs neben einer finanziellen auch zu einer ökologischen Zukunft werden.

00:32 26.04.2021
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Geschrieben von

Petra Schöffler

Gesellschaft & Politik sind meine Themen, freue mich auf lebhafte Diskussionen hier. Grüße aus dem schönen Norden (Kiel).
Petra Schöffler

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