IQWiG: Pfizer hält Studien unter Verschluss

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Wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bereits am 10.6.09 vermeldet hat, hält der Pharmahersteller Pfizer offenbar Daten über das Antidepressivum Reboxetin (Edronax®) zurück. Der Bitte des Instituts, eine Liste aller veröffentlichten und unveröffentlichten Studien über das Medikament zur Verfügung zu stellen, wurde nicht entsprochen. Eine verlässliche Bewertung des Mittels sei so nicht möglich.

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses ist das IQWiG momentan damit beschäftigt, die Wirksamkeit und Sicherheit mehrere Antidepressiva anhand der vorhandenen Daten zu beurteilen. Nach eigenen Angaben lagen dem Kölner Institut Hinweise über insgesamt 16 Studien zu Reboxetin vor. Bei 9 dieser Untersuchungen fehlten jedoch für die Bewertung essentiell wichtige Informationen.

Bereits seit einiger Zeit wird in der medizinischen Fachwelt der so genannte "report bias" zunehmend kritisch diskutiert. Der Trend, vornehmlich Studien mit positiven Ergebnissen zu publizieren und negative Resultate in der Schublade verschwinden zu lassen, kann zu einem verzerrten Bild der Wirkung sowie der Neben- und Wechselwirkungen von medizinischen Behandlungen führen.

Völlig schuldlos an den Pranger gestellt sieht sich hingegen Pfizer. In einer Pressemeldung vom gleichen Tag vermeldet das Unternehmen:

"Wir haben dem IQWiG ausreichend Daten zur Verfügung gestellt, diejenigen Daten, die sich aus unserer Sicht für eine Nutzenbewertung von Edronax® (Wirkstoff Reboxetin) auch im Vergleich zu anderen Arzneimitteln eignen. Eine Verpflichtung, für das Institut alle verfügbaren Daten zusammenzutragen, besteht nicht und ergibt sich auch nicht aus der mit dem IQWiG abgeschlossenen Vereinbarung, die nicht das 'ob', sondern das 'wie' der Zurverfügungstellung vertraulicher Daten betrifft."

08:17 20.06.2009
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Pharma-Marketing-Beobachter

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