Mit Chinin gegen Wadenkrämpfe?

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Muskel- und Wadenkrämpfe? Offenbar kein Problem, wenn man den Angaben der Klosterfrau Healthcare Group folgt. Limptar N bietet laut Firmenangaben nicht nur "schnelle und zuverlässige Hilfe bei Muskelkrämpfen und Muskelschmerzen vielfältiger Art", es enthält sogar einen äußerst harmlos klingenden Wirkstoff, die "Natursubstanz Chinin".

Das kann doch nicht schlecht sein, sollte man denken. Völlig anders sieht man das allerdings in den USA. Die dortige Food & Drug Administration warnt schon seit Jahren vor der Einnahme von Chinin gegen Muskelschmerzen. Die potenziellen Nebenwirkungen seien zwar bei der Behandlung einer lebensbedrohlichen Malaria zu rechtfertigen, keineswegs aber beim Einsatz gegen Wadenkrämpfen. Insgesamt 665 Fälle schwerer Nebenwirkungen durch Chinin seien den Behörden seit 1969 gemeldet worden, von denen 93 tödlich verlaufen seien. Das Mittel könne zu Arrythmien des Herzens, Thrombozytopenie und schweren Überempfindlichkeitsreaktionen führen. Hinzu kämen potenzielle Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Tatsächlich gibt es für die Chininvergiftung in der Medizin sogar einen eigenen Fachbegriff, den Cinchonismus. Typische Symptome sind beispielsweise Schwerhörigkeit, Ohrensausen, Schwindel, Verwirrtheit oder Sehstörungen.

In Deutschland und anderswo wird Chinin bekanntlich auch Erfrischungsgetränken wie Tonic Water beigemengt. Dass selbst dies nicht ohne Risiken ist, betonte das heimische Bundesinstitut für Risikobewertung schon im Jahr 2005.

08:04 21.06.2009
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Geschrieben von

Pharma-Marketing-Beobachter

Mein Blog beobachtet das Gesundheitswesen. Es sieht sich der evidenzbasierten Medizin verpflichtet.
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