Betrug im Deutschkurs – Özil und Patriotismus

Integration Nach einem Integrationskurs sollen einem als Migrant alle deutschen Türen offen stehen. Kann dieses Versprechen der Realität standhalten? Eine Sammlung von Erfahrungen.
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Eingebetteter MedieninhaltHeute ging wieder ein Integrationskurs zu Ende. Blumen für den Lehrer, Hoffnungen, Träume und gute Wünsche für die Schüler. Nach so einem Kurs sollen einem als Migrant da draußen alle deutschen Türen offen stehen. Kann dieses Versprechen der Realität standhalten?
Eine Sammlung subjektiver Erfahrungen.

Fatima ist 25, kommt aus Syrien, ist ausgebildete Krankenschwester und eine der Besten in meinem Kurs. Sie spricht mittlerweile gut Deutsch, fast fließend, aber nicht fehlerfrei. Deutsche Sprache, schwere Sprache, eh klar, und wenn ich mich auf Spanisch versuche, kommen auch nicht nur gerade Sätze heraus.

Trotzdem, ich würde mir zutrauen, mit meinen Sprachkenntnissen auf Spanisch einen Job zu finden, aber traue ich das auch Fatima mit ihren Deutschkenntnissen zu? Schon.
Aber was ist mit Jasina, der Apothekerin? Oder mit Jalal, dem Ingenieur? Die Leute im Kurs sind durchaus qualifiziert, das ist es nicht. An der Sprache liegt es auch nicht, das Problem liegt in mangelnder Integration. Sie werden es schwer haben, einen Job zu finden, einfach weil sie anders sind, Kopftücher und Bärte tragen und kein Schweinefleisch essen.
Was also tun? Ich bin ihr Lehrer, soll integrieren helfen.
Deutschlands Angebot lautet: Mach einen Integrationskurs, lern Deutsch, akzeptiere unsere Werte und dann stehen dir alle Türen offen.
Dieses Versprechen ist eine Lüge.

Ohne Konformität hast du als Migrant oder Migrantenkind ein Problem in diesem Land. Dafür könnte es kein besseres Beispiel geben als Mesut Özil.
Integriert bis zum Gehtnichtmehr, Träger des Nationaltrikots, deutscher Weltmeister, Merkel-Handschüttler, Integrationspreisgewinner.
Und trotzdem wurde er zum Sündenbock für Probleme, die er nicht verursacht hat. Ganz sicher nicht allein.
Özils einziger Fehler war, sich mit dem falschen Präsidenten getroffen zu haben. Wahrscheinlich tat er das, ohne über die politischen Dimensionen nachzudenken. Erdogan war ein Fan für Özil, kein angehende Diktator. Das entspricht seinem Weltbild, denn Özil ist Fußballer, kein Politiker.
Ein begnadeter Fußballer, unbestreitbar. Aber auch einer, der aus seinem Talent oft zu wenig macht, das Spiel verschleppen kann, eine schlechte Körpersprache zeigt, und so weiter. Kennen wir alles, aber Deutschland hat sicher nicht wegen Özil 2:0 gegen Südkorea verloren, so viel ist ja wohl auch klar.

Trotzdem, linksversifft und der Lügenpresse ergeben wie ich bin, sehe ich wahrscheinlich einfach die Probleme nicht.
Dabei bin ich von außen betrachtet ein guter Deutscher. Pünktlich, ordentlich, seine Steuern bezahlend. Freiheitsliebend, demokratisch gesinnt, die Geschichte achtend. Wäre ich nun noch ein guter Fußballer, also so richtig weltklassemäßig, würde ich vielleicht für die Nationalmannschaft spielen.
Müsste ich dann die Nationalhymne singen?
Anscheinend schon, denn wer es nicht tut, wird öffentlich dafür kritisiert. Siehe Mesut Özil.
Aber ich will das nicht, ich kann das nicht.
Man zeige mir einen Menschen, dessen geistigen Fähigkeiten nicht unterdurchschnittlich sind, der eine Nationalhymne singen kann, ohne rot zu werden oder in Lachen zu verfallen. Ohne ironische Brechung ertrage ich so viel Nationalstolz nicht. Besonders nicht in so etwas banal-archaischem wie einem Fußballstadion.
"Du bist wohl kein Patriot", höre ich sie tadeln. Stimmt, und ich wollte auch nie einer sein. Patriotismus und Nationalstolz erschließen sich mir nicht.

Wieso sollte ich stolz auf meine deutsche Herkunft sein? War das nicht einfach nur Zufall, dass ich auf diesem Flecken Erde geboren wurde? Oder was genau habe ich dafür geleistet? Leistung geht Stolz voraus, sonst ist es schlicht und einfach Arroganz.
Warum sollte Özil also die Hymne singen? Eventuell spielt der Mann gar nicht für Deutschland Fußball, sondern für Geld? Ist das verwerflich? Aus welchem Grund gehst du denn arbeiten? Um dein eigenes Konto zu füllen, oder um Deutschland erfolgreicher zu machen?

Und wo ich schon bei den kritischen Fragen bin: Was wäre, wenn Özil nicht Türke und Moslem wäre, sondern aus Europa und Christ? Setzen wir da andere Maßstäbe an, wegen Abstammung und/oder Religion? Das wäre der beste Weg zum Rassismus.
Würde Özil auf dieselbe Weise kritisiert, wenn er sich nicht mit Erdogan, sondern mit Andrezej Duda, dem polnischen Präsidenten, getroffen hätte?
Oder mit Donald Trump?
Überhaupt müsste mir mal jemand erklären, was ich mit welchem Diktator nun austauschen darf. Handschläge mit dem türkischen Despoten sind verboten, Geld darf aber gegen Flüchtlinge getauscht werden? Darf ich nun davon ausgehen, dass ich mit Salman ibn Abd al-Aziz, dem König von Saudi-Arabien, zwar Waffengeschäfte machen darf, der Austausch von Fußballtrikots aber verboten ist?

Und schließlich die vielleicht interessanteste Frage:
Woher nimmt Mario Basler eigentlich seine Arroganz?
Vom Heimat-Horst will ich gar nicht erst anfangen ...

14:07 12.07.2018
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