RE: Stahlrohrmythos | 01.02.2019 | 16:50

Ich finde es einen ziemlichen Knaller, dass Philipp Oswald sich über ein fehlendes historisches Bewusstsein für die soziale Dimension des Bauhauses erregt und dann noch der SPD eine rein würgt. Ein wirklich wahrer bürgerlicher Revolutionär mit einem Sinn fürs Konservieren. Denkmaschutzbehörde für revolutionäres Gedankengut. Fixiert im Archiv. Heute konservativ, gestern revolutionär. Plusquamperfekter Revolutionär. Passt doch eigentlich ganz gut in die Tendenz zur Musealisierung linker Ideen. Tempolimit auf deutschen Autobahnen, Dieselverbot am Neckartor statt sozialer Gerechtigkeit und sozialem Wohnungsbau. In den wilden neo-liberalen 90er Jahren war Philipp Oswalds wesentliches Argument gegen das städtebauliche Berliner Paradigma, das Formlose, (da wurde viel gebaut - by the way) danach kam das Schrumpfende auf den intellektuellen Seziertisch (übrigens perfekter Forschungsgegenstand, weil er sich nicht mehr bewegt) . Und nun? Nun das Sozialmuseale. Die Architekten haben tatsächlich das Soziale verlernt und das Schnelle. Schnell-revolutionär Sozial. Machen, Bauen statt verbieten oder archivieren oder schreiben, wär mal schön. Aber dann kommt immer vom Professor, Lehrer und Gelehrtem: Ach, das hatten wir doch alles schon ...

RE: Mehr Faschismus wagen? | 29.12.2018 | 12:27

So einen Quatsch habe ich lange nicht mehr gelesen.

RE: Les Misérables | 17.12.2018 | 19:10

danke für den respektvollen bericht. ist „ en marche“ schon geschichte? zählt das gar nicht mehr und ist macron wirklich der kalte neoliberale? auf jeden fall wird er von seiner bewegung getrennt oder lässt es zumindest zu, dass er und nicht die bewegung spricht. gibt es da keine strukturen mehr? warum können diese bewegungen nicht zusammengehen? oder sind die gelbe opposition, die konkurrenzbewegung? bisher aber erscheinen die positionen noch irgendwie bekannt, tendenz diffus, visionär wär es, wenn zu einem kontakt kommen würde ...

RE: Les Misérables | 17.12.2018 | 19:09

danke für den respektvollen bericht. ist „ en marche“ schon geschichte? zählt das gar nicht mehr und ist macron wirklich der kalte neoliberale? auf jeden fall wird er von seiner bewegung getrennt oder lässt es zumindest zu, dass er und nicht die bewegung spricht. gibt es da keine strukturen mehr? warum können diese bewegungen nicht zusammengehen? oder sind die gelbe opposition, die konkurrenzbewegung? bisher aber erscheinen die positionen noch irgendwie bekannt, tendenz diffus, visionär wär es, wenn zu einem kontakt kommen würde ...

RE: Weniger Schröder wagen | 15.12.2018 | 11:42

Wir sind doch keine Lämmer in Deutschland! Bei uns sieht die Lage deutlich anders aus. Bitte nicht immer alles realtivieren. Was mir auf den Keks geht ist, dass so aus der Ferne dieser Aufstand in alte Erklärungsmuster eingewickelt, verständlich verdaubar und politisch integrierbar gemacht wird. Nach ein paar Wochen ist also allen klar, um was geht. Der Schuldige ist auch gefunden. Ende. Abgeheftet. Mir wird zu wenig zugehört, zu schnell das einstudierte abgespult und die Erkenntniskanäle zu wenig offen gehalten ...

RE: Ende des Monats: Ende der Welt! | 15.12.2018 | 11:34

Ok. Ich oute mich hier mal. ich weiß nicht konkret was neo-liberal genau bedeutet, insbesondere im räumlichen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Taucht nun ständig als Erklärung für alles schlechtes dieser Welt aus. Billige Flugreisen, Massenmobilität. Große und warme Wohnungen, gute medizinische Versorgung, gutes Essen, gute Arbeit, ist das Teil des neoliberalen Modells? Die neo-Freiheit der Massen? Da müssen wir schon sehr weit zurückgehen, um an den Punkt vor der industriellen Revolution zu kommen. Hätten wir das Wissen zum Klimawandel ohne die Innovationsschübe in der Computertechnologie überhaupt ereicht? Das ist mir alles zu simpel und stereotypisch erklärt. Geht doch mal raus und redet mit den Menschen, als immer nur über sie zu schreiben.

RE: Schrei einer Epoche | 13.12.2018 | 19:36

Lenin und 1789. Fetter geht es wohl nicht. Da passen die Gelbwesten so gar nicht ins Bild. Da weiß man gar nicht wer nun auf dem Trittbrett steht.

RE: Weniger Schröder wagen | 13.12.2018 | 19:27

Na dann haben wir das Problem ja gelöst: Hurra! Schröder ist Schuld und der Euro. Sorry, aber ich kann diese abgetretenen Wege der Erklärung für die Misstände nicht mehr lesen, diese Aneinanderreihung von linken Populismen. Man könnte auch vermuten, dass sie mit ihrem politischen Latein am Ende sind.

RE: Gegen das Verderben | 10.12.2018 | 20:59

Immer wenn ich Joschka Fischers Bauch sehe, frage ich mich ob der Unterschied zwischen Übergewicht und Lebensmittelmüll so groß ist. Meinen Bauch sehe ich immer nur im Spiegel, deswegen musste der grüne Lebeman als Beispiel rann. Nach dem geimsamen Essen stopfe ich mir häufig verzweifelt die Essensreste der Kinder rein und wenn es mal wieder ans Kühlschrankaufräumen geht, gibt es Restepfanne, die leider auch nur ich esse. Ich bin noch nicht adipös, aber ich esse ziemlich gerne ziemlich viel. Die kcal sind wohl verloren, wenn sie erstmal am Skelett hängen. Hier ist zumindest keine spektakuläre Rettungsaktion möglich. Und immer wenn ich dicke Bäuche sehe, denke ich auch an dicke Wohnungen. Da sind es aber dann die Bewohner großer Wohnflächen, die sich über die Inanspruchnahme von frischem Grünland mockieren. Ungerecht und unökolgisch. Da muss ich dann auch an den Neunmalklug mit Dreitagebart aus Tübingen denken, der die Besitzer von Baulücken enteigen lassen will. Naja, vielleicht ein erster Schritt, aber was ist den mit denen die auf mehr als 45m2/Kopf hausen und auch noch über Gewicht leben? Kann man die nicht auch enteignen und entschlacken?

RE: Der Knoten platzt | 08.12.2018 | 20:30

Ein guter und ausgewogener Artikel. Es ist nicht einfach den Kern und die Gemeinsamkeiten zu erkennen. Ich sehe aber doch eine Verbindung zwischen den Gelbwesten und das ist die Vorstellung von einer besseren Vergangenheit und der Wunsch diesen Zustand wieder herzustellen. Es ist also weniger ein Revolution als eine Reaktion. Diesen Traum von der besseren Vergangenheit träumt auch die Linke irgendwie mit, als Revolution natürlich. Das gute Bild von der Vergangenheit mobiliisert und vereint die teils vollkommen widersprüchlichen Forderungen und überwindet die Alternativlosigkeit ohne politisches Nannytum.

Aber sind wir in Deutschland von diesen Zuständen so weit entfernt? Auch da bin ich mir sehr unsicher aber ich sehe bei uns eher eine demokratische Lähmung vor lauter guter Ziele. Wer traut sich noch was gegen Dieselfahrverbote oder Bauen auf der grünen Wiese zu sagen. Aber nächstes Jahr werden z.B. in der Region Stuttgart ca. 180.000 PKW von Fahrverboten betroffen sein. Das sind auch die, die die Stadt wegen fehlender Wohnungen verlassen mussten und nun in einer autoaffinen Siedlungsstruktur leben und sich bei der Einfahrt nach Stuttgart als Umweltsünder beschimpfen lassen müssen. Ich sehe den Wald auch vor lauter schützenwerter Bäume nicht mehr. Der Klimawandel hat uns doch alle zu Bauern gemacht. Umwissend und dumm. Wir müssen das Wissen ertragen, das uns vorgetragen wird und hinnehmen, weil wir gut sein wollen. Das wird wahrscheinlich die nächsten 400.000 Jahre so weiteregehen, denn erst dann ist der Zustand von vor der Industriellen Revolution erreicht. 400.000 Jahre Boris Palmer! Diese Ohnmacht müssen wir loswerden ohne rechtes oder linkes Nannytum und ohne diese nervigen 1968er Vergleiche. Das hier ist etwas vollkommen anderes, unvergleichbar anderes gelb.