Kommentare von Philipp Schaab

Philipp Schaab 19.01.2015 | 16:35

Seit der Ära-Schröder dürfte klar sein, wohin bei den Grünen die Reise geht: Ein bisschen sprachregulierende Gender-Gerechtigkeit, dazu Mode-Vegetarismus/ -Veganismus und ein bisschen Bio-Landwirtschaft, garniert mit ein paar Windparks, ansonsten brav-pragmatische Politik im Sinne der Banken, Gutverdiener und Großunternehmer und NATO-Oberbefehlshaber. Wenn sich jetzt eine grüne Jugendgruppe bildet, die sich dem Machbaren in der marktkonformen Demokratie widmet, dann untermauert diese Entwicklung nur den Ist-Zustand der Gesamtpartei. Sollte Schwarz-Grün im Bund Realität werden, dürfte die Zeit der Jung-Realos kommen und die Grüne Jugend als Hort linksgrüner Folklore und Imagepflege wird wohl ausgedient haben.

Philipp Schaab 17.01.2015 | 00:10

Es ist zu hoffen, dass derartige Stimmen in der islamischen Welt an Einfluss gewinnen. Das Problem aber dürfte sein, innerhalb der islamischen Welt die dafür nötige Unterstützung finden. Schließlich würde eine historisch-kritische Koran-Auslegung nicht mit den etablierten Traditionen brechen, sondern die vielerorts bestehenden autoritär-patriachalischen Gesellschaftsstrukturen bedrohen. Vielleicht liefert die Brutalität des IS die besten politischen Argumente zur Eindämmung fundamentalistischer Islamvorstellungen und führt zu einer größeren Offenheit für eine rationalistische Koran-Auslegung. Es wäre der muslimischen Welt.

Philipp Schaab 16.11.2014 | 00:34

Ein wichtiger Zeit, der zeigt, was für ein Opportunist dieser selbsternannte Drachentöter war. Das muss man nicht unbedingt verurteilen, aber wenn man sie, wie er sich heute aufspielt und dafür vom bürgerlichen Mainstream gefeiert wird, ist das zwingend notwendig. In diesem Land kann man den größten Unsinn hinaus posaunen und dafür bejubelt werden, wenn man nur gegen Links pöbelt und geifert. Dass sich Biermann dabei zum Klassenkampfclown des Establishments degradiert, scheint er nicht zu merken.


Aber vielleicht ist er jetzt einfach der hochdekorierte Staatsdichter, der er schon in der DDR sein wollte. Hätte man ihn doch nur gelassen...

Philipp Schaab 08.10.2014 | 14:01

Den Quoten-Schwarzen gabs nicht mal bei den Türken zu sehen. Wahrscheinlich dachten sich die PR-Strategen, dass ein Vampir-Film kein schwarzes Publikum anzieht. Dann brauchts auch keinen Quoten-Schwarzen.

Wieso Buddhist, wenn man auch Christen nehmen kann! ;-)

Aber Gemach, dieses Machwerk war erst die Overtüre für eine Neuverfilmung von Bram Stokers Dracula, da kann das von dir beschriebene Szenario noch eintreffen. Vielleicht sollte ich das auch noch in den Artikel reinschreiben.

Philipp Schaab 08.10.2014 | 00:24

Ich habe ein bisschen polemisiert, aber es ist ja allgemein bekannt, dass Erdogan eine Führungsrolle der Türkei in der islamischen Welt anstrebt. Er wäre gern der erste Mann unter dem Halbmond. Auf den Kalifentitel aber wird er wohl verzichten, das würde nur Irritationen auslösen.

Kobane ist das Herz der kurdischen Selbstverwaltungsgebiete und als solche von hoher symbolischer Bedeutung die Kurden. Öcalan hat die türkische Regierung gewarnt, dass die PKK zu den Waffen greifen würde, sollte Kobane seinem Schicksal überlassen werden. Ich sehe nicht, dass die Türkei willens ist, den IS zu stoppen, Erdogan hat deutlich gemacht, dass er die kurdischen Kämpfer und die Streitkräfte des IS gleichermaßen als Terroristen sieht. Er dreht sehenden Auges an der Gewaltspirale.

Philipp Schaab 07.10.2014 | 18:41

Würde die Türkei das Kalifat anerkennen, dann stellte sich aber die Frage, wer in der islamischen Welt das Sagen hätte. Den die höchste politische Autorität liegt beim Kalifat. Erdogan träumt vielleicht selbst davon, Kalif der Muslime zu sein, aber bestimmt will er sich keinem anderen Kalifen unterwerfen, nicht einmal symbolisch.

Die Schlacht von Kobane ist ein Massaker mit Ansage. Offensichtlich setzt Erdogan auf Bürgerkrieg in seinem eigenen Land.

Man kann darüber nur den Kopfschütteln, leider.

Philipp Schaab 07.10.2014 | 18:41

Würde die Türkei das Kalifat anerkennen, dann stellte sich aber die Frage, wer in der islamischen Welt das Sagen hätte. Den die höchste politische Autorität liegt beim Kalifat. Erdogan träumt vielleicht selbst davon, Kalif der Muslime zu sein, aber bestimmt will er sich keinem anderen Kalifen unterwerfen, nicht einmal symbolisch.

Die Schlacht von Kobane ist ein Massaker mit Ansage. Offensichtlich setzt Erdogan auf Bürgerkrieg in seinem eigenen Land.

Man kann darüber nur den Kopfschütteln, leider.

Philipp Schaab 07.10.2014 | 15:15

Ich zweifle daran, dass die Kurden Kobane halten können. Die Türken spekulieren womöglich darauf, dass sich die kurdischen Einheiten im Kampf mit dem IS aufreiben. Dann könnte Erdoganzwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: 1. Die Kurden militärisch schwächen, 2. nachdem dies geschehen ist, mit wehenden Fahnen gegen den IS marschieren und sich als Vorkämpfer gegen den Islamismus zu präsentieren.

Ich zweifle nicht, dass Erdogan früher oder später den IS loswerden will, weil er sich kaum deren Kalifat unterwerfen möchte. Als Kampfhunde gegen die Kurden aber sind die Schergen des IS allemal nützlich.

Philipp Schaab 07.10.2014 | 12:58

Die USA betrügen sich selbst, wenn sie ernsthaft glauben, mit Verbündeten wie Saudi-Arabien den den Vormarsch des Islamismus stoppen. Sie wollen den Teufel genau mit jenem Belzebub austreiben, der jenen Ungeist mit Petrodollars im Gepäck aus der Flasche gelassen hat. Wenn sich jetzt der saudische Großmufti hinstellt und die Taten des IS verurteilt, ist das einfach nur lächerlich.

Der Erfolg des IS ist ein Zeichen für den Bankrott der feudal-kleptokratischen Regimes in der Region. Dieses Monstrum lässt sich nur durch einen tiefgreifenden politischen und kulturellen Wandel im Nahen Osten besiegen. Der arabische Frühling war ein Anfang, der Islamismus stürzt jetzt zwar den nahen Osten wieder in Chaos und Gewalt,aber siegen werden die islamisten nicht. Dazu müssten sie nicht nur die Kurden, sondern auch Staaten wie die Türkei und den Iran überrennen und es ist unwahrscheinlich, dass diese sich einem selbsternannten Kalifen unterwerfen. Aber bis der IS besiegt ist, werden wohl leider noch viele Menschen sterben müssen. Nur die Säkularisierung und Demokratisierung staatlicher Instutionen, Umverteilung des gesellschaftlichen Wohlstandes zugunsten der Armen und dem Aufbau von Zivilgesellschaften lassen sich Phänomene wie der Islamismus langfristig bekämpfen. Aber die Frage bleibt, ob der Westen starke demokratische Staaten im nahen Osten überhaupt will. Diktaturen sind billiger.

Philipp Schaab 07.10.2014 | 12:24

Ich habe Fb erst während eines Auslandsaufenthalts zu schätzen gelernt, man sich einfach viel leichter international vernetzen. Natürlich ist es eine problematische Datenkrake, usw. aber erleichtert eben die Kommunikation mit weit entfernt lebenden Freunden und Bekannten erheblich. Natürlich geht es auch anders, aber Fb ist - leider - bequem und einfach zu bedienen.

So ist es mit Amazon, Ebay, Google, etc. Es ist schlussendlich fast unmöglich, in diesem Datenmalstrom nicht seine Persönlichkeit preis zu geben, ohne erheblichen Aufwand zu betreiben und das ist den meisten Leuten zu anstrengend.

Da ich ja immer noch an die Weltrevolution glaube, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass auch Fb eines Tages vergesellschaftet wird, wenn es nicht bis dahin auf dem Kerricht der Geschichte verschwunden ist. ;-)

Philipp Schaab 23.08.2014 | 18:27

Um jetzt mal allgemein zu bleiben. Ja, es gibt Situationen, in denen die Anwendung von Gewalt ein notwendiges Übel ist. In der politischen Gewalt drückt sich das Unvermögen einer Gesellschaft bzw. ihrer ihrer "Eliten" aus, dringende, drängende gesellschaftliche Probleme diskursiv zu lösen. Im Nahen Osten ist das gerade sehr gut zu beobachten. Der Kampf um die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ist ein neuralgischer Punkt, hier stößt die kompromissbereitschaft der herrschenden Eliten an klare Grenzen. Das war in den USA und Südafrika sehr gut zu beobachten, ebenso auch in vielen westlichen Ländern. Demokratische Grundrechte konnten durchgesetzt werden, weil sie letzten Endes nichts kosteten oder gar billiger waren, als revolutionäre Bewegungen mit den Mitteln des Polizeistaats nieder zu halten. Der Preis für diesen Kompromiss lag stets im Verzicht auf die radikale Umverteilung der Eigentums- und Vermögensverhältnisse. Ist deswegen Gewalt allein die Lösung?

Ich behaupte mal, dass Westeuropa - bei allen Problemen, Skandalen usw. - mit seiner Politik in den vergangenen Jahrzehnten besser gefahren ist, als der Ostblock. Aber hier zeigt sich, dass unter großem politischen Druck die herrschende Klasse auch zu relativ großen Kompromissen in der sozialen Frage bereit ist. Der Systemkonkurrenz erzwang die Errichtung einer sozialen Marktwirtschaft und das war vielleicht noch mit das Beste an der Existenz des Ostblocks.

Bekanntermaßen ist der Ostblock nicht mehr existent, aber ich würde dennoch im Zweifelsfall nicht auf die Gewalt setzen. Passiver Widerstand, ziviler Ungehorsam, evtl. Aktionen via Internet (gehe hier mal nicht ins Detail...), es gibt ein weites Feld an Möglichkeiten, bevor man das schwert des Krieges zieht.

Wie heißt es schon bei Shakespeares Heinrich V. "Den niemals stritten noch zwei große Königreiche, ohne das viel Blut vergossen ward." Ich zweifle daran, dass, wer sich mit revolutionären Ruhm schmücken will, sich auch zwangsläufig mit Blut bekleckern muss.

Philipp Schaab 17.07.2014 | 21:30

Ein guter Artikel, der zwischen dem Sport und der politischen Instrumentalisierung und Interpretation zu unterscheiden weiß.

Was die Nachwuchsarbeit betrifft, wird aber der anarchische Straßenfußball durchaus vermisst und dessen Fehlen immer wieder beklagt. Insofern wird keineswegs nur auf deutsche Ordnung gesetzt. Der Niedergang des Straßenfußballs dürfte eher ein Resultat des hohen Verkehrsaufkommens sein, die "Entproletarisierung" des Sports ein Resultat der Entproletarisierung des Prolariats, dass heute entweder weitgehend verbürgerlicht und prekarisiert ist.

1 2