Das griechische Pferd

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Auf ein Pferd zu setzen ist in den Konsequenzen etwas anderes, als sich eines nach Art des trojanischen einzufangen. Letzeres so geschehen im Jahre 2001, als Griechenland, wohl auch aufgrund geschönter Zahlen, wie sich jetzt herausstellte, den Euro als offizielles Zahlungsmittel übernahm.

Nun, das Streben nach Größe kennt bei Politikern keine Grenzen, gerade im geeinten Europa nicht, wie wir all wissen. Aschenputtel wiederum wusste seinerzeit beim sortieren der Erbsen sicher bereits, dass sich aus den guten und schlechten in einer Schüssel bestenfalls ein Durchschnitt bilden könne. Sie hatte es schließlich vor Augen. So war auch mein Denken, schon bevor ich den ersten Euro in den Händen hielt. Die Wege der Politik sind unergründlich musste ich mir, wie so oftselbst vorhalten, um nicht in Unverständnis zu ertrinken. Und siehe da, Jahre später beim Reisen nach Spanien hatte ich gar direkt etwas Positives davon. Es ist doch sehr angenehm, nicht in eine andere Währung umrechnen zu müssen. Das ist nun erst ein paar Wochen her aber plötzlich holt mich die Realität ein und ich sehe unfassbare Bilder in den Medien kursieren. Eine aufgebrachte Menschenmenge, die gewaltsam gegen ihre Staatsmacht aufbegehrt und dabei vor Opfern nicht zurückschreckt. Auf der anderen Seite diese Staatsmacht, die ihrerseits vermittelst äußerster Gewalt gegen den wütenden Mob vorgeht. Und das ist erst der Anfang, wird ein wütender Teilnehmer zitiert. Man kann mich für verrückt erklären, es änderte trotzdem nichts daran, dass ich angesichts solcher Bilder an Kant denken muss, der sich davor hütete von Instinkten oder einfachen Wesensbestimmungen beim Menschen zu sprechen. „Einem Wesen, welches die Freiheit besitzt, moralisch handeln zu können, gebührt eine besondere Würde, die Menschenwürde“, sagte er an dessen statt. Ein gefundenes Fressen für jede herrschende Klasse, eine Handlung für moralisch gerechtfertigt zu erklären, wenn allein der Wille gut sei, obwohl das Ergebnis sich bisweilen zum absoluten Gegenteil verklärt. Darauf nun sollte unser System der Demokratie mit aufbauen? Auch in den Abhandlungen über die Tugenden oder die Glücksseligkeit eines Aristoteles kann ich keine Übereinstimmung finden. Ich sehe dies im Verhalten dieser Menschenmenge nicht, wie ich es im Handeln von Politikern oder Managern vorher oder jetzt nicht sehe. Das Einzige, was ich sehen kann, ist eine extreme Abhängigkeit vom Geld. Die Einen richten all ihre Politik danach aus, verteilen dabei fleißig um, während die Anderen, wie eine Horde Zombies Städte verwüstet und das schon bei der bloßen Ankündigung, die Durchflussmenge notwendigerweise drosseln zu müssen. Eine düstere Zukunft zeichnet sich ab, auch in unseren Breiten. Wie viel Schulden haben wir doch gleich? Das hat man nun davon, wenn man den Menschen zum Süchtigen macht und ihm dann das Mittel seiner größten Begierde entziehen will. Wie wäre es denn mal mit ein paar Wahrheiten zuvor gewesen? Die will keiner hören, sagte mir jemand vor einiger Zeit. Stimmt, dafür wird kein Politiker gewählt, jedenfalls auf der heutigen Bewusstseinsebene nicht!

Um das Schreckliche in Athen zu verstehen und auch mit dem Hintergedanken, was uns erwarten könnte, nehme ich mir G. Le Bon vor erkenne viele Parallelen zu den Geschehnissen. Die Masse ist keineswegs von Parteilosigkeit gekennzeichnet, hatte er gesagt.Dafür sei sie überaus beeinflussbar und diese Beeinflussung potenziert sich mit der Menge. Daraus ergibt sich eine bestimmte Gerichtetheit der Gefühle, also ein Zustand gespannter Erwartung, welcher diese Beeinflussung begünstigt. Die zu erst klar zum Ausdruck gebrachte Beeinflussung überträgt sich augenblicklich an alle,somit sie sogleich die Gefühlsrichtung vorgibt. Es entsteht daraufhin ein starker Drang, diese Gefühle in eine Tat umzusetzen. Leichtfertig ist die Masse bereit, Opfer auf ihrer oder der Gegenseite in Kauf zu nehmen. Von der Art des Anreizes ist es abhängig, wie sich die Beziehungen zwischen der einzugehenden Tat und dem Maß der Vernunft verhalten und die unbewusste Entschlossenheit, sich derer zu widersetzen. So, wie der Einzelne sich eine Handlung im Zustand äußerster Anspannung nicht erklären kann, so wandelt auch die Masse an den Grenzen des Unbewussten und ist von der Heftigkeit ihrer Emotionen erregt, was allen Individuen eigen ist, welche sich nicht auf Vernunft berufen können.

Ich denke, in Griechenland ist ein Flächenbrand ausgebrochen, welcher sicher irgendwann bei uns angekommen sein wird. Es ist die Konsequenz aus übersteigerten Ansprüchen und hemmungslosen Raubbau von Ressourcen aus der Vergangenheit wie auch der Zukunft. Eine unheimliche Entfernung vom Leben selbst, welches einzig wir als absoluten Grundsatz für uns beanspruchen können. Gerade diesen Grundsatz treten wir mit Füßen und haben begonnen, ihn für nachfolgende Generationen zu demontieren! Wir werden dafür bezahlen müssen, so oder so! Unser ganzes künstliches Gebilde fängt langsam an zu bröckeln und ist vom Einsturz bedroht. Wir sollten uns darauf vorbereiten. Jedoch nicht, in dem wir nach materiellen Ausweichmöglichkeiten suchen, sondern uns auf innere Werte der Menschheit besinnen. In letzter Zeit lese ich gerade hier beim Freitag andersartige Blogs, welche z.B. bereits vom Beginn der Abschaffung des Geldes berichten. Solches zeigt, dass eine allmähliche Bewusstseinsänderung einzutreten scheint. Denn ich glaube nicht, dass allein die politische Richtungsänderung unser Schiff mit Schlagseite wieder auf Kurs zu bringen vermag. Vielmehr müssen wir erkennen, dass noch eine andere Welt gibt, als die, der Sozialprodukte, des Strebens nach Steigerungsraten und sozialen Hängematten. Wir alle tragen diese Welt in uns, wenn sie bei vielen auch tief vergraben scheint. Waren es nicht in längst vergessenen Zeiten diese Fähigkeiten, die uns so erfolgreich gemacht hatten? Sicherlich können wir nicht die Fehler von hunderten oder gar tausenden von Jahren wieder gut machen. Ich denke, mit den hohen Zahlen an Menschen kam das Schlechte auf die Welt. Dies scheint mir in Folge von Konkurrenz einfach natürlich. Aber sollten wir nicht irgendwann in der Lage sein, genau das zu erkennen und uns darüber hinwegzusetzen?

Viele Menschen leben in Resignation, man könne sowieso nichts ändern, am Lauf der Welt. Andere warten vergeblich auf einen Impuls von oben. Ich kann mich mit derlei Gedanken nicht zurückziehen, um mich der allgemeinen Untätigkeit anzuschließen. Egal wie schwer es sei, den Stein des Guten auch nur einen Zentimeter weiterzurollen, so will ich es doch denen gleich tun, die ihr Leben einem solchem Zweck gewidmet hatten. Getreu dem Motto eines Hoimar von Ditfurth, der da sagte: „Und wenn ich wüsste, morgen würde die ganze Welt untergehen, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!“

11:22 08.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

philoron

Ein verdorrter Geist ist leicht zu entflammen. Ein verstörter Geist ist leicht zu geleiten. Ein befangener Geist ist leicht einzunehmen, ein freier und offener Geist dagegen, schwer zu finden.
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