Die Frage nach der Demokratie

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Gebe ich bei Wikipedia Demokratie als zu suchendes Wort ein, so bekomme eine ziemlich umfangreiche Definition in meinem Bildschirm ausgegeben, die mich allerdings gleich am Anfang darauf aufmerksam macht, dass es sich hierbei zwar um die direkte Volksherrschaft vor allem im Sinne der Übersetzung des Begriffes handelt, das Wort Volk in diesem Zusammenhang jedoch sehr eng gefasst ist. Das kommt daher, dass zur Zeit des Entstehens im antiken Griechenland, eine nur begrenzte Gruppe von Bürgern und keine Frauen in den Kreis der an Volksversammlungen teilnehmenden aufgenommen wurden. Kann man nun sagen, dass das heute erfreulicherweise anders ist? Die unterschiedliche Behandlung der Geschlechter ist in diesem Fall, wie in anderen, glücklicherweise abgeschafft. Auch hatjeder die Möglichkeit sich über mehr oder weniger gute Arbeit beispielsweise in einer Partei oder einfach über die Fähigkeit des bloßen, unauffälligen Schritthaltens in dieser, zur Wahl aufstellen zu lassen. Dabei kommt es ganz sicher kaum auf die inneren Werte oder Tugenden eines Menschen an, sondern auf Wortgewaltigkeit und Schlagfertigkeit. Jemand der kategorisch den kategorischen Imperativ anwendet, wird es nicht weit bringen, auch oder gerade in der Politik nicht. Davon bin ich überzeugt.

Ein Grundprinzip der Demokratie ist die Freiheit. Jeder andersartige Gedanke innerhalb der Politik, der einen echten Fortschritt bewirken könnte, muss jedoch der kollektiven Meinung einer Fraktion weichen. Gegenstimmen und Enthaltungen sind zwar möglich, garantieren allerdings keine wirkliche Veränderung. Diese Vorgehensweise erscheint notwendig, wenn man bedenkt, dass mehrere voneinander abweichende Meinungen keine richtungsweisende Politik hervorzubringen vermögen. Politik ist kurzgesagt nach Max Weber: „ Die Leitung oder die Beeinflussung der Leitung eines politischen Verbandes, insofern er an der Macht ist, eines Staates.“ Jeder Staat wird auf Gewalt gegründet, heute bekanntlich weniger von physischer Art. Die moralischen Schablonen, welche im Menschen zweifelsohne vorhanden sind und die Kant in seinem Lebenswerk beschrieben hat, reichen bei weitem nicht, um auf diese Gewaltsamkeit zu verzichten, denke ich. An so etwas, wie einen moralischen Fortschritt, gesellschaftlich gesehen, glaube ich nun wieder nicht. Auch sehe ich keinen wirklich gestellten Anspruch diesbezüglich. Die Möglichkeit dazu mag gegeben sein. Solange jedoch der vermeintlich geldwerte Vorteil des Materiellen über allen anderen Werten steht, kann es diesen Fortschritt nicht geben. Inwieweit man nun von einer Demokratie bei den gegenwärtig vorherrschenden Verhältnissen sprechen kann, darüber lässt sich streiten. Wenn hinter einer Partei oder in dieser Lobbyisten fungieren und Politiker in Aufsichtsräten einen anständigen Nebenverdienst generieren, kann von einer auf das Volk ausgerichteten Politik doch keine Rede sein! Gerade das sollte doch der Grundgedanke der Demokratie beinhalten, wenn ich diese nach der aristotelischen Betrachtungsweise beleuchte, ihr also eine Seele gebe. Bei aller beteuerten Unabhängigkeit der Politiker von den wirtschaftlichen Interessen der Vertreter des Kapitals im Hintergrund und ihrer eigenen, kann nur der Erhalt eben beschriebener Gegebenheiten also Machterhalt im Vordergrund stehend, gesehen werden. Das oberste Prinzip eines Individuumsist das der Selbsterhaltung bzw. der Sicherung der jeweiligen Art. Ist Politik einer Gruppierung nun nichts weiter, als das Duplizieren von diesem Grundprinzip des Lebens auf jene Ebene? Ob Feudalismus, Kapitalismus oder Sozialismus, unabhängig von dem jeweiligen anfänglich gestellten Anspruch, hatten alle Systeme bis jetzt vor allem eins gemein, nämlich dass eine Minderheit ein weitaus besseres Leben als jenes der Mehrheit führen konnte, logischerweise auf Kosten dieser Mehrheit. Was nützt uns da ein Wahlsystem, was eine freiheitliche Ordnung also die Demokratie offeriert. Wenn ich nur genau hinschaue, habe ich bei der Wahl nur sehr begrenzten Einfluss auf die zukünftige Politik. Aber vielleicht sind die Politiker weniger daran schuld, als wir selbst. Schließlich machen wir unser Kreuz auf der Wahlliste wohl eher aus egoistischen, Gesichtspunkten heraus. Statt auf Gleichmäßigkeit und langfristige Sicherheit bauen wir auf kurzfristige Impulse, die uns etwas mehr netto in der Tasche versprechen.

Ob Politiker nun mehr an wirklichen Problemlösungen interessiert sind, als an ihrem eigenen Machterhalt, das sei nun dahingestellt. Zumindest fällt es ihnen über die Medien recht leicht Dinge in den Raum zu werfen und Meinungen zu schüren, woran sich die Menschen hochziehen und das Gefühl vermittelt bekommen, jeder Laie könne bessere Politik abliefern als die gewählten selbst (man bedenke, das sind hochgebildete Leute). Desweiteren lassen sich unbequeme Menschen schnell mundtot machen. So lässt es sich von den wirklichen Problemen, den Ursachen und den Dingen, die hinter den Kulissen passieren, leicht ablenken und ist Garant für die bestehenden Verhältnisse. Insofern möchte ich mich nicht einfach, wie viele andere auf die negative Flanke der Westerwelle einschwingen, sondern Fragen stellen, die auch im Gegenüber eine Suche nach Antworten entstehen lassen. Die wirklichen Probleme sind sehr vielfältig und sollen hier nicht angesprochen werden, da es um die Frage nach der Demokratie gehen sollte. Womit ich wieder zum Anfang dieses Beitrages und damit in der Zeit weit zurückgehe. Nach Epikur wäre es besser, sich generell aus der Politik herauszuhalten, um eine vernünftiges Leben führen zu können. Jahre zuvor wurde Sokrates für seine offene Meinungsäußerung und Andersartigkeit, über den Becher mit dem Schierlingstrunk zum Tode verteilt, worauf er sagte, dass seine Richter, dasselbe Schicksaal durch die 12 Tyrannen erleiden werden. Gott sei Dank, muss heute keiner mehr wegen Meinungsäußerung um sein Leben bangen. Mundtot reicht auch hin. Diesbezüglich hat sich der Traum von der Demokratie schon erfüllt. Die Tugenden aus den Schriften jener Zeit lassen sich allerdings schwer finden heutzutage. Die Art Politik zu führen, mag sich kaum geändert haben. Natürlich ist heute alles viel komplizierter. Aber fast jede mathematische Formel lässt sich kürzen und somit vereinfachen. Wer wirkliche Demokratie will, müsste also im einzelnen Menschen die Werte zu aktivieren suchen, die uns in schwierigen Situationen zusammenrücken lassen, Solidarität hervorrufen und auf Altruismus begründet sind. Vielleicht erfordert das den Schritt der Entwicklung vom Egomanen hinweg zu einer völlig neuen Art. Solche Leute wie Rousseau seinerzeit würden es danken und seine Aussage: „Die Menschen sind böse! Eine fortdauernde Erfahrung erübrigt den Beweis. Jedoch der Mensch ist von Natur aus gut! Ich glaube es nachgewiesen zu haben. Man bewundere die menschliche Gesellschaft so viel man will, es wird deswegen nicht weniger wahr sein, dass sie die Menschen dazu bringt, sich notwendigerweise in dem Maße zu hassen, in dem ihre Interessen sich kreuzen.“, verlöre ihren grundsätzlichen Nährboden.

......das Philoron

17:29 14.03.2010
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philoron

Ein verdorrter Geist ist leicht zu entflammen. Ein verstörter Geist ist leicht zu geleiten. Ein befangener Geist ist leicht einzunehmen, ein freier und offener Geist dagegen, schwer zu finden.
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