Die Party darf noch nicht zu Ende gehen.....

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ich kann mich noch sehr gut an den Energieerhaltungssatz, den wir in der Schule gelernt hatten, erinnern. Energie kann nicht aus dem Nichts gewonnen werden und nicht im Nichts verloren gehen. Das kann jeder nachvollziehen, wenn er seine Jahresheizkostenabrechnung oder die des Stromes vor Augen hat. So mancher bekommt bei deren Anblick ein erhitztes Gemüt, was sich noch verstärkt, wenn nebenbei in den Nachrichten von enormen Gewinn- und Gewinnsteigerungen der Energieversorger berichtet wird. Beim lästigen Aufsuchen der Tankstelle, geht es uns nicht anders. Keinem bleibt jedoch erspart, tief in die Geldbörse, also in der Not auch auf das Ersparte zurück zu greifen. Dabei werden wir uns jedes Mal unserer Ohnmacht gegenüber diesem Thema bewusst. Schließlich sind wir nicht gewillt zu frieren oder am Sonntagmorgen auf gekochte Eier beim Frühstück im Bett zu verzichten. Und überhaupt hat das Leben einen gewissen Standard, den wir uns hart erarbeitet haben! Diese uns oft unbewussten Zusammenhänge sind es, die uns beim Beginn der neuen Arbeitswoche, am Montag in aller Frühe aus den Federn klettern lassen. Natürlich gehört noch ein bisschen mehr dazu und es mag auch viele intrinsisch motivierte Menschen geben. Was es jedoch auch gibt, das sind bestimmte Ebenen, auf denen solche Gesetze, wie der Energieerhaltungssatz keinerlei Anwendung finden. Dort sind die Menschen immun gegen die auf den Normalsterblichen wirkenden Kräfte. Diese Immunität ist quasi gesetzlich untermauert, auch wenn sich dies erst einmal nur auf die juristische Ebene bezieht. Ein Verwässern darüber hinaus ist leider unausweichlich.

Kommen wir nun zu den außer Kraft gesetzten Gesetzen. In der Natur ist kaum möglich, dass sich die Meise kurz vor dem nahenden Hungertod im Winter, selbst einen Meisen Ring aufhängt. Nicht so in der Politik eines geeinten Europas, wo sozusagen nichts unmöglich scheint. Dort bedarf es nur ein paar juristisch einwandfrei verfasster Worte und des so berühmten Abstimmungszeichen, also das Heben eines Armes. Natürlich für die richtige Seite, versteht sich. Und welcher Politiker wollte bei der gestrigen Abstimmung für den finanziellen Schutzschirm Europas schon gegen sein eigenes Wolkenkukuksheim abstimmen? Das finanzielle Risiko hat er ja auch nicht zu tragen. Was die Frage aufwirft, wie funktioniert das Ganze eigentlich. Der Über- Staat (Europa), welcher an sich kurz vor der Pleite steht, bürgt dafür, dass er oder einzelne aus seinem Bund (ebenfalls kurz vor der Pleite) nicht Pleite gehen können. Dafür wird ein Rettungsfond oder Schirm geschaffen, in den er oder einzelne einzahlen. Weil keiner das Geld hat, angesichts bereits bestehender horrender Staatsschulden und klammer Kassen auf allen Ebenen, leiht sich jeder etwas- ja bei wem eigentlich? Gibt’s dann wieder Anleihen, die auf den Markt geschmissen werden? 750 Mrd. als Anleihen- wie viel Zinsen erhält man denn dafür? Kennt jemand hier jemanden, der solche Mengen hat und mit der Bereitstellung des Kapitals ein ebenso hohes Risiko bereitzustellen gewillt ist? Das hieße nämlich, der Verstand verhielte sich entgegengesetzt proportional zum Besitz. Gut, das mag es geben, zu Hauf wahrscheinlich. Oder ist die verbürgte Summe nur virtuell zu beschaffen? Diese Art von Mathematik ist einfach zu hoch für mich! Handelt es sich dabei doch mehr um eine Art Schneeballsystem? Ich dachte das wäre verboten! Wir werden es sehen, wenn der nächste Rettungsschirm aufgelegt wird. Vielleicht ein globaler Überschirm, damit unser Verstand etwas vorgelegt bekommt, woran er glauben kann.

Um mich wieder auf Terrain zu begeben, wo ich mich auf verstandesgemäß sicherem Boden befinde, sehe ich aus dem Fenster meines Hauses, für das ich Summe X monatlich abzahle. Ich weiß, wie viel ich dafür arbeiten muss. Täte ich es nicht, gäbe es auch keinen Rettungsschirm. Hinter dem Hof mit dem sich anschließenden Naturschutzgebiet, wo alles im und auf dem Wasser glücklicherweise noch sich selbst überlassen ist, verlaufen die Felder einiger Bauern, die mit einer bestimmten Menge an menschlichen und natürlichen Ressourcen Summe Y erwirtschaften. Das ist überschaubar. Wenn aber jemand in Brüssel, oder sonst wo, der wahrscheinlich noch kein Getreidekorn in der Hand gehalten hat, dessen Preis bestimmt und damit das Einkommen der Bauern, dann hört die Überschaubarkeit auf und das Krankhafte fängt an. Es fragt mich nur, wer eigentlich von wem abhängig ist. Sind hier nicht die Rollen vertauscht? Gut man könnte an dieser Stelle mit den Subventionen für die Landwirtschaft argumentieren. Sind diese in ihrer Notwendigkeit jedoch nicht auch eine Folge der Marktregulierung von oben? Man könnte diese Diskusionen in jedem Bereich ins Unermessliche ausdehnen. Es führte zu nichts. Unsere Ausgangsvariablen sind einfach zu hoch quadriert, sozusagen. Und nach fest kommt ab, dass weiß jeder Handwerker. So simpel ist das!

Um wieder auf das eigentliche Thema zurück zu kommen. Was für Energie nun in Summen steckt, welche sich weit ins Minus hinein bewegen, haben wir bei den Unruhen in Griechenland gesehen. Auch sie kann nicht einfach im Nichts verloren gehen und muss sich zwangsläufig in Wut der Massen entladen.

Die welche die Misere eigentlich zu verantworten haben und dem Konglomerat aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu zuordnen sind werden ihre Party indessen noch solange weiter feiern, wie es geht. Wir haben es bei den Managern der Banken gesehen und wir werden es jetzt erleben. Die Politiker werden dabei genötigt sein, die finanziellen Grenzbelastungen des Bürgers zu testen, der die Rechnung ihrer Feierlichkeiten wieder einmal zu bezahlen hat. Denn über die Grenze können sie nicht hinaus. Dass wussten sie auch schon vor Griechenland. Allenfalls können sie diese für uns unmerklich langsam verschieben. Brot und Spiele für die Welt, wird dabei ihr Motto sein, wie immer schon. Und wenn die Meise trotz Meisen Ring verhungern sollte, so wird es einen neue geben. Das ist der Lauf der Dinge, das stärkste Gesetz der Natur überhaupt!


12:22 22.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

philoron

Ein verdorrter Geist ist leicht zu entflammen. Ein verstörter Geist ist leicht zu geleiten. Ein befangener Geist ist leicht einzunehmen, ein freier und offener Geist dagegen, schwer zu finden.
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