Eine wirklich alte Geschichte.

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Es war einmal eine Königin. Ihr Charme und ihre Grazie ist kaum als besonders anmutig zu bezeichnen gewesen und dazu schien sie nicht sonderlich talentiert für ihre offensichtliche Bestimmung, ein solch hohes Amt zu bekleiden. Nein, vielmehr hatten glückliche Umstände für sie und einige ihrer Vasallen dafür gesorgt, dass sie in dieses Amt geradezu hinein rutschen konnte. Wer das mit dem vorletzten Wort zu wörtlich nehme, der mag jenem Lager angehören, welches diese Umstände, als weniger glücklich zu bezeichnen gewillt ist! Die Fürsten und Großgrundbesitzer freilich gehörten wohl kaum zu den darüber minder Erbauten. Sie waren schließlich die wahren Herrscher, die überFäden in der Hand, die Marionetten des Hofstaates einschließlich der Schlossherrin zu steuern wussten. Hatten sie schließlich die nötigen Mittel, um ein florierendes Königreich mit blühenden Landschaften zu gestalten. Es gab aber auch noch eine stattliche Anzahl an verarmtem Landadel auf ihrer Seite. Sie hingen sozusagen am Tropf des Hofes, obwohl oder gerade weil sie ihr Wasser höchstens aus dem Schlossgraben schöpfen durften. Näher kamen sie nicht heran, wussten also genauso wenig, wie die meisten Anderen um die inneren Angelegenheiten, sozusagen um das Geheimnis einer wirklich florierenden Staatmaschinerie.

Der Großteil der Bevölkerung bestand, wie sollte es anders sein, aus Bauern, Handwerkern, Arbeitern Fischern, Dienern, Mägden und einigen, dagegen privilegiert erscheinende, Hofstaatsangestellten. Sie mussten trotz aller Aufgeklärtheit der Geschichte mehr oder weniger hart und lange für ihr Geld rackern. Zum Wohle ihrer Familien, versteht sich und oft lohnte es kaum. Da blieb wenig Zeit und Energie, das eigene Los einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und über die vorherrschenden Verhältnisse nachzudenken. Wie anderswo auch, bevorzugten die Menschen Ablenkung und Versenkung in allerlei Tätigkeiten, um dem gewöhnlichen Alltagsallerlei zu entfliehen. Manchmal ging ein Stöhnen durch die Reihen, wenn bspw. durch misslungene Geschäfte des Hofstaates oder durch Zahlungen an den Kaiser, die königliche Schatulle geschmälert und zur Wiederaufbesserung der vor langer Zeit eingeführte Zehnt, sich inzwischen fast verdoppelt hatte. Auch kamen von der Königin Getreuen hin und wieder Vorschläge, zu Erhebung immer neuer Steuern, wohingegen andere dafür gesenkt wurden. Niemand konnte dabei so richtig den Überblick behalten. Was der Hofstaat überhaupt nicht in seiner Nähe mochte, war der Müll, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hatte, und so in ländliche Regionen gelegentlich verbracht werden musste. Natürlich gegen den energischen Protest einiger Bauern und ihrer Verbündeten, die den wahren Wert ihrer sie ernährenden Umwelt erkannt hatten und um diese fürchteten. Die königliche Schlossgarde sorgte allerdings dafür, dass der Müll seinen Bestimmungsort trotz Verspätung erreichen konnte. Ebenso, wie sie dafür sorgte, wenn es darum ging, für ein neues monumentales Bauwerk ein paar Platanen aus der Erde zu reißen! Vielen Menschen, nicht nur unter den Bauern, nein gerade auch aus der Stadt, waren die Machenschaften des Hofstates zu wider. Hatten sie diesen nicht eigentlich zum Schutz und zum Wohle aller, einst selbst erschaffen? Nun hatte er sich offensichtlich verselbständigt, führte ein völliges Eigenleben.

So kam es, dass man sich immer auf dem Freitag, wenn die Arbeitswoche zu Ende ging, traf, um sich auszutauschen, seinem Ärger Luft zu machen, das Meinungsbild aktiv zu gestalten. Um zu beratschlagen, was den wohl zu tun wäre für eine fortschrittlichere Zukunft. Modelle von einer besseren Gesellschaft machten die Runde zu Hauf. Inspiration, Anregung und Diskusionen, aber auch Anfeindungen und Unterstellungen. Manche brachten dabei gar den Glauben an einen fernen Gott oder die zunehmende Anfeindungdessen Verfechter in hiesigen Breiten mit in die Debatte ein.Jeder wusste es besser, als der nächste. Aber alle gemeinsam fühlten sie sich ohnmächtig gegen die Allmacht des Hofes. Das war es, was sie in Wahrheit vereinte! So rieb man sich aneinander und vergaß bisweilen die Nacht als solche zu nutzen. Selbst an Feiertagen, an so friedlichen Festen wurden die Fronten mancherorts nicht verlassen. Das war es dann wohl auch, was die Macht der Königen und ihrer Anhänger wahrlich erst festigte. Eine wirklich alte Geschichte, deren Ausgang niemandkennt…..

23:24 27.12.2010
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Geschrieben von

philoron

Ein verdorrter Geist ist leicht zu entflammen. Ein verstörter Geist ist leicht zu geleiten. Ein befangener Geist ist leicht einzunehmen, ein freier und offener Geist dagegen, schwer zu finden.
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