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Was Lukrez „Über die Natur der Dinge“ in seinen Worten heute wünschen könnte.

Oder ist es nur der einfache Tagtraum eines Mannes, aus der Quelle entsprungen?

Als vor den Blicken der Menschen das Leben schmachvoll auf Erden

Niedergebeugt von der Last schwerwuchtender Illusion war,

Die ihr Haupt aus des Himmels erhabenen Höhen hervorstreckt

Und mit grässlicher Fratze die Menschheit furchtbar bedroht,

Da erkühnte sich einer, der auch nur Mensch war, das sterbliche Auge

Gegen das Scheusal zu heben und kühn sich entgegenzustemmen.

Nicht das Politikgeschwafel, nicht Blitz und Donner der Gesellschaft

Schreckt' ihn mit ihrem Drohen. Nein, umso stärker nur hob sich

Höher und höher sein Mut. So wagt' er zuerst die verschlossenen

Pforten der Mutter Natur im gewaltigen Sturm zu erbrechen.

Also geschah's. Sein mutiger Geist blieb Sieger, und kühnlich

Setzt' er den Fuß weit über des Weltalls flammende Mauern

Und er durchdrang das unendliche All mit forschendem Geiste.

Dorther bracht' er zurück als Siegesbeute die Wahrheit:

Was kann werden, was nicht? Und wie es jeden umkreist.

Seine wirkende Kraft und der grundtief ruhende Markstein?

So liegt wie zur Vergeltung die Illusion uns zu Füßen

Völlig besiegt, doch uns, uns hebt der Triumph in den Himmel.

Nicht mit meinen eigenen Worten hätte ich es besser beschreiben können,

schon deshalb nicht, weil, wenn ich ehrlich in mich hineinriefe,

ich feststellen müsste, die Tat bleibt weit hinter dem Wort zurück!

Aber ist das nicht auch eines unserer größten Probleme überhaupt?

20:40 16.12.2010
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Geschrieben von

philoron

Ein verdorrter Geist ist leicht zu entflammen. Ein verstörter Geist ist leicht zu geleiten. Ein befangener Geist ist leicht einzunehmen, ein freier und offener Geist dagegen, schwer zu finden.
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