Zum Frühstück ein Zitat

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Seit einiger Zeit bin ich in einem Forum angemeldet, in welchem man in Zitaten von bekannten Persönlichkeiten sowohl aus der Vergangenheit, als auch der aktuellen Zeit, herumstöbern kann. Viele von den schriftlichen Zeugnissen sind mehr, als nur bloße Gedankengebäude, weil sie den Geist ihrer jeweiligen Epoche bildlich festzuhalten vermögen. Jene der Art aus der Gegenwart, sind freilich spärlich gesät und manche gar, in anderen Medien erscheinende, bergen so viel Falschheit und Unverfrorenheit in sich, dass sich die Balken von meinem sonst recht stabilen Fachwerkhäuschen zu biegen scheinen. Da wird mal eben das Einknicken vor der Atomlobby, als „Revolution von epochaler Bedeutung“verklärt. In dem Sinne, dass wir damit die Demokratie endgültig zu Grabe getragen haben, mag dies zutreffend sein. Offensichtlicher jedenfalls kann man Käuflichkeit wohl kaum darbieten. Als der Sarg mit den sterblichen Überresten der Demokratie diese Woche in seine letzte Ruhestätte hinabgelassen wurde, warf ich einen Strauß meiner ureigensten Gedanken, die ich selbst dafür gepflückt hatte, dort hinein. Mögen sie irgendwann als neue Saat aufgehen. Das Leben indes geht weiter, ob mit oder ohne- ja muss weitergehen, denn eigentlich hat es damit nichts zu tun!

So bekomme ich nun weiterhin, des Morgens ein frisches Zitat, ob nun weich oder hart gekocht, auf meine E- Mailadresse gesendet. Quasi ein Zitat zum Frühstück, falls ich den Rechner so zeitig starte, also vor mir selbsthochfahre. Einige von ihnen sind dermaßen bildgewaltig, dass sie sich in meinem Kopf sogleich festsetzen. Folgendes Zitat von Einstein ist eines davon: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Wenn du das Gefühl hast, mit dem falschen Geist, in diese Welt hineingeboren zu sein, so wie andere glauben, im falschen Körper zu stecken, wirken solche Worte, wie Balsam auf der Seele!

Welcher von den letzten beiden Sätzen verlangt nun mehr nach Erklärung? Das mit der Dummheit, schließt mich ein, da ich auch nur ein Mensch bin. Aber es verletzt mich nicht, wenn ich mir meiner eigenen Unwissenheit bewusst bin. Was mag Einstein mit solch einem Satz hatte sagen wollen? Sah er wie Freud, dass die Hauptmotivation des menschlichen Handelns aus dem unbewussten Konflikt zwischen den triebhaften Impulsen und dem damit weitgehend überforderten Verstand entsteht und dass man diesen für den einzelnen gültigen Satz ohne Weiteres auf die Gesellschaft übertragen könne? Streichen wir das Wort triebhaft heraus, da Freuds Blick in dieser Richtung etwas überlastig gewesen ist, kann er durchaus als eine Erklärung stehenbleiben. Oder ging er mit Nietzsche bzw. Schopenhauer einer Meinung, dass wir doch mehr Tier sind, als wir glauben? Letzterer sprach gar davon, wir wären das bestabzurichtende Tier überhaupt, wie Bildungswirt in seinem Blog hier in der FC vor Kurzem sehr anschaulich darstellte.

Worauf ich eigentlich hinaus will, ist, dass die Worte Dummheit und Intelligenz ja doch irgendwie mit einander verwandt sind. Dummheit kommt von Unwissenheitoder mangelndem Bewusstsein für eine bestimmte Sache. Intelligenz wiederum ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen, habe ich mal gelernt. Da das alltägliche Einerlei aus ständigen Problemlösungen besteht, muss das Leben wohl ein einziger Intelligenztest sein, lernte ich später dazu. Erweitere ich nun mein Wissen, kann ich Probleme besser lösen. Deswegen verstehe ich die aktuelle Debatte um das Buch „Deutschland schafft sich ab“ nicht. Es wird schon wieder eine neue Auflage des Buches gedruckt, las ich in der Zeitung. Bei dem aktuellen medialen Geschrei, wundert es mich nicht. Woran macht man aus, dass ein Land sich abschafft? Am Verfall seiner Kultur, seiner Werte, seiner Güter, am Sinken des sogenannten durchschnittlichen IQs, des Bruttosozialproduktes oder ist es die Summe aus allem?

Folgendes Zitat fand ich in einem weitaus höher frequentierten Forum im Internet:

„Es ging alles in die richtige richtung, aber dan taucht sarrazin auf und muss so eine scheisse, es ist einfach scheisse mit genen und das man inteligenz von seinen eltern erbt ist doch alles nur scheisse man. Was soll das denn überhaupt? Und jetzt werden rechte parteien gegründet und auf ausländer gehetzt. Nur mal so, über 20% haben ausländische wurzeln, wenn man die alle abschiebt oder nur ein teil wird deutschland wirtschaftlich untergehen man braucht sogar mehr zuwanderer für arbeit.“

Was hat der Inhalt oder Rechtschreibung des Textes nun mit Migrationshintergründen zu tun? Sarrazin hin oder her, ich kann da keine Verbindung erkennen. In einigen Punkten mag dieser Mann nicht falsch liegen. Aber muss man deswegen sogleich eine Fahne dafür oder dagegen schwenken? Vielleicht wäre ohne das Geschrei schon längst in der Versenkung verschwunden. Was lob ich mir die alten Philosophen, die meist die goldene Mitte angestrebten und zu sagen pflegten, sie wären in der Welt zu Hause, also eine Unterscheidung in Ausländer oder nicht, sicher weniger debattierten.

Gehe ich von mir selbst aus, würde ich sagen, der menschlicheGeist ist kein Ruhegeist. Er dürstet ständig nach Beschäftigung. In Hochglanzblättern und auf immer flacher werden Bildschirmen flimmern sich direkt proportional dazu verhaltene Inhalte. Wie ein kleines Kind ist der Kopf geneigt, alles aufzunehmen, was ihm in die Hände kommt. Je bunter und auffälliger, desto besser! Das ist meiner Meinung nach ausschlaggebender für unsere sich abzeichnende Situation, als der Inhalt der aktuellen Debatten. Denn eines ist klar, wir sind eine Kultur, die Höhepunkt längst überschritten hat! Was nicht unbedingt förderlich ist, scheint mir die momentane Mentalität des Nehmenden zu sein. Irgendwo muss es ja herkommen. Aber wer gibt denn, wenn alle nur sagen, dass sie haben wollen? Was bleibt für später übrig? Politiker und Führungspersonenkann man hier nicht gerade als Vorbild anführen, was an sich schade ist!

Vorgestern war ich im Kino. Inception ist ein Film, in dem mittels Traumwelt versucht wird, in das Bewusstsein eines Menschen vorzudringen, um dort Gedanken zu manipulieren. Denn der Gedanke wäre der widerstandsfähigste Parasit überhaupt, sagte Leonardo di Caprio. Da hat er wohl Recht, aber genauso gut, kann er der am leichtesten zu beeinflussende Geselle überhaupt sein. Kommt immer auf seinen Träger, also den Menschen an. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, wie groß er den Zirkel einstellt, wenn es darum geht, den Kreis um sein persönliches Gesichtsfeld zu ziehen! Oder wie Platon sagte: „Ziel sei es, unter die Oberfläche vorzudringen, bis hin zur reinen Wirklichkeit. Um dies zu erreichen ist es notwendig, die flüchtigen Erscheinungen der Sinneswelt zu durchschauen, in des Wortes doppelter Bedeutung.“ Dies sollten wir beherzigen im täglich undurchdringlich Medienrummel…….

09:13 12.09.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

philoron

Ein verdorrter Geist ist leicht zu entflammen. Ein verstörter Geist ist leicht zu geleiten. Ein befangener Geist ist leicht einzunehmen, ein freier und offener Geist dagegen, schwer zu finden.
Avatar

Kommentare 2