Gone surfin'. Ein Interview mit Lars Jacobsen

Fotografie Lars Jacobsen ist Fotograf & Chefredakteur des SURFERS magazines. Seine Aufnahmen machen akutes Fernweh unvermeidbar.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community


https://www.photocircle.net/de/photos/thumbnails/big/767-Neugieriges-Kind-in-Indien--by-lars-jacobsen.jpgNEUGIERIGES KIND IN INDIEN von Lars Jacobsen

Lars Jacobsen, hast Du eigentlich den besten Job der Welt? Und wie genervt bist Du inzwischen von dieser Frage?

Gar nicht genervt, eher froh, dass man die Frage ab und an mal hört! Bestätigt einem ja, dass man alles richtig gemacht hat. Aber ob es der beste Job der Welt ist? Mhhh... Wie in jedem Job habe ich auch immer wieder Sachen, die nervig oder langweilig sind. Aber ich bin soweit echt zufrieden ☺

Den ersten Kontakt mit dem Surfsport hattest Du im Surf-Geschäft Deines Vaters. Das lässt vermuten, dass Du auf Hawaii oder in Australien aufgewachsen bist. Wie fügt sich Rheda-Wiedenbrück in diese Geschichte ein?

Hahaha, meine Eltern hatten einen Windsurfshop in Rheda-Wiedenbrück. Damals, in den goldenen Zeiten des Windsurfens, war ja jeder Baggersee voll mit Windsurfern und so schien sich ein Windsurf-Laden Mitten in Deutschland zu rentieren. Als Kind habe ich jede freie Minute im Shop verbracht. Mein Bruder schwärmte mir nach einem Kanaren Urlaub vom Wellenreiten vor, von da an wollte ich auch lieber Wellenreiten als Windsurfen...

Seit 2006 bist Du Chefredakteur und Fotograf der Zeitschrift SURFERS MAG – war das der Punkt, an dem Du beschlossen hast, Dein Hobby zum Beruf zu machen?

Es ging schon etwas früher los. Ich habe mein Volontariat 2002 bei der SURFERS absolviert und 1999 bereits mein erstes Praktikum. Ich wollte immer nur Reisen und Surfen und da schien es Sinn zu machen, bei einem Surf-Magazin anzuheuern. Das hat dann auch ganz gut geklappt...

Hand aufs Herz: Mehr Surfer oder Fotograf?

Anfangs auf jeden Fall mehr Surfer! Dann Jahre lang in einer absolut fiesen Zwickmühle gesteckt. Denn was macht man nur, wenn perfekte Wellen vor einem laufen und man den Spaß seines Lebens auf dem Brett haben, auf der anderen Seite aber auch gute Fotos machen könnte? Inzwischen habe ich mindestens genauso viel Spaß, mit meiner Kamera in den Wellen herum zu schwimmen, wie mit dem Surfboard. Da man mit den Bildern dann auch noch beruflich etwas anfangen kann, bin ich inzwischen wahrscheinlich einen Tick mehr Fotograf als Surfer. Aber es ist immer noch eine schwere Entscheidung...

https://www.photocircle.net/de/photos/thumbnails/big/28162-Eine-Welle-am-Ende-des-Tunnels--by-lars-jacobsen.jpg

An welchen Auftrag erinnerst Du Dich am liebsten zurück? An welchen am wenigsten gern?

Echt schwer zu sagen. Tahiti auf einem Luxus-Katamaran zu umrunden, an Bord ein paar der besten Surfer der Welt, das war auf jeden Fall ein Highlight. Auf Hawaii beschossen zu werden, in Spanien ausgeraubt oder in Indien komplett verloren zu gehen, dass sind die Momente, die zunächst meißt nicht so cool, aber am Ende dann doch die Stories sind, an die man sich am besten erinnert, und über die man in der Regel mit den Freunden lachen kann.

Einmal sind wir mit 30 Wohnmobilen die französische Küste abgeklappert, das war auch super spaßig. Letztes Jahr sind wir mit fünf 50ccm Mopeds die deutsche Ostseeküste entlang geknattert. Jeder hatte sein Board an der Seite seines Mopeds und wir haben wild an den Stränden geschlafen. So etwas ist es, was mich antreibt.

Beim Surfen denken die meisten ja an sonnige Strandparadiese. Du hast aber auch schon in Island zwischen Eisschollen fotografiert. Nervt einen der ständige Sonnenschein irgendwann?

Haha, naja, als Hamburger freut man sich da schon noch über jeden Sonnenstrahl, den man abbekommt. Aber in der Tat, Trips gen Norden reizen mich momentan definitiv mehr, als die klassischen Tropenparadiese. Der Kontrast zwischen dem Surfen und der rauen Natur des Nordens ist einfach viel größer, und dort oben kann man noch immer menschenleere, nie gesurfte Wellen finden. Es ist viel mehr Abenteuer, sich durch Eisschollen zu kämpfen, als vor herabfallenden Kokosnüssen wegzurennen.

Stichwort: Germany’s Next Top Model.

Ja, gutes Stichwort. Ich war neulich bereits das zweite Mal Teil der Show. 2003 und 2005 haben wir Heidis Nachwuchs-Models für Bikinistrecken auf Hawaii fotografiert. Als ich damals die erste Mail der Redaktion bekommen habe, dachte ich, dass mich jemand verarschen will. Um ein Haar hätte ich die Mail gelöscht. Auch, ob wir da unsere Stammleser etwas verärgern würden, war anfangs eine größere Diskussion bei uns in der Redaktion. Schließlich ist der Surfer an sich ja eher Anti-Mainstream. Die Entscheidung fiel uns trotzdem nicht schwer. Das Format der Show ist in unseren Augen gut und die PR, die wir durch die Auftritte bekommen haben, war der Wahnsinn.

Bei Deiner Arbeit musst Du dauernd auf der Hut sein – vor auf Dich zu schießenden Surfbrettern, Haifischen und kolossalen Riesenwellen, die Dich verschlingen wollen. Kann man so etwas ewig machen?

Ich hoffe doch schon. Man muss halt versuchen einigermaßen fit zu bleiben. Wenn es mal gar nicht mehr gehen sollte, dann muss man halt vom Strand, Boot oder Jetski aus arbeiten...

Dein Plan für die nächsten drei Tage?

Ich komme gerade aus Mauritius zurück. Ich habe dort einen freien Foto-Job für die Fit For Fun fotografiert. Jetzt steht erst mal Bildbearbeitung auf der To-Do-LIste. Außerdem arbeiten wir an einer neuen Internetseite, Locaine.com. Es steht also gerade etwas Computerarbeit auf dem Zettel. Der nächste Trip ist aber nicht mehr weit weg, es geht bald zum zweiten Mal in diesem Jahr nach Norwegen. Daumen drücken, dass wir da ein paar Wellen abbekommen!

11:57 09.07.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Photocircle

Sprachrohr von Photocircle mit Faible für Entwicklung, Kunst & Menschenrechte
Photocircle

Kommentare