Klimawandel, Chips-und Bierpreise

Unerwartete Zusammenhänge Man hört bzw. liest es fast täglich in den Medien: der Klimawandel findet längst statt. Eine Wende ist nicht in Sicht. Das Wirtschaftssystem muss verändert werden.
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Der Satz fiel auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen einer der letzten Kirchentage. Es ging um die Frage, weshalb so wenig in Richtung Nachhaltigkeit passiert. Ich meine, es war der ehemalige Bundespräsident Köhler, der den Satz aussprach (sinngemäß):“Man muss anfangen, die Ursachen und Verantwortlichen beim Namen zu nennen“.

Der Aufsatz „Anders leben? Anders regieren!“ beschreibt eine Reihe jüngst feststellbarer Erscheinungen, die als Symptome eines bereits stattfindenden Klimawandels eingestuft werden. Während man in der alltäglichen Diskussion des Klimawandels vornehmlich die „globale Erwärmung“ ins Visier nimmt, tauchen hier steigende Chips- und Bierpreise und fallende Aktienkurse als Folge eines warmen Sommers auf, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auf menschliches Produzieren und Konsumieren zurück zuführen ist. Es deutet sich hier das Überraschungspotential zu erwartender ökologischer Systemveränderungen an.

„Anders leben? Anders regieren!“ – Absolut , aber wie? Der Kultursoziologe Andreas Reckwitz ist der Ansicht (ZEIT 49, S.47), dass die in den letzten Jahrzehnten im Westen stattfindende Transformation von der industriellen zur postindustriellen Ökonomie einen Prozess darstellt, der von keiner politischen Kommandozentrale geplant wurde. Die Formulierung mag so stimmen, dennoch ist der Prozess nicht vom Himmel gefallen. Auslöser und Treiber dieses Prozesses sind die auf „freien Märkten“ basierende wachstums- und wohlstandsfördernden Theorien Adam Smith (Eigennutz erhöht Gemeinwohl) David Ricardo (Außenhandel lohnt sich immer). Die Theorien gehen von den seinerzeit in England herrschenden Bedingungen aus. Diese haben sich global signifikant verändert. Es darf bezweifelt werden, dass eine Ökonomisierung aller Lebensbereiche den Vorstellungen der „alten“ Wirtschaftstheoretiker entsprechen würde. Und dennoch werden beide immer wieder zitiert, wenn es um die Verteidigung des freien Marktes geht. Es darf dagegen davon ausgegangen werden, dass Smith und Zeitgenossen die Aufgabe der Wirtschaft als eine dienende gesehen haben. Vor der Dominanz einer Wirtschaft, der umgekehrt die Gesellschaft dient, hatte der Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewarnt. Er hatte Recht - wir reagieren (theoretisch) auf die durch das Wirtschaftssystem verursachten ökologischen Schäden. Erfolglos – weil mit dem Denken und der Methodik, die uns die Problematik der Gegenwart beschert haben. Trotz eines Überflusswohlstandes in westlichen Gesellschaften verkünden Wirtschaft und Politik immer wieder neue Wohlstandszwänge, wie zum Beispiel die Alternativlosigkeit der Verbreitung künstlicher Intelligenz. [Exkurs: Entspricht es dem Bedürfnis alter Menschen, von einem Roboter gepflegt zu werden. Nein, es entspricht vielmehr den Forderungen eines sich entmenschlichenden Systems - sie sind nicht alternativlos].

Mit dem Glauben an kaum verifizierbare, alle Zeit gültige, wirtschafttheoretische Thesen und deren Umsetzung in wirtschaftliches Handeln wurden die Naturgesetzte schrittweise ihrer ökologischen Zusammenhänge beraubt und ein technokratisches Paradigma inszeniert. Mit Teillösungen, wie z.B. dem Kohleausstieg oder Fahrverbote werden wir die vielzitierte große Transformation nicht erreichen. Das folgende Zitat aus der vielbeachteten Enzyklika Laudato Si von Papst Franzikus kommt einer Lösung vermutlich näher:

Die ökologische Kultur kann nicht reduziert werden auf eine Serie von dringenden Teilantworten auf die Probleme, die bezüglich der Umweltschäden, der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und der Verschmutzung auftreten. Es müsste einen anderen Blick geben, ein Denken, eine Politik, ein Erziehungsprogramm, einen Lebensstil und eine Spiritualität, die einen Widerstand gegen den Vormarsch des technokratischen Paradigmas bilden“.

Im Maßstab heutiger materieller Wertvorstellungen wird es, bei einer Transformation im Sinne von Laudato Si, Verlierer geben. Sind das die Grü

17:42 09.12.2018
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Geschrieben von

phvollmer

Große Transformation. Auf der Suche nach gesellschaftlichem Wandel
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