Pilum

Elektro-Ingenieur, pensioniert
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RE: Kapitalkurs für Pokerfans | 15.02.2013 | 12:05

Sehr geehrter Herr Augstein, sehr geehrter Herr Seeßlen,

Ihren Artikel, die Rezension der Buchs von Frank Schirrmacher, habe ich mit Interesse gelesen und vermute entsprechend der einleitenden Sätze, dass Sie hier eine Art von Inhaltsangabe verfasst haben. Darauf jedenfalls basiert meine nachstehende Kritik:

Wenn Schirrmacher behauptet, dass die wissenschaftlichen Untersuchungen in den USA während des Kalten Kriegs die erwähnten Ergebnisse hatten, so stimmt dies nicht. Die Ergebnisse waren vielmehr genau das Gegenteil, nämlich dass im Vergleich zwischen Betrügern und Ehrlichen die Population, die ehrlich ist und ihre Versprechen auch einhält, in langen Komputersimulationen - also auf Dauer – gewinnt. Ich werde versuchen, diese sehr interessanten Ergebnisse in meinem Archiv aufzufinden. (Eine Veröffentlichung war von Hofstadter nach meiner Erinnerung, vielleicht ein Auszug aus seinem Buch „Metamagicum“ – da bin ich aber unsicher). Sie haben mich seinerzeit überrascht und dann sehr fasziniert und auch beeinflusst. Und ich habe die amerikanische Politik von Ping-Pong- Diplomatie bis zu den Abrüstungs- Bemühungen und -Vereinbarungen wie auch die deutsche Ostpolitik immer als Ausfluss dieser Erkenntnis gesehen und verstanden.

Dass Herr Schirrmacher versucht, einen Bogen von einer falsch dargestellten Spieltheorie zu spannen zur Finanzkrise, versetzt mit antiamerikanischen Gedanken, entspricht seinem guten Gefühl für die Stimmung an den intellektuellen Stammtischen, wo er auch mit so manchem Artikel im Feuilleton seiner Zeitung hofft, ein paar zusätzliche Abonnenten zu gewinnen oder wenigstens die vorhandenen zu halten. Der Mann hat Literaturkenntnis und Einfühlungsvermögen (wie Lafontaine), aber die Substanz seiner Artikel ist leider oft von Fehlern durchsetzt, die auch harmlos als Ressentiments gedeutet werden können.

Die Bedeutung des Egoismus in unserer Welt ist davon ganz unabhängig und unbestritten. Die Komputersimulationen haben auch nichts mit Moral zu tun sondern sind naturwissenschaftliche oder wohl besser „mathematische“ Experimente, die Simulation von menschlichem Verhalten.

Es würde mich freuen, wenn Sie jemanden finden könnten, der in Bezug auf die das Buch tragenden Thesen die Mängel offen legt.- Herr Schirrmacher wird schon dafür sorgen, dass noch einige Zeit über sein Buch gesprochen und geschrieben wird – er ist ja bekannt genug, um auch dazu in Talk- Shows aufzutreten, sodass genügend Zeit bleibt, noch während der Aktualität und Präsenz in den Medien diese Fragen anzusprechen.

Mit freundlichen Grüßen