Placidus Plagiat

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RE: Kann und muss ich meinen Doktortitel nun auch vergessen? | 19.02.2011 | 00:37

Merci consacré!

Dass Kluge ebenso mit von der Partie ist, ist wunderbar... Die Nachrichten aus der ideologischen Antike lassen grüßen ...

Gruß,
Placidus

RE: Kann und muss ich meinen Doktortitel nun auch vergessen? | 18.02.2011 | 23:39

Geneigter Egon-Erwin Wrobel,

jetzt haben wir uns aber doch missverstanden; sie haben absolut kein Klischee unbewusst bedient! Vielmehr ist mein Einschub so zu verstehen gewesen, dass ich -präventiv- den Einwand, den man mir(!) als Klischee hätte machen können (nicht muss natürlich), von vornherein ausschliessen wollte, da ich eben auch noch pragmatisch denke und lebe. Mir geht, um es mal sehr direkt zu sagen, dieser Standesdünkel doch etwas auf den Keks...

-cut-

OK, ich haben eben überlesen, dass wir auch das "Du" pflegen könenn; können wir machen ...

Also ich hatte das dann schon richtig verstanden, dass bisher eben noch wenig Erforschtes zu dieser Thematik da ist. Deinen Befund, dass hier vieles aus dem System heraus "abgewiesen" wird, weil es selbiges hinterfragt, teile ich uneingeschränkt.

Durch Zufall fiel mir gerade ein alter SPIEGEL (digital) in die Hände -> www.spiegel.de/spiegel/print/d-46209547.html ... Ich muss hierbei ergänzend erwähnen, dass ich mich mit der Thematik intensiver erst seit ein paar Wochen befasse... Insofern sind Deine Anregungen für mich sehr hilfreich.

Beste Grüße,
Placidus

RE: Kann und muss ich meinen Doktortitel nun auch vergessen? | 18.02.2011 | 22:44

Lieber Egon-Erwin,

dass die von mir skizzierte -überwiegend natürlich hypothetische- Verschiebung (noch) keiner veritablen Fundierung im Sinne von Studien anheim gefallen ist, dies ist schon weitestgehend klar. Ich danke aber in diesem Kontext sehr für die Literaturtips.

Was ich aber schon -gerade in meinem beruflichen Umfeld- seit Jahrzehnten real und tagtäglich wahrnehme, ist, dass Herr oder Frau Dr. sich für etwas Besseres halten, als der "gemeine Akademiker" oder gar der Nicht-Akademiker. Dies mit einem einfachen Klischee abzutun, dies greift mir dann doch auch etwas zu kurz, denn in gewisser Weise ist das ja auch eine Art von Empirie, wenn man dies über einen Zeitraum von knapp 20 Jahren beobachtet. Aber, ganz klar: Es ist eine Wahrnehmung!

Beste Grüße,
Placidus

RE: Kann und muss ich meinen Doktortitel nun auch vergessen? | 18.02.2011 | 21:53

@gweberbv:

Ich bitte schon darum, dass wir präzise wiedergeben ;-), denn ich schrieb nur, dass sie vermutlich in eine Krise stürzen könnte; also nichts mit "Zusammenbruch".

Des Weiteren halte ich nicht so viel davon, den akadamemischen Betrieb immer mit diesen Ressentiments zu füttern, die -es wirkt auf mich jedenfalls so- den Naturwissenschaften nun DIE Rolle zuweisen, während alle anderen Wissenschaftsbereiche dann immer gleich (gefühlt überwiegend) "simulierend" arbeiten... Schon klar, ich habe Ihre -expressis verbis- (nur) auf die Statuspromotionen in den GW bezogene Äußerung nun auf alles bezogen ...

Im Kern haben Sie aber sicher Recht: in den GW wird gewiss mehr auf Status promoviert. Ich glaube, man nennt dies "intern" -so las ich kürzlich- dann eine Typ-II-Dissertation...

Grüße,
P.P.

RE: Kann und muss ich meinen Doktortitel nun auch vergessen? | 18.02.2011 | 03:15

@ Egon-Erwin Wrobel

Gerade zu Ihrem Posting hätte ich ja nun -vielleicht als Hoffnung, die bekanntlich niemals stirbt- doch ein paar Antworten erwartet; aber vielleicht ist es manchmal auch wieder besser, dass sich diese Erwartung doch nicht erfüllt, denn man wäre sonst womöglich doch etwas -aus Beflissenheit- desillusioniert.

Ich habe im heutigen akademischen Betrieb grundsätzliche (und ich bitte dies nicht als juristischen Terminus zu lesen) Zweifel, ob Promotionsverfahren noch wirklich dazu dienen, dass jemand dazu "befähigt" werden soll bzw. diese "Befähigung" nachweist, dass er/sie genau diesen Beitrag leistet bzw. leisten soll, den Sie, Herr Wrobel, als (in meinen Worten) -"idealtypisches Sein" von Wissenschaft- anführen: Nämlich das Leisten von Beiträgen zu Themen die eben noch nicht in einer "Tiefe" eruriert bzw. untersucht worden sind, als dass über X oder Y in dem Sinne alles bekannt ist, was z.B. das WESEN ausmacht, oder seine Wirkmechanismen beschreibt/charakterisiert oder was Zusammenhänge zu/in bezug auf Z beleuchtet usw.

Mir scheint, dass dieser "Anspruch", den Wissenschaft ja durchaus mal hatte, zunehmend durch eine kulturell-soziologische Prägung ersetzt worden ist, die vornehmlich entweder in ökonomischer Hinsicht grundiert ist oder eben auch auf individual-psychologischer Ebene z.B. durch die hier mehrfach erwähnte Eitelkeit widerspiegelt wird. Man kann sich des Eindrucks nicht verschliessen, dass ein akademischer Grad heute eben vordergründig aus der Motivation heraus angestrebt wird, "etwas zu gelten" bzw. beruflich dadurch (ökonomisch) besser gestellt zu werden bzw. werden zu können. Das mag man bedauern, das mag man kritisieren, aber man wird wohl am Fakt als solches kaum etwas ändern...

Denn wenn die Mehrheit ihre Promotionen dafür anstreben würde, dass sie im Rahmen von späterer (vielleicht akademischer) Forschung (und vielleicht auch Lehre) ausschließlich darauf bedacht wären, dass sie Erkenntnisse "generieren müssten", die dem bisherigen Verständnis von X, Y oder Z neue Impulse und Ansichten verleihen würden, dann würde die (bisherige) Wissensgesellschaft vermutlich in eine Krise stürzen, da dann ja das Primat (für die Erlangung eines akademischen Grades) nicht mehr vordergründig kulturell-soziologisch begründet wäre (vgl. "Status" [individuelle Sicht], "Schicht" [soz. Komp.], "Ökonomie" [Cui bono?] usw.), sondern darauf ausgerichtet wäre, dass man das NEUE (vielleicht wieder ganz im sokratischen Sinne) suche und es (vielleicht) mit dem alten "verbindet" - aber eben zunächst "nur" der Erkenntnis wegen...

Was man dann daraus (später) macht, oder auch nicht, dies sollte vielleicht nicht mehr unbedingt Metier des promovierten Geistes sein. Dies bedeutet aber nun auch nicht, dass man als promovierter Vertreter der menschlichen Spezies nun nur noch der "Theorie" verpflichtet sein sollte; dies wäre ebenso absurd wie kontraproduktiv. Aber eine gewisse Rückbesinnung auf die originäre "Funktion" eines Promotionsverfahrens, nämlich: "lat. promotio = Hervorhebung; mit einer Promotion wird
man seit rund 800 Jahren mehr oder weniger öffentlich in den Kreis der Wissenschaftler aufgenommen. Man promoviert nicht, auch sich nicht, sondern man wird als Person, besser als wissenschaftliche Persönlichkeit, individuell und unverwechselbar, promoviert!" [Bernhard Eitel] würde in meinen Augen nicht nur nicht schaden, sondern sie würde sogar den (immateriellen) Wert dieser Titel vielleicht wieder heben (können).