Die Eigentumsfrage umfassender gestellt

Gedanken über Enteigung: Felix Bartels schreibt über die Enteignung und die Unvollständigkeit der bisherigen Auseinandersetzung. Wo Enteignung, da ist auch Aneignung.
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Kluge Gedanken zum Anstoß von Kevin Kühnert, die zugespitzt auf folgendes hinausläuft: "Es ist sinnlos, die Frage nach der Enteignung ohne die Machtfrage zu stellen. Erst wer sie als politische und nicht bloß ökonomische stellt, stellt sie ernsthaft."

Solange sich also alles nur mehr oder weniger auf der Ebene von Talkshows entrüstet und kaum jemand den Impuls eines jungen SPD-Mitglieds ernsthaft als realisierbar betrachtet (wo kein Wille, da kein Weg!), bleibt es eine vorübergehende Welle in den Medien, die in einigen Wochen wieder verebbt sein wird.

Mehr in dem Beitrag "Nur was keinem gehört, kann allen gehören" (jw 11./12 Mai 2019).

Diese Grundgedanken können als Gerüst dienen, an dem erwogen werden kann, was bedacht werden muss, um dauerhafte Veränderungen zu stabilisieren.

Nur, findet sich das revolutionäre Potential bei jenen, die Dietmar Dath in einem Vortrag zur Hans-Heinz-Holz-Tagung "Realismus als ästhetisches Prinzip" so wiedergibt:

"Die Affen gucken selbst Filme, die echte Kunst sind auf dem Smartphone, im Gehen, statt dahin zu schauen, wo sie laufen. Sie hören, was über die Kopfhörer ins Resthirn kommt, nicht das, was die Anwesenden reden oder hupen. Wenn ein zwölfjähriges, intelligentes Mädchen heute ein Buch lesen will, ist das eine Herkulesaufgabe, und zwar nicht primär deshalb, weil dieses Mädchen innerhalb von zwanzig Minuten fünfundsechzig Whatsapp-Nachrichten über den Gruppenchat der eigenen Schulklasse kriegt, bei denen es durchaus um so nützliche Koordinationsgeschichten geht wie Hausaufgaben oder wo der Werkunterricht stattfindet.

Das Problem ist vielmehr, das der ganze (um das Wort von Holz zu übernehmen) intersubjektive Aufwand stattfindet vor dem Hintergrund der gesellschaftlich erzeugten Leugnung seiner selbst gesellschaftlichen Voraussetzungen: Dem Mädchen wird zugemutet, subjektiv wissen zu sollen, was es vom all dem Signalschaum beachten muss, damit es einen Platz im Gemeinwesen behält, während gleichzeitig auf allen Kanälen permanent die Unsicherheit der sozialen Existenz aller Nichtbesitzenden, das bloße Geduldetsein der Nichtherrschenden, die Anarchie der Produktion und die Allgegenwart der Selektion nach verrückten Verwertungskriterien gesendet werden, kurz, das monopolkapitalistische Chaos, das man nicht verstehen soll (wer es dennoch versucht, erlebt sehr schnell die Grenzen der sogenannten Informationsgesellschaft" (Auszug aus jw vom gleichen Datum)."

Die Grenzen oder auch das Tabu, worüber wie, wo und wann gesprochen werden kann, sollten erkennbar sein.

19:58 11.05.2019
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