Englischer Tankerklau

Illegale Aktion: Die britische Marine bringt den iranischen Öltanker Grace 1 in internationalen Gewässern vor Gibraltar auf und die Kronkolonie sorgt für die passenden Verordnungen.
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Großbritannien explizit im Vorspann nicht getitelt.

Auch wenn die USA in Gestalt von Trump sich bis vor kurzem noch zurückgehalten hatten, dürfte ihr Ansinnen u.a. darin liegen, in der EU, speziell bei den Vertragsstaaten des Atomabkommens, Dissens zu erzeugen. Bisher schien England in der Sache noch ziemlich isoliert dazustehen, was sich aber seit ein paar Tagen deutlich geändert hat, da nun auch Frankreich, Italien und Dänemark als willige Helfer auftreten, ausgerechnet auch noch dem Staat gegenüber, der der EU mit dem Brexit schon genügend Schwierigkeiten bereitet.

Es wäre nicht das erste Mal, mit außenpolitischen Abenteuern von den inneren Schwächen abzulenken und wie im Falklandkrieg Frau Thatcher daraus Kapital geschlagen hat. Ein Boris Johnson, der zwar nicht der Veranlasser der englischen Aktion war, kann sich nun als starker Mann profilieren, und nun vermeintliche Stärke signalisiern, egal, ob es sich um eine international rechtlich einwandfreie Aktion handelt oder nicht.

Es musste bereits misstrauisch machen, wenn von deutscher Seite anfangs die ersten Kommentare von Regierungsseite her die friedlichen Maßnahmen betonten, aber gleich mit Vorbehalten wie "grundsätzlich nicht ausgeschlossen" daherkamen, was militärische Maßnahmen in der Straße von Hormus betrifft.

Die neue Verteidigungsministerin K.K. dürfte wohl nun dem amerikanischen Ansinnen kaum länger widerstehen wollen, wenn auch letztlich mit einem indirekten EU-Label versehen. "USA bitten Deutschland um Unterstützung". Eine einseitige, kaum zu rechtfertigende englische Aktion in der internationalen Seestraße vor Gibraltar wird völlig verdreht, was Ursache und Wirkung betrifft und dann auch noch getoppt, wenn mit geplanten Militäraktionen in der Straße von Hormus, diese als deeskalierende Maßnahmen bezeichnet werden, wo damit genau das Gegenteil der Fall wäre und das eigentliche Delikt unter den Teppich gekehrt wird.

Was die ganze Spirale auf der Stelle beenden könnte, wäre die überfällige Rückgabe des iranischen Öltankers Grace 1, sodass auch die als "Pfand" einbehaltenen englischen Tanker wieder schippern könnten. Ergänzend dazu Arnold Schölzel mit "Eigene Hand" (jw 30.07.19)

Mit der französisch-deutschen Planung einer europäischen Armee sind Lockerungen der deutschen Waffenexporte verbunden und kaum etwas könnte diesem Ansinnen mehr entgegen stehen, als allzu zögerliches Verhalten bei internationalen Einsätzen, wenn sich Deutschland zukünftig nicht williger zeigt. Und da würde mich die Verteidigungsministerin doch sehr überraschen, wenn im vorliegenden "Testfall" ihre Haltung eine deeskalierende bliebe.

Tobias Riegel schreibt ausführlicher in den ND "Iran: Eine ganz große Koalition verfällt dem Kriegstaumel".

15:21 30.07.2019
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