Frauen als minderwertige Geschöpfe

Ursprünge und Tradierung: Es sollte nicht vergessen werden, auf welcher Basis das Christentum entstanden ist und welches Gedankengut aus griechisch-römischer Zeit übernommen wurde.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Bei allen berechtigten Bemühungen der Emanzipation der Frauen und den bisherigen feministischen Erfolgen kommt mir ein wesentlicher Faktor zu kurz, genauer, welche Tradition denn insbesondere das gesellschaftliche Denken geformt (bestimmt) hat, was die Gleichwertigkeit der Frau vor dem Gesetz betrifft. Und das ist ohne Zweifel die christliche Tradition, die sich inbesondere in der römisch-katholischen bis heute auswirkt und die Diskriminierung der Frau im gesellschaftlichen Bild prägt(e).

Die Christen haben das hellinistische Gedankengut übernommen, in dem "Frauen immer als minderwertige Geschöpfe von Natur aus und von Rechts wegen betrachtet wurden" und auch im römischen Recht wurde der niedere Status der Frau festgelegt. Und so war der nächste Schritt nicht weit, nur dem Mann die Gottesebenbildlichkeit zuzuerkennen, zumal die ganze "Misere" der Sünde eh von der Frau im Paradies ausgegangen sei. Denn irgenwie müssen ja Gründe her, wenn es um die Ausgrenzung der Frauen geht und ihre Fernhaltung von den Schalthebeln der Macht.

Ein paar Zeugnisse aus der kirchlichen Tradition, die längst noch nicht verworfen wurden und weiter das kirchliche Denken und Handeln bestimmen. Aus der Kirchensynode von Tyrnau 1611: "Alle Bosheit ist klein gegen die Bosheit des Weibes. Besser ist die Gottlosigkeit des Mannes als ein wohltuendes Weib". Und der Kirchenlehrer Thomas von Aquin schreibt: "das Weib sich zum Mann verhält wie das Unvollkommene und Defekte zum Vollkommenen". Und selbst Johannes XXIII bekennt in seinen Tagebüchern, dass er sich davor hüte, seine Mutter und seine Schwester direkt anzuschauen, weil auch von ihnen wie von jeder Frau die Versuchung ausgehe. (Zitate entnommen Papst-Entzauberung - Hubertus Mynarek).

Was die Sexualität betrifft, insbesondere die der Homosexualität und die generelle Leibfeindlichkeit der Kirche, diese steht im krassen Gegensatz zum Liebesgebot und den verschiedensten Dokumenten die Kirche selbst, die sich auf ihrem Weg der Legitimation darüber heillos verstrickt hat. Ebenfalls eine Folge der Diskriminierung vor allem der Frauen, auf die ich die Frauen selbst hinweisen möchte. Denn nun gibt es noch den "Übersteiger", wie man es im Fußball nennt, wenn der Gegner (hier vor allem die Frauen), mit Maria, der neuen Nebengöttin auf dem Felde der Idealisierung der perfekten Frau und Mutter erfunden wurde, die als sündelose (unbefleckte Empfängnis, fälschlich mit der Jungfrauengeburt verwechselt), demütige und stets dienende in die Institution Kirche eingeführt wurde und als Allheilmittel gegen die Unkeuschheit und Sexualität, zum Vorbild auch einer männlichen Jugend dienen, die ihre naturhaften (sündhaften) Triebe in diesem Sinne sublimieren sollen.

Nun wäre die Frage zu stellen, ist das der Kirche gelungen? Meinem Eindruck entsprechend zumindest in der römisch-katholischen und der orthodoxen als die größten Richtungen, die sich in der berechtigten Nachfolge Jesu sehen. Einer nachträglichen, paulinischen Erfindung, die zu verkraften hatte, was nicht eingetreten ist, nämlich die Parusie, also die Wiederkunft Jesu, die ihn als den Christus ausgezeichnet hätte.

Warum also verbleiben Millionen von Frauen in dieser Institution und stützen eine männlich, hierarchische Struktur, die ohne sie längst in sich zusammengefallen wäre? Einer Religion, die ohne die aus der Überlieferung entfernten Apostellinnen längst von der Bühne verschwunden wäre, abgesehen von der Tatsache, dass diese Denomination erst eine über Kaiser Theodosius I anno 380 mittels des Dekrets conctus populos werden konnte, "mit dem das Christentum zur Staatsreligion erklärt und die Ausübung heidnischer Kulte unter Strafe gestellt wurden". Es war also ein weltlicher Kaiser, der für die Initialzündung verantwortlich war, da er ein geordnetes Reich ohne die sich gegenseitig "bekriegenden" christlichen Strömungen herstellen wollte, was ihm auch gelungen ist.

Wenn also den Frauen daran gelegen ist, die immer noch vorhandene Dominanz christlichen, männlichen Gedankenguts zu durchbrechen, dann bleiben nicht viele Alternativen, entweder :

1. raus aus der Kirche (zumindest Einstellung aller Aktivitäten) oder,
2. die Gründung einer eigenen Kirche (falls das für erforderlich gehalten wird).

Denn diese sich selbst zirkulös, dogmatisch arguementierende christliche Kirche wird unter ihrem Anspruch den Frauen niemals den Raum gewähren (wobei diese Formulierung "gewähren" schon falsch ist). Daher bleibt es äußerst verwunderlich, wieso es zwar einige bekannte Streiterinnen innerhalb und außerhalb der Kirche gibt, aber offensichtlich keine hinreichenden Folgen nach sich gezogen hat.

16:25 17.11.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare 24