Ich werde nicht mehr gebraucht

Arbeitslosigkeit: Die Ursachen von Armut und Arbeitslosigkeit sollten doch mittlerweile zum Grundwissen gehören, also hier vorausgesetzt werden können. Umso erstaunlicher für mich, dass ..
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http://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Megatrend_Doku/Mobilitaet/07_Drohnen.jpgQuelle Zukunftsinstitut

Einige Kommentare aus dem Beitrag von Katharina Edinger "Was an Armut in Deutschland wirklich arm ist", haben mich zu diesem Text veranlasst. Es gibt immer noch die irrige Vorstellung, dass wir unser Leben in einer Art autonomen Selbverwirklichung in der Hand haben und somit folglich bei Nichtgelingen die Ursache des Misslingens auch gleich bei uns selbst suchen müssen. Dieser Gedanke wäre dann ganz logisch, wenn man mit der Vorstellung behaftet ist.

Hier ist also die Illusion soweit in die Lebenswirklichkeit der Köpfe eingedrungen, wie sich das die Kapitalisten früher wohl nicht zu Träumen gewagt hätten. Nur, wie konnte es soweit kommen? Nun, zufällig ist das nicht und einer jetzt über einige Jahrzehnte sich hinziehende "Erziehung", die auch von der Elite unserer Gesellschaft, als eingekaufte und korrumpierte Kräfte, mit Ideen und Ideologien versorgt wurde. Denn ohne diese "Gedankenarbeiter" hätte es das Kapital nicht geschafft, "das falsche Bewusstsein" zu erzeugen.

Und dabei genügen doch bloß ein paar alte Texte von Marx, um die Zusammenhänge klar zu machen. Und genau das wäre aus der Vergangenheit zu entnehmen und nicht die Einmaligkeit unserer Produktivkräfte mit unzulänglichen Vergleichen der Geschichte zu ziehen und die fatale Wirkung der Kräfte auf den Einzelnen ihm selbst anzulasten, da er/sie sein Selbstmanagement nicht auf die Reihe bekommt.

"Sosehr uns das Ganze dieser Bewegung als gesellschaftlicher Prozeß erscheint, und sosehr die einzelnen Momente dieser Bewegung vom bewußten Willen und besonderen Zwecken der Individuen ausgehen, sosehr erscheint die Totalität des Prozesses als ein objektiver Zusammenhang, der naturwüchsig entsteht; zwar aus dem Aufeinanderwirken der bewußten Individuen hervorgeht, aber weder in ihrem Bewußtsein liegt, noch als Ganzes unter sie subsumiert wird. Ihr eigens Aufeinanderstoßen produziert ihnen eine über ihnen stehende, fremde gesellschaftliche Macht; ihre Wechselwirkung als von ihnen unabhängigen Prozeß und Gewalt ... Die gesellschaftlichen Beziehungen der Individuen aufeinander als verselbständigte Macht über den Individuen, werden sie nun vorgestellt als Naturmacht, Zufall oder in sonst beliebiger Form, ist notwendiges Resultat dessen, daß der Ausgangspunkt nicht das Freie gesellschaftliche Individuum ist" (MEW 42, 127).

Die Propaganda, die mit den Hartz IV-Gesetzen offensichtlich in vielen deutschen Köpfen gefruchtet hat, ist zu demaskieren. Da sind insbesondere in den Betrieben die Betriebsräte gefragt und die Gewerkschaften, als verbindendes und auf die Straße bringendes Organisationselement. Die haben aber leider ihre gesellschaftspolitische Aufgabe aus dem Fokus verloren und verzetteln sich im Kampf (Defensive) um die weniger werdenden Arbeitsplätze. Viele Mitglieder wissen das, aber das Schiff selbst kommt nur langsam in Fahrt.

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Einen guten Überblick gibt uns der verlinkte Beitrag von Patrick Spät, daraus zitiert:

"Die Automatisierung der Arbeitswelt zerstört millionenfach Jobs. Was einem Horrorszenario gleicht, birgt auch eine Chance: Denn der Kapitalismus sägt den Ast ab, auf dem er sitzt."

"Die Gruppe Krisis um den Philosophen Robert Kurz bemerkte dazu in ihrem »Manifest gegen Arbeit« (1999): »Erstmals übersteigt das Tempo der Prozess-Innovation das Tempo der Produkt-Innovation. Erstmals wird mehr Arbeit wegrationalisiert als durch Ausdehnung der Märkte reabsorbiert werden kann."

"Wir müssen uns klarmachen, dass Arbeitslosigkeit kein individuelles Versagen ist, sondern ein Fehler im System. Wenn eine gute Theorie die beste Praxis ist, dann lasst uns zuerst den Arbeitsfetisch auf der Müllhalde der bürgerlichen Ideengeschichte entsorgen."

Automatisch arbeitslos (jw 21./22.02.15 - Patrick Spät)

Patrick Spät, 32, lebt als freier Journalist und Autor in Berlin. Zum Thema Arbeit erschien von ihm das Buch »Und, was machst du so? Fröhliche Streitschrift gegen den Arbeitsfetisch«, Zürich, Rotpunktverlag 2014

Und was machst Du so?

13:36 23.02.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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