Im Establishment verankert

AfD: Ein feiner Artikel von Daniel Bratanovic aus der jw vom 19. Mai. 2016. Darin analysiert er, was die AfD erfolgreich macht und wer ihr den Boden bereitet hat.
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Elitär plebiszitär heißt der Titel, in dem die "Alternative für Deutschland" wohl nicht als vorübergehende Protestbewegung beschrieben wird.

Daraus ein paar Textstellen:
""Die »Alternative für Deutschland« erntet, was ein Sarrazin, aber auch andere in geistiger Niedertracht über Jahre gesät haben, auf einem Boden allerdings, der von einer (selbst als progressiv und antirassistisch präsentierten) Politik bereitet wurde, die dem Konkurrenzmechanismus innerhalb kapitalistischer Gesellschaften alle Fesseln genommen hat. Sarrazin, er sei hier ein letztes Mal als Beispiel elitärer Kanaille genannt, lieferte mit seinen Büchern die Bausteine nunmehr offizieller Parteiprogrammatik: die Sorge um die biologische Reinheit der Deutschen (»Deutschland schafft sich ab«), die Ablehnung der Gemeinschaftswährung (»Europa braucht den Euro nicht«), die Behauptung eines linksliberalen »Meinungskonformismus« (»Der neue Tugendterror«) und eben jüngst seine Generalabrechnung mit dem herrschenden Politikbetrieb (»Wunschdenken«)."

"Antonio Gramsci nannte solche Situationen (keinen Konsens mehr zwischen Herrschern und Beherrschten, zwischen Repräsentanten und Repräsentierten) »organische Krise«. In seinen »Gefängnisheften« schreibt er: »Wenn die herrschende Klasse den Konsens verloren hat, das heißt nicht mehr ›führend‹, sondern einzig ›herrschend‹ ist, Inhaberin der reinen Zwangsgewalt, bedeutet das gerade, dass die großen Massen sich von den traditionellen Ideologien entfernt haben, nicht mehr an das glauben, woran sie zuvor glaubten usw.«"

"Der deutsch-amerikanische Soziologe Leo Löwenthal hat in seinen 1948 erschienenen »Studien zur faschistischen Agitation« gewissermaßen den Generaltypus des Demagogen (hier Björn Höcke) skizziert. »Der Agitator«, heißt es in »Falsche Propheten«, »geht seine Zuhörer nicht von außen her an; vielmehr gibt er sich wie jemand aus ihrer Mitte, der ihre innersten Gedanken formuliert. Er rührt das auf und drückt das in Worten aus, was in ihnen schlummert.« Und an anderer Stelle: »Während sowohl der Reformer als auch der Revolutionär ihre Energien darauf verwenden, Gedanken und Emotionen ihrer Zuhörer auf eine höhere Bewusstseinsebene zu transponieren, trachtet der Agitator danach, die irrationalen Elemente der ursprünglichen Anklage zu übertreiben und zu intensivieren.«"

"Aber: »Die AfD wird zu großen Teilen (auch) von jenen gewählt, die jahrzehntelang als sozialdemokratische Kernklientel galten«, schreibt Robert Pausch vom Göttinger Institut für Demokratieforschung in einem Gastbeitrag für die Zeit unmittelbar nach den Landtagswahlen Mitte März. »Unter Arbeitern und Arbeitslosen erzielte die AfD in allen drei Bundesländern herausragende Ergebnisse. In Sachsen-Anhalt wählte mehr als ein Drittel von ihnen AfD, in Baden-Württemberg fast 30 Prozent.«"

"Nun ist die Alternative für Deutschland keine faschistische Partei. Bisher. Sie hat denen ein Refugium geboten, die als Nationalkonservative in der CDU oder als Nationalliberale in der FDP ihr natürliches Habitat verloren haben. Sie hat aber eben auch originär völkischen und wenigstens protofaschistischen Kräften Raum gegeben und ihnen damit bisher unbekannte Aufmerksamkeit und Anerkennung verschafft."

Heike Göbel von der FAZ ist da schon ganz pragmatisch (was mich überhaupt nicht wundert): "Die verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik in der »Zeitung für Deutschland« verlangt vielmehr, deren »Ideen vorbehaltloser daraufhin zu überprüfen, ob sie« – und nur darauf kommt es an – »das Land voranbringen können«."

Und wer noch mehr Zeit hat, kann sich passend dazu den letzten Scobel anschauen mit dem Thema: Rüpel, Rowdies, Radikale

23:38 19.05.2016
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