Ob das bei Schäuble wohl angekommen ist?

Geldschöpfung der Banken: Aus dem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank von 04/2017 im Beitrag: "Die Rolle von Banken, Nichtbanken und EZB im Geldschöpfungsprozess." (ab Seite 15)
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Erstaunliches lässt sich im Bundesbankbericht lesen: "Dabei hängt die Fähigkeit der Banken, Kredite zu vergeben und Geld zu schaffen, nicht davon ab, ob sie bereits über freie Zentralbankguthaben oder Einlagen verfügen."

und weiter:
Im Anhang ab Seite 33 ist dann ausführlicher zu lesen in "Anmerkungen zu einer 100-prozentigen Deckung von Sichteinlagen durch Zentralbabnkgeld", was für oder gegen diesen Vorschlag spricht. Zumal Vorschläge in dieser Richtung bereits von Irving Fischer in den 30ern und von Milton Friedman in den 50er und 60er Jahren gemacht wurden.

Wer nun gedacht hätte, ein 100%er Reservesatz würde die Geldschöpfung der Banken verhindern, der lese folgendes: "Dies ändert aber nichts daran, dass ein Reservesatz von 100% für sich genommen nicht die Geldschöpfung der Banken unterbindet. In einem System der vollständigen Deckung von Sichteinlagen durch Zentralbankgeld müssen vielmehr zusätzlich die institutionellen Voraussetzungen oder bestehende Regulierungsvorschriften so geändert werden, dass eine Geldschöpfung durch Geschäftsbanken de facto nicht mehr möglich ist."

Wenn also die Erhöhung des Mindestreservesatzes "für sich genommen kaum Wirkungen auf die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken hätte", als ablehnender Grund aber hauptsächlich dadurch die Erschwerung der Schaffung von Liquidität über die Fristentransformation aufgeführt wird, dann kann mich das nicht so richtig überzeugen.

Denn wenn man die Vorteile der Liquiditätsbereitstellung der Banken erhalten will und gleichzeitig die Geldschöpfung den Banken beendet, dann liegt es doch auf der Hand, das Zentralbankgeld als alleiniges Maß und Ursprung des Buchgeldes zu machen und den Banken über offene Vertragsbeziehungen einen Kreditrahmen einzurichten, der sich objektiv an den Präferenzen von Wirtschaft- und Handel (und der Außenwirtschaft) ausrichtet, zumal die Banken eh über die monatliche Bista (Bilanzstatistik) und weitere Melde- und Kontrollmechanismen im Aufsichtsverfahren stehen.

Ferner wäre den Banken das Eigengeschäft zu untersagen, solange es sich nicht eindeutig um wirtschaftlich unterlegte Geldgeschäfte handelt. Das wäre allerdings jenseits von der sicher sinnvollen "Stärkung der Eigenkapitalbasis sowie den Auf- und Ausbau eines wirkungsvollen makroprudenziellen Instrumentariums" (auf die Stabilität einzelner Finanzinstitute gerichtet) zu leisten.

Aber immerhin sind weitere Textstellen wie: "Das stilisierte Beispiel zur Geldschöpfung zeigt im Besonderen, dass die Kreditvergabe grundsätzlich ohne vorherige Zuflüsse von Kundeneinlagen stattfinden kann. Die Buchgeldschöpfung ist das Ergebnis eines Buchungsvorgangs: Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, verbucht sie die damit verbundene Gutschrift für den Kunden als dessen Sichteinlage und somit als eine Verbindlichkeit auf der Passivseite ihrer Bilanz. Dies widerlegt einen weitverbreiteten Irrtum, wonach die Bank im Augenblick der Kreditvergabe nur als Intermediär auftritt, also Kredite lediglich mit Mitteln vergeben kann, die sie zuvor als Einlage von anderen Kunden erhalten hat." eindeutig und es sollte somit der Mythos, dem wohl auch noch Politiker im Bundestag unterliegen, also Kreditierung nur aus Einlagen, endgültig durchschaut sein.

Das ist hier im Forum für diejenigen, die sich bereits länger mit dem Thema befassen sicher nichts Neues, aber es ist doch schön, es auch von offizieller Seite bestätigt zu sehen!

Hier nun der Link zum Monatsbericht April 2017.

Und mehr von Buchgeld, Geldmenge und Geldschöpfung hier, von der Deutschen Bundesbank.

18:31 06.09.2017
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