Überlandleitungen und Windräder

Ästhetische Fragen: Im Zusammenhang mit dem unbestreitbaren Kimawandel werden Nebenschauplätze aufgemacht, die in der Detailverzettellung den Kuchen bereits vor dem Backen verteilen.
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Freilandleitungen der Energieversorgung

Laut EnBW beläuft sich die Länge des deutschen Stromnetzes auf: "Das Hochspannungsnetz mit 110 Kilovolt misst 81.000 Kilometer. Zusammen mit dem Mittelspannungsnetz (30, 20 und 10 Kilovolt, 517.000 Kilometer) liefert es elektrische Energie für Unternehmen und Stadtwerke oder kleine Energieversorger. In den Orten und Städten gelangt dann der Strom zu den Haushalten, zum Gewerbe und zu landwirtschaftlichen Betrieben mit dem Niederspannungsnetz (230 oder 400 Volt, 1.178.000 Kilometer)."

Wieviele Masten das in etwa ausmacht, kann noch ergänzt werden, aber der Abstand dürfte kaum über einen Kilometer liegen und so hat man eine ungefähre Vorstellung von der Größenordnung.

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Installierte Windkraftanlagen (Windräder, Windmühlen)

Laut dem Bundesverband der Windenergie waren Ende 2018 30.518 Windenergieanlagen installiert, siehe hier.

Erneuerbare Energien haben den Vorteil, dass sie quasi unbegrenzt zur Verfügung stehen (im Sinne von freier Verfügbarkeit), sodass dieses "Energieangebot" schlecht in den Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung passt, solange man den Oligopolen der Energiekonzerne (also Vorrang der Zentralisierung) den politischen Vorzug gibt. Hier fällt die Ökologie natürlich hinten herunter.

Wie diese "Wende" in Deutschland zukunftsträchtige Arbeitsplätze vernichtet hat, wie das nun auch bei den Windkraftbetreibern der Fall ist (nachdem es die Solarfirmen bereits betroffen hatte), mal wieder lehrreich in der Anstalt zu sehen, siehe hier.

Nun gibt es Foristen, die machen sich tiefgründige Sorgen, beispielhaft so:
"1 Million Windräder weltweit, 4.000.000.000 Tonnen Beton. 4 Milliarden. Und das ohne Peripherie. 10 Millionen macht 40 Milliarden Tonnen. Da sehe ich schon beim Sand ein Problem. Und Solarzellen stellt die Landkommune her, aus Gartenabfällen."

Ja, das mit dem Sand ist ein echtes Problem, aber sicher nicht wegen der Windmühlen! Jede Großstadt, die allein in China aus dem Boden gestampft wird, enthält mehr Sand, als alle Windräder der Erde. Richtig wäre anzumerken, dass es bisher zumindest mehr metallischer Rohstoffe bedarf, die pro Megawatt Leistung gegenüber z.B. den Kohlekraftwerken verbraucht werden.

Aber die Zielrichtung des Beitrags sollte die Ästhetik sein, die im Volksmund als "Verspargelung der Landschaft" bezeichnet wird. Diese Kritik ist nicht ganz unberechtigt, aber leider das Ergebnis einer marktwirtschaftlichen Planlosigkeit (wie ich es bezeichnen möchte). Jedes Kind, zumal die Älteren, sind es von Kindesbeinen an gewöhnt, die Landschaft mit Strommasten zu erleben. Zwar erinnere ich mich an alte Diskussionen, wenn Stromleitungen zu nahe an Wohngebiete geplant waren, aber grundsätzlich wurden die Leitungen nicht infrage gestellt, jedenfalls nicht aus ästhetischen Gründen.

Erstaunlich auch, wer sich selbst gegenüber reflektiert, wie es denn so bei Wanderungen, aber auch in den Städten mit der eigenen Aufmerksamkeit so bestellt ist. Ist es nicht so, als ob die Masten irgendwie mit der Landschaft verbunden wären? Oder zumindest registriert man es nicht über ein bestimmtes Niveau hinaus, da man es nie anders gesehen hatte.

Wie nun sähe es heute wohl mit der Energieversorgung aus, wenn gleiche Einwände die Ästhetik betreffend, dieser neuen Technik entgegen gestanden hätten. Das Gegenteil war wohl der Fall, als den Menschen zum ersten Mal ein "Licht aufgegangen ist" und endlich mit der Glühbirne eine konstante Lichtquelle ins Haus kam. Über diese Alltäglichkeit der Moderne scheinen sich ein wenig die Verhältnisse verschoben zu haben, was den Anspruch betrifft und das, was vielleicht dafür zu geben ist. Ästhetische Ansprüche sind insoweit Luxusprobleme!

Eines noch, da werden abstruse Scheinargumente aufgetischt, die den Arbeitsplatzabbau der fossilen Energieerzeuger betrifft. Zum einen handelt es sich nicht entfernt um eine Größenordnung, wie es den Bergbau im Ruhrgebiet getroffen hatte; aber wenn es hier enden würde, ließe sich noch eine gewisse Logik erkennen. Abstrus wird es aber dann, wenn die neuen, gewünschten und benötigten Arbeitsplätze in den Industrien der Erneuerbaren mit Vorwürfen belegt werden, als wenn deren Vertreter manipulativ in die Gesellschaft einwirken, um ihre Position zu stärken.

Abgesehen davon, das Marketing und Werbung ein normaler Vorgang in der Marktwirtschaft ist, handelt es sich um einen mehrheitlich gewünschten Transformationsprozess, über den allenfalls gestritten, also in welchem Zeitrahmen das geleistet werden sollte. Und das wiederum überlässt man natürlich keinen Populisten (Lobbyisten), die i.d.R. auf der Bremse stehen (um das alte Geschäftsmodell zu erhalten) und ein eigenes Maß für Wissenschaftlichkeit einführen (eingekaufte Wissenschaftler finden sich immer, was Gutachten betrifft).

16:14 02.10.2019
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