Wie aus Scheiße fruchtbare Schwarzerde wird

Zukunftsmodell: Wasserwirtschaftler Ralf Otterpohl hat mit einer genialen Idee die Voraussetzung geschaffen (wiederentdeckt), was der Erosion der Erde entgegengesetzt werden kann.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

In einem wertvollen Beitrag der Le Monde diplomatique vom Mai 2015 schreibt Elisabeth von Thadden über den Visionär Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl, der sich gegen den Mainstream der Wasserwirtschaft hinweg mit einem neuen Konzept der Schmutzwasserentsorgung beschäftigt und als Ingenieur bemerkte: "Die einen vernichten genau das, was die anderen dringend bräuchten."

Aus dem Beitrag "Boden gut machen" (Seite 3) ein paar Zitate:
"Der weltweite Einsatz der Wassertoilette westlichen Typs sei eine Katastrophe, weil die hochinfektösen Fäkalien in den meisten Weltgegenden ungeklärt in die Gewässer geschwemmt würden."

"Rückgewinnung statt Entsorgung lautet die Devise. Beispiel Phosphat: Einer der knappsten und begehrtesten
Rohstoffe der Welt wird in der üblichen Siedlungswasserwirtschaft dramatisch vergeudet."

"Den Spielraum zu nutzen und zu erweitern, ist für viele Postwachstumspioniere fast so etwas wie eine kosmopolitische Pflicht. „Wir brauchen eine Weltwirtschaftsordnung, die allen dient“, sagt Otterpohl, „aber gegenwärtig sind fast alle ausgeschlossen.“ Wovon? „Von einem guten Leben in Freiheit.“ Er beruft sich auf den indischen Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Amartya Sen, für den Wohlstand und Freiheit, aber auch Eigentum und Freiheit untrennbar zusammengehören."

"Diese neuen Dörfer werden Orte sein, an denen es Privateigentum gibt, aber keinen Gemeinschaftszwang, denn in individualisierten Gesellschaften scheitern zu viele Projekte an einem kommunitären Überschuss."

"Schöne Orte sollen es werden, aber keine naive Idyllen. Dafür liegt etwas Neues in der Luft: eine Belebung und die freiwillige Anstrengung für eine Idee, die Menschen tragen kann – womit man bereits mitten in einem neuen Roman wäre."

Eine alternative Moderne bedeutet kein zurückfallen in spartanische Verzichtsgesellschaften (vorindustrielle Zeitalter), wohl aber eine, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit der Umwelt (Natur) so kombiniert, dass sich die Menschen über eine dezentrale, möglichst autarke Gesellschaftsorganisation aus ihrer passiven Funktion als Konsumenten befreien können und sie, wie Otterpohl meint, über "regionale Wertschöpfung, Unabhängigkeit und Freiheit" zu einer neuen "Gründerzeit" befähigt.

Die, sollte sie gelingen, keine neuen Formen der Monopolisierung mehr ermöglicht und dem Kapital keine Basis mehr bietet, um über Aneignung wieder alte Abhängigkeitsstrukturen zu errichten. Wobei "nur" noch die Kleinigkeit zu klären wäre, wie aus dem "Ist" heute, das "Soll" morgen zu erreichen ist, wenn man dem Kapital nicht vorher die Basis entzieht. Andererseits sind Besitztitel und Buchgelder nur soviel wert, wie man ihnen zugestehen will und das ist bekanntlich eine Machtfrage.

Es gibt nicht den großen Wurf, den großen Plan, der von einer Elite, einer Gruppe verordnet wird, sondern "nur" das Zusammenwirken vieler Aktionen wie dieser, um ein robustes Gebäude zu errichten, das dann dauerhaft bezogen werden kann.

Dazu noch ein Film, der im ZDf gezeigt wurde "Rettung aus dem Regenwald", der von dem Schriftsteller Ingo Schulze gedreht wurde, der dazu als Zuschauer eines Vortrags von Otterpohl inspiriert wurde.

Biographisches zu Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl

Popkontext hatte 2013 bereits über Terra Preta geschrieben.

01:13 24.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare 23