Wieder wird unser Gemeineigentum verkauft

Privatisierungen: US-Investoren fordern Lohnsenkungen in Europa. Die tarifliche Herabstufung von 20.000 Beschäftigten des Post-Konzerns soll ein Anfang sein.
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Wer noch irgend einen Zweifel hat, was Ziele und Denke von Politikern wie Schäuble betrifft, der findet in dem Beitrag von Werner Rügemer genug Stoff (der sich leicht vertiefen lässt), wie sehr bereits das neoliberale Mantra die Gehirne durchdrungen hat. Und wie wichtig es daher ist, das mit Syriza zumindest ein „noch“ standhaft bleibender Stachel vorhanden ist, der zwar von großen Teilen der deutschen Bevölkerung aufgrund der Berichterstattung nicht als ihr eigenes Problem erkannt wird, aber eine Lawine in Gang setzen könnte.

Als ich den Beitrag in der heutigen Ausgabe der jw lese, fallen mir dazu gleich zwei passende Erlebnisse ein. Unser kleiner Dorfladen, den wir als Genossenschaft betreiben, hat eine Poststelle (DHL), die vor überschaubarer Zeit noch von den Postmitarbeitern selbst (gelbe Postfahrzeuge usw.) bedient wurde. Jetzt leistet der Fahrer eines Subunternehmens den gleichen Dienst, logischerweise nicht mehr mit Postfahrzeugen und schlechter Bezahlung. Der Fahrer zeigte mir seine Jacke, wo zumindest noch gelb zu sehen war, aber mit dem Schriftzug des Subunternehmers.

Am gleichen Tag spricht mich ein junger Mann im Toom-Markt (REWE-Tochter) an, während er Ware einräumt. Er hatte dort eine Ausbildung erhalten, arbeitet nun weiter mit den früheren KollegenInnen zusammen, aber für eine andere REWE-Tochter, die als Servicedienstleister mit schlechteren Tarifen den gleichen Kollegen weiterbeschäftigt.

Wir befinden uns also zurzeit in einem beschleunigten Prozess von Ausgliederungen, die sich im persönlichen Umfeld bemerkbar machen. Meine Frage dazu wäre jetzt, da der Widerstand der Mitarbeiter vor Ort kaum Erfolg haben kann: wann begreifen die Gewerkschaften ihre Arbeit endlich wieder als politischen Auftrag, der sich nicht nur auf den Abwehrkampf (Defensive) der Arbeitsplatzproblematik beschränken darf? Und wenn es nicht die Gewerkschaften tun, wo ist die gesellschaftliche Gruppierung, die den Stein ins Rollen bringt? Ich registriere zwar viele positive Einzelaktionen kleiner Gruppen, aber es fehlt eine übergreifende Koordination, die alle in ein Boot bringt.

Politik und Wirtschaft verkaufen uns auch noch die kleinen Proteste als erfolgreiches Modell unserer Demokratie. Wohl wissend, dass dies nur zum Anstrich der Fassade dient. Also, wenn wir Syriza vom Kern aus entlasten (unterstützen) wollen, brauchen wir die großen Organisationen und mediale Repräsentation. Wo steht also der Freitag in dem Zusammenhang? Auch eine Bündelung der zwar kleineren, aber vorhandenen linken oder sagen wir neutraler, systemkritischen Medien wäre lohnenswert. Und es sollten parteiübergreifend die wenigen Mutigen eingebunden werden, die jenseits des Fraktionszwangs ihre Stimme erheben wollen.

Gesichter der Märkte (jw 19.02./ Werner Rügemer)

17:21 19.02.2015
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Geschrieben von

pleifel

Die Gedanken sind frei und das ist vielleicht der größte Irrtum.
pleifel

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