Pompejus

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RE: Was das Volk auf die Straße treibt | 23.06.2009 | 13:15

Focx, Sie sollten meinen Kommentar und den Artikel auf FiveThirtyEight aufmerksamer lesen.

Ich schreibe explizit, dass man aus der Umfrage der Herren Ballen und Doherty nicht schlussfolgern dürfe, dass Achmadinedschad 63% aller abgegebenen Stimmen auf sich hat vereinigen können. Genau wie FiveThirtyEights Nate Silver verweise ich dabei auf die hohe Zahl der Unentschlossenen. Aus diesem Grund lege ich auch nirgendwo nahe, dass Achmadinedschad der tatsächliche Wahlsieger sei. Was ich nahelege, ist dass es aufgrund der Umfrageresultat unvernünftig ist, Achmadinedschads Anhängerschaft auf 13% zu reduzieren, wie es diese unüberprüfbare Auflistung tut. Dagegen haben auch die Leute von FiveThirtyEight nichts einzuwenden.

Eine blosse Auflistung einiger Namen und Zahlen kann wohl kaum als Fakt bezeichnet werden, wie es der Autor des Artikels tut. Er schreibt auch nicht von einem "alternativen Wahlergebnis", wie sie es tun, sondern klipp und klar vom tatsächlichen Wahlergebnis. Angesichts der Unsicherheit der Quelle wird dieses Verhalten wohl kaum journalistischen Mindeststandards gerecht. Wir wissen nicht einmal, ob diese Zahlen tatsächlich von "Insidern aus dem Innenministerium" stammen. Das ist die Behauptung der Opposition. Da aber auch Oppositionelle lügen können, ist es wohl vernünftig, auch deren Aussagen mit der gebührenden Vorsicht zu behandeln. Daran ändern auch Ihre spöttischen Kommentare nichts.

Da ich nirgendwo auch nur andeutungsweise das Handeln der iranischen Regierung verteidigt habe, ja mich nicht einmal zu diesem Thema geäussert habe, denke ich doch, dass der letzte Absatz Ihres Kommentars eindeutig fehl am Platze ist.

RE: Was das Volk auf die Straße treibt | 22.06.2009 | 19:28

Es ist mir völlig unverständlich, wie man eine knappe Auflistung mit einigen Namen und Zahlen als "Quelle" und "Fakt" bezeichnen und gar sie als "detailliert" beschreiben kann. Wir wissen überhaupt nicht, von wem diese Zahlen stammen. Sie könnten genau so gut auf dem Rechner von Mussawi oder einem seiner Anhänger entstanden sein. Dass das Regime die Oppositionellen, die diese Zahlen auf ihren Seiten veröffentlicht haben, nicht verhaften lässt, ist wohl eher auf die Angst vor weiteren Unruhen zurückzuführen. Auf solch sandigem Boden lässt sich sicherlich kein überzeugendes Argument für einen Artikel aufbauen.

Das gilt auch für die Auszählung der Stimmen der Exil-Iraner. Das liefert zwar ein interessantes Bild der Meinung von achttausend Menschen, allerdings ist die zumindest fragwürdig, ob in Deutschland lebende Exil-Iraner repräsentativ für die gesamte iranische Wählerschaft sind.

Die Ausführungen von Frau Katayun Amirpur sind zweifellos interessant und unterstützen die berechtigten Zweifel am offiziellen Wahlresultat, aber wenn man sich beispielsweise eine in der Washington Post veröffentliche Befragung der iranischen Wahlberechtigten anschaut, wird man feststellen können, dass es mit blossen Verweisen auf die Ethnizität der betreffenden Kandidaten nicht getan ist, denn Achmadinedschad konnte auch unter den befragten Azeris eine respektable Führung aufbauen. Man darf aus der Umfrage natürlich nicht schlussfolgern, dass Achmadinedschad tatsächlich die Wahlen mit 63% gewonnen hat - das wäre auch aufgrund der grossen Anzahl Unentschlossener und dem drei Wochen vor dem Wahltag liegenden Zeitpunkt der Befragung auch unvernünftig - aber sie legt wiederum auch nahe, dass Mahmud Achmadinedschad kaum als 13%-Mann eingestuft werden kann. Begründete Vermutungen hin oder her.

www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/06/14/AR2009061401757.html